Marktforschung in China: Hintergrund und Kulturelle Rahmenbedingungen

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China erscheint ein Riese,
ist jedoch keiner von jener Sorte, der kleiner wird, wenn man sich ihm nähert. Im Weltmaßstab ist China das bevölkerungsreichste Land (1,3 Milliarden), mit den meisten Millionenstädten (160), den weltweit meisten Senioren (200 Millionen) , dem größten Auslandsreisendenmarkt (83 Millionen Reisende 2012, die 103 Milliarden US $ im Ausland ließen), dem größten Mittelstand ( z. Zt. 300 Millionen), den zukunftsträchtigsten Märkten für Industrieausrüster,  Eisenbahnbauer, Autohersteller und Luxusartikel, den größten Banken mit den üppigsten Auslandsdevisenreserven. Innerhalb der letzten dreißig Jahre hat sich China zur zweitgrößten Volkswirtschaft und wieder zur Weltmacht hochgearbeitet. Auf absehbare Zeit birgt China fast unbegrenzten Bedarf an und Nachfrage nach fast allem, was Dienstleister und Hersteller heute so zu bieten haben. Die alte Erfindernation des Papiers, des Druckes, Kompasses, Schießpulvers, Porzellans, Seide und Papiergeldes drängt offensichtlich erneut an die globale Innovationsfront.
"Marktforscher, hört die Signale!"

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Sämtliche Beiträge der Reihe "Marktforschung in China"

Chinas 36 Strategeme, Sun Tsu und die Marktforschung

18.06.2014 - In China ist Listigkeit Teil der Alltagskultur. Sie gilt als eine legitime Methode der Zielerreichung. Die hohe Kunst der adäquaten List findet sich vom Märchen bis hin zur Managerausbildung. Die... weiterlesen

 

Netizen in China für Marketingforscher

28.05.2014 - Chinas Regierung fördert eine Kultur der „Informatization Citizen“. Dortige Netizen sind gut behütet und emsige Content-Verfasser. Social Media halten zusammen, was Chinesen wichtig ist:... weiterlesen

 

Vertrauen im chinesischen Alltag als Hintergrund zum Marktgeschehen

08.05.2014 - Recht und Verträge gelten nur bedingt als vertrauensstiftende Geschäftsgrundlage. Chinesen schöpfen ihr Vertrauen primär aus persönlichen Beziehungen. Im Markt orientieren sie sich vorwiegend am Word... weiterlesen

 

China als Autonation aus Sicht eines Motivforschers

10.04.2014 - Autos in China sind nicht nur Fortbewegungsmittel. Sie sind Sehnsuchtsziele, Kapseln der Privatheit, Maske und Rüstung im Daseinskampf in der Masse. weiterlesen

 

ABC-/CBC-Chinesen – nicht nur für die Marktforschung relevant

20.03.2014 - Ca. 50 Millionen Auslandschinesen verfügen über erhebliche wirtschaftliche Macht in ihrer neuen Heimat wie auch in der VR China. Zu diskreten Eliten aufgestiegen, ziehen sie an ganz großen Strippen... weiterlesen

 

Chinesische Reisende: Was nicht nur Marktforscher über diese Touristen wissen sollten

27.02.2014 - Als weltweit wichtigster "Outbound Market" definieren die Chinesen die Tourismusbranche neu. Sie reisen mit eigenständigen Bedürfnissen und tiefer liegenden Motiven. In den Zielregionen entfalteten... weiterlesen

 

Werbung und Zensur in China – Hinweise nicht nur für Werbeforscher

06.02.2014 - China ist der drittgrößte und am schnellsten wachsende Werbemarkt der Welt; mit besonderem Potential für digitale Medien. Die elastische Auslegung gesetzlicher und ethischer Hürden fordert Kreative... weiterlesen

 

China Mobile nicht nur für Marktforscher

23.01.2014 - China ist der größte Mobiltelefon-Markt weltweit. 11 Milliarden USD pro Monat schwer. Handys sind eine feste Größe im chinesischen Alltag. Leistungsstarke Geräte entwickeln sich zu einem der... weiterlesen

 

Was man als Marktforscher in China über Essen wissen sollte

09.01.2014 - China ist seit 2011 weltweit der größte Lebensmittelmarkt. Gutes Essen im chinesischen Sinne muss mehr können, als schmecken. "Getting rich and eating out" lautet die Devise. Die neue chinesische... weiterlesen

 

Die zweite Hälfte des Himmels: Chinas Frauen in der Marktforschung

05.12.2013 - "Frauen tragen die Hälfte des Himmels", wird Mao Tsedong zitiert. Liest sich erhaben. Aufruf oder Beschreibung? "Wenn wir Frauen die eine Hälfte des Himmels tragen: wer, verdammt noch mal, trägt dann... weiterlesen

 

China scheint ein Zwerg,
wenn wir uns ihm als Marktforschungsmarkt nähern. Doch Vorsicht: Beim näheren Hinsehen entdecken wir, dass jener Marktforschungszwerg ein Kleinkind ist mit Genen, die das Zeug zum Riesenwuchs in sich tragen. Der künftige Riese könnte sich jedoch in Gestalt und Wesen von seinen Vettern in Übersee deutlich unterscheiden. Dies vorweg: Genaues weiß man nicht. Alles tapfere Schätzungen; doch dazu später Mal Ausführlicheres. Demnach wurden im Jahr 2012 in China 1,3 Milliarden US-Dollar für Marktforschung aufgewendet – im Vergleich zu 11,3 Milliarden in den USA oder drei Milliarden in Deutschland. Ganze 9.000 Beschäftigte in China geben Marktforschung als derzeitigen Beruf an. Dennoch bilden diese Zahlen für China ein beachtliches Niveau ab. Man bedenke, dass die VR China von einer offiziell kommunistischen Regierung geleitet wird, für die Marktwirtschaft nur eine zeitlich begrenzte – historisch jedoch notwendige – Übergangsphase darstellt.
"Begegnet den Anfängen!"

China ist weit weg.
Zu den heute angesagten Metropolen Chinas gilt es, 8.000 Kilometer Flugstrecke, ostwärtigen Jetlag und Toiletten mit dem gewissen Extra zu überwinden. Wirkungsvoller noch als die große chinesische Mauer halten Schrift und Sprache die meisten Ausländer auf respektvolle Distanz. Manche als typisch chinesisch empfundene Lebensweisen tun ein Übriges, China fremd und fern erscheinen zu lassen.
"Die Berge sind hoch und der Markt ist weit"

China ist uns nah.
Näher an unserem Alltag und Beruf in Deutschland, als vielen sensiblen Marktforschern bewusst ist.
- Deswegen schreibe ich das ja. -
5.000 deutsche Unternehmen sind derzeit in China direkt vertreten; 16.000 Deutsche arbeiteten 2012 in China, zuzüglich 4.800 deutscher Studenten in China. Doch China ist auch bei uns angekommen. Nicht nur mit China-Restaurants und -Shops. Jeden Sommer entblößen sich Zigtausend chinesische Kaligraphie-Tätowierungen auf hiesigen Schultern und Oberarmen. In jedem deutschen Haushalt dienen Dutzende in China hergestellte Produkte und Komponenten. Vom Knoblauch und Honig über "Made in China"-Schuhe und Kleidung zu Smartphones, optischen Geräten und Laptops. China bescheidet sich nicht mehr in der Rolle des diskreten – und oft geschmähten – Lieferanten von preisgünstigen Waren. Die Chinesen kommen selbst nach Deutschland. 360.000 chinesischen Touristen waren es im vergangenen Jahr; 20 % Steigerung p.a. 24.000 chinesische Studenten sind aktuell an deutschen Hochschulen immatrikuliert und stellen damit 14 % aller dortigen Ausländer. Manche werden bleiben; viele von ihnen werden wiederkommen - als Geschäftsleute. Nach den USA und Schweiz ist China inzwischen der drittgrößte Investor in Deutschland – Tendenz steigend, siehe oben: Auslandsdevisenreserven. Chinesen werden in Deutschland selbstverständliche Anbieter, Konkurrenten, Kunden, Kollegen, Partner, Arbeitgeber, strategische Investoren, Patentinhaber– und hoffentlich auch Freunde.
"Wenn das Guanxi stimmt".

Guanxi?
"Guanxi" wird verkürzt mit "Beziehungen" übersetzt. Doch es bedeutet  wesentlich mehr als das. Es ist eines der zentralen Elemente der chinesischen Wirtschaft. Guanxi dient als eine Art limbisches Nervensystem der chinesischen Gesellschaft; uralt, bewährt und - in westlicher Auslegung - vorrational. Wer Guanxi-Mechanismen nicht erkennt, wird weder den Umgang der Chinesen untereinander noch mit Fremden realitätsnah nachvollziehen können; wird selbst bei reicher Datenlage vermutlich nicht zutreffend verstehen, wie und warum sich chinesische Marktteilnehmer so verhalten. Guanxi setzt der derzeitigen Mainstream-Marktforschung westlich anglosächsischen Prägung deutliche Grenzen.

In einer kleinen Beitragsserie werde ich Ihnen an dieser Stelle neben zentralen Elementen wie Guanxi, Mianzi und Dao andere Besonderheiten Chinas, die für uns Marktforscher zunehmend relevant werden, aus meiner persönlichen Sicht erläutern. Nicht aus luftigen akademischen Höhen, sondern aus der bodennahe Flughöhe eigener Erfahrungen aus vierzig Jahren Umgang mit Chinesen, bisweilen späten Einsichten, Angelesenem, Gehörtem, Fehlern, Beobachtungen und vielen geduldigen Erklärungen meiner chinesischen Partner, Freunde und Angehörigen. Garantiert nicht repräsentativ, möglicherweise aber relevant – auch für Sie.

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