Welches ist die richtige Strategie?

Martins Menetekel

"Alles hat sein Für und Wider. Was ist besser, ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?" In seinem aktuellen Beitrag liefert Martin Lindner einen Überblick über die gesamte Entwicklung des COVID-Virus seit März 2020 und über die Referenzkurve der letzten drei Monate. Ein Ergebnis vorweg: Die Fallzahlen der Infizierten zeigen einen ersten Hoffnungsschimmer.

Kolumne Lindner: Welches ist die richtige Strategie? (Bild vom Autor)

Bundeskanzlerin tagt in immer häufigerem Rhythmus mit den Ministerpräsidenten, um eine einheitliche Strategie gegen die jetzige Ausbreitung des Virus zu erreichen. Die Spannweite der Vorschläge reicht vom strikten, sogar knallhartem Lockdown der gesamten Wirtschaft für ca. zwei Wochen bis zum sehr gemäßigten Weiterso. Alles hat sein Für und Wider. Drastisch ausgedrückt: Was ist besser, ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?

Damit wir uns ein fundiertes Urteil erlauben können, bringe ich heute einen Überblick über die gesamte Entwicklung seit März 2020 und zusätzlich die Referenzkurve der letzten drei Monate.

Alle Fallzahlen kumuliert:

Vor einigen Wochen sahen wir, dass sie zu einer wasserrutschenartigen Kaskade werden müssen. Sie ist nicht in Sicht. Oben rechts ist nichts, was auf eine allmähliche Sättigung hinweist.

Die täglichen Zuwächse:

Die Zuwächse oder allgemeiner die erste Ableitung gucken genauer hin. Imposant ist der zweite Sockel, er zeigt uns, dass er noch nicht mit einer Referenzkurve nach Verhulst angenähert werden kann. Dieser Sockel ist gewaltig massiver, als der im Frühjahr 2020.

Die zweite Abbildung ist das Mikroskop:

Sie muss irgendwann aus dem Negativen von unten gegen die Zeitachse streben! Das tut sie leider noch nicht, wie man sehen kann.

In aller Munde ist die Frage, wann der Reproduktionsfaktor R stabil unter der eins bleibt. Die nächste Grafik zeigt dessen Entwicklung. Bei der Interpretation muss man berücksichtigen, dass R im Frühjahr sehr groß war, die Gesamtpopulation des Virus aber klein, deswegen nur die relativ niedrige erste Welle. Heute ist das Virus überall, und die AHA-Maßnahmen werden immer wieder sabotiert durch den Eintrag von Viren von außen.

R-Faktor-Entwicklung:

Der richtige Durchbruch für R kann nur durch einen harten Lockdown wie in der Zeit von April bis Mitte Juni erreicht werden, siehe Grafik, oder durch Herdenimmunität durch Impfung. 

Wir sind aber nicht sehr weit davon entfernt, denn derzeit beträgt die Impfrate schon ca. drei Prozent im Monat, das wird sich steigern lassen auf zehn Prozent und dann signifikant R verringern, da die ersten Erfahrungen aus Israel zeigen, dass das Impfen wirkt. 

Ein Hoffnungsschimmer zeigen die Fallzahlen der Infizierten. Sie gehen seit Weihnachten beständig nach unten. Als Differenz der Gesamtinfizierten vermindert, um die Genesenden und Toten, müssen sie irgendwann zur Null streben, also eine Glockenkurve bilden. Das sollte durch die Ableitung einer Verhulstannäherung möglich sein. Noch ist ihr Niveau zu hoch. Das Maximum lag um die Weihnachtszeit. Da könnte der Wendepunkt gelegen haben.

Bekräftigt wird das durch die Referenzkurve des letzten Jahres:

In drei Wochen sind wir schlauer!

Über den Autor

Martin Lindner
Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.



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