Spannen der Parteien und Spannungen beim AfD-Parteitag

Die Frage zum Sonntag!

Der Lockdown light im November lässt die Wählerinnen und Wähler unbeeindruckt. Während CDU/CSU und FDP leicht zulegen, verliert die AfD geringfügig. Ein Blick auf das Gesamtbild zeigt jedoch deutlichere Tendenzen. Welche diese sind, zeigt Rainer Faus von pollytix.

Rainer Faus, pollytix

Vom seit Anfang November andauernden zweiten Lockdown zeigen sich die Wähler*innen in Bezug auf die Sonntagsfrage in Deutschland bislang weitgehend unbeeindruckt. Ein Blick auf den pollytix-Wahltrend (Das gewichtete Mittel der veröffentlichten Sonntagsfragen zur Bundestagswahl der verschiedenen Institute) zeigt im November nur wenig Veränderungen, CDU/CSU und FDP legen 0,5 bzw. 0,4 Prozentpunkte zu, die AfD verliert 0,8 Prozentpunkte, bei den übrigen Parteien tut sich noch weniger.

Grafik: pollytix

Ein Blick auf das Gesamtjahr und die Veränderungen seit dem 1. Januar offenbart allerdings ein neues Gesamtbild, das sich insgesamt während der Corona-Krise ergeben hat. Während die Unionsparteien am meisten von der Krise profitiert haben (Krisenzeiten sind Kanzlerinnenzeiten) und die SPD als Juniorpartner nur gering zulegte, verloren alle anderen Parteien seit Jahresbeginn, die saftigsten Verluste erlitt dabei mit 4,7 Prozentpunkten die AfD.

Grafik: pollytix

Die Jahrestrends der Parteien offenbaren dabei, dass sich die SPD als Regierungspartei zwar einem Corona-Sog nach unten entziehen konnte, aber auch nicht wirklich von der hohen Zufriedenheit mit der Regierungspolitik profitieren konnte. 

Grafik: pollytix

Die Parteikorridore

Auffällig ist im Jahrestrend aber neben dem Boom der Unionsparteien vor allem der Verlauf der drei kleinen Parteien, die sich von der Thüringen-Wahl (im Fall der FDP) oder dem Einbruch im Zuge der Corona-Krise nicht mehr erholen konnten. Die Parteikorridore - also die Spannen in der sich die Parteien jeweils bewegt haben - veranschaulichen dabei nach wie vor den Höhenflug der CDU/CSU, die sich (noch) im oberen Bereich ihres Korridors bewegt. Die Festlegung auf einen Kanzlerkandidaten könnte noch als Gamechanger wirken. Die Grünen können sich stabilisieren, wobei auch bei ihnen die Nominierung des/der Spitzenkandidat*in noch Bewegung reinbringen wird. Die FDP hat sich leicht erholt, nachdem sie im Sommer - als Reaktion auf ihren Tabubruch in Thüringen - gefährlich nahe an die 5 Prozent-Hürde gerückt war. Am unteren Ende ihres Korridors bewegt sich die Linke mit 7,5 Prozent.

Grafik: pollytix

Die AfD und ihr Parteitag

Im Jahresverlauf die höchsten Verluste erlitten hat dagegen die AfD. Als drittstärkste Kraft mit 14,3 Prozent ins Jahr gestartet, hat sie inzwischen ca. ein Drittel ihrer Wählerschaft verloren und kratzt momentan von unten an der 10-Prozent-Marke. Die Partei weiß das und ihre gespaltene Führung steht dadurch unter massivem Druck, was sich auch dadurch ausdrückte, dass der kürzlich stattgefundene Parteitag von Streit über den Kurs, insbesondere in Bezug auf Corona, geprägt war. Wähler*innen schätzen aber keine parteiinternen Querelen, weswegen die jüngsten Ereignisse kaum für Aufwind sorgen dürften. Ungeachtet einer möglichen Beobachtung durch den Verfassungsschutz ist es aber unwahrscheinlich, dass die AfD in der Wähler*innengunst im nächsten Jahr im gleichem Ausmaß weiterkollabiert, denn die übrig gebliebenen Wähler*innen der AfD sind im Kern eine in ihrer Weltsicht und Anhängerschaft eine ziemlich 'eingeschworene' Gemeinschaft.

Zur Person:

Rainer Faus, pollytix
Rainer Faus, pollytix
 Rainer Faus ist geschäftsführender Gesellschafter der pollytix strategic research GmbH.

 

 

 

 

/sh

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