Pandemie: Quo vadis?

Martins Menetekel

Für das neue Jahr möchte Martin Lindner seinem Motto treu bleiben und keine Prognosen oder Behauptungen veröffentlichen, die er nicht verifizieren kann. Zu oft haben in den vergangenen 21 Monaten auch Experten oder Wissenschaftler etwas verkündet, weil sie es für opportun hielten oder es Politiker wünschten. Seine Kolumnen sollen Informationen zum besseren Verständnis übermitteln und jedem die eigenen Schlussfolgerungen überlassen. Aber wie ist denn die aktuelle Lage und worauf müssen wir uns weiter einstellen?

Martins Menetekel

Hauptthema ist derzeit, wie wird die neue Variante Omikron den Verlauf der Pandemie beeinflussen, seien es die Höhe der Fallzahlen, deren Zuwächse pro Tag, die Krankheitsfälle mit schweren Symptomen bis hin zur Belegung der Intensivbetten und der Todesrate.

Ulrich Schröder schickte mir einen Beitrag der NYT, wo auch die Strategie einer Durchseuchung untersucht wird. Wenn der Krankheitsverlauf sehr viel leichter verläuft, ist das eine angemessene oder vertretbare Strategie mit dem großen Pferdefuß, dass wegen der schieren Menge und Verbreitung des Virus weitere und dann gefährlichere Mutationen auftreten können. Das erfahren derzeit die Briten und damit auch Schotten und Waliser.

Anhand unserer drei Grafiken über die Fallzahlen, deren Zuwächse und die Änderungen der Zuwächse, jeweils mit der alten Verhulst-Refenzkurve, die ich NICHT verändert habe, sehen wir, dass Omikron schon zugeschlagen hat. Ein anderer Grund für das Verlassen der Referenzkurven in der falschen Richtung ist auch das Lockern der Restriktionen im Dezember, was noch nicht durch das Impfen ausgeglichen werden konnte.

Die Fallzahlen:

Fazit: Nicht gut!

Die täglichen geglätteten Zuwächse:

Die schwarze Referenzkurve hat uns ein Auslaufen der Pandemie im März versprochen, daraus wird nun nichts. Am 26. Dezember hatten die Zuwächse ihr Minimum, seit dem steigen sie wieder.

Noch schlimmer sehen die Änderungen der Zuwächse aus, sie sollten negativ sein und im Betrag kontinuierlich kleiner werden.

Am zweiten Weihnachtstag wurden die Zuwächse wieder größer und die Änderungen demnach wieder positiv. Adieu Verhulst mit Limitierungsfaktor -1/S .

S lag bei 7.453.107 . Heute hat F den Wert 7.384.855 erreicht, die täglichen Zuwächse sind auf über 50.000 gestiegen, und sie werden nach Vergleichen mit anderen Ländern noch schneller wachsen.

Ein Superfrühindikartor ist der Quotient aus N’/N an einem Tag t. Falls ein Limitierungsfaktor das Wachstum bremst, muss er asymptotisch zu Null werden, dass ist ja die Haupterkenntnis der letzten 21 Monate. Die nächste Grafik zeigt, dass er wieder steigt, also wir sogar im hyperexponentiellem Wachstum sind. Dr. Anthony Fauci, der Berater von Donald Trump und Josef Biden, hat es drastisch so genannt: Die Fallzahlen steigen senkrecht nach oben. Das war die Unendlichkeitsstelle, wenn N’/N sogar wie 1 + l*N mit positiven l wächst:

Dieses verstärkte Wachstum werde ich zum Glück nicht modellieren müssen, denn der Herr lässt auch für Corona die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Es sei denn, dass der Impfschutz noch kürzere Zeit hilft und immer neue Varianten die Pandemie am Leben halten.

Was uns erwartet, zeigt die Auswertung der 28-Tage-Inzidenzen der USA und einiger europäischer Länder. 

Die Länder Frankreich, Spanien und Italien haben sich dramatisch verschlechtert. Österreich, das vor 5 Wochen die Tabelle angeführt hat, hält sich sehr gut.

Die folgende Grafik zeigt die absoluten Zahlen:

Fazit: Das neue Jahr beginnt nicht sehr verheißend!

Ich hätte gerne eine frohere Botschaft verkündet, please don’t shoot the messenger!

Bleibt gesund!

Über Martin Lindner

 

Martin Lindner
Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

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