Noch keine Besserung in Sicht

Martins Menetekel

Nachdem letzte Woche die Eine-Million-Schranke an Infizierten auch in Deutschland überschritten wurde, ist bis heute noch keine Besserung in Sicht. Martin Lindner erklärt, warum es momentan nicht sinnvoll ist, mit oberen Schranken zu arbeiten oder sein Modell anzupassen und nimmt stattdessen den neuesten Zahlenstand der Infizierten in seine Berechnungen mit auf.

Martin Lindner

Wir lesen in der Presse und hören im Radio oder Fernsehen, dass Deutschland noch nicht aus dem Schneider ist. Ich kann es bestätigen: Es ist immer noch kein Wendepunkt sowohl der Fallzahlen der als infiziert Gemeldeten als auch der Todesraten in Sicht.

Es ergibt auch wenig Sinn, ein Modell nach Verhulst mit oberer Schranke S immer wieder anzupassen. Ich zeige heute deshalb die alte Version, auf den neuesten Zahlenstand gebracht.

Hier die geglätteten Fallzahlen:

Geglättete Fallzahlen Dezember
Geglättete Fallzahlen Dezember (Grafik: Martin Lindner)

Damit haben sich die realen Fallzahlen von der ersten Verhulst-Referenzkurve verabschiedet. Mitte November sah es wie ein Wendepunkt aus, aber blau steigt immer noch. Um als Prognosekurve zu taugen, müsste sich blau um rot schlängeln!

Nicht viel besser sieht es mit den Todesfallzahlen aus. Diese Werte habe ich erst seit dem 24. September aufgezeichnet. Damit liegen sie auf dem Sockel der alten Zahlen, die im Sommer fast stagnierten. Um ein Modell entweder als Exponentialfunktion oder nach Verhulst zu entwickeln, müssen wir mit den Zuwächsen arbeiten. Natürlich kann man argumentieren, dass die Todesfallzahlen sicherlich kein Populationsmodell abgeben. Ein Ansatz nach Verhulst ist dennoch begründbar. Die Zuwächse der Todeszahlen werden auch eine Glockenkurve bilden. Sie bilden mit Zeitverzögerung die an COVID-19 Erkrankten mit Symptomen ab und sind davon ein relativ stabiler Prozentsatz, von allen Infizierten sind es ungefähr 1,5 Prozent.

Fallzahlen geglättet an oder mit Corona-Verstorbenen Dezember2020
Fallzahlen geglättet an oder mit Corona-Verstorbenen (Grafik: Martin Lindner)

Bei den Todesfallzahlen ist ein Wendepunkt nicht zu sehen. Er sollte um 2 bis 3 Wochen verzögert nach dem Wendepunkt der totalen Fallzahlen auch auftreten und in etwa so stabile Trends zeigen.

Über den Autor

Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

Aus dieser Reihe zuletzt von Martin Lindner auf marktforschung.de erschienen:

Der Über-eine-Million-Club hat ein neues Mitglied
Bald ist die Million erreicht!
Wir sind in der Anfangsphase einer Limitierung!

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