Mehr Erkenntnisse mit Open Data

Jörg Stroisch

Das Prinzip der "Open Data" ist eine ganz große Sache. Marktforschungsunternehmen können die frei verfügbaren Daten gut nutzen – allerdings offenbaren die Rohdaten nicht auf Anhieb ihr Potenzial.

Es ist mehr eine Vision: Selbst kommunale Ratsbeschlüsse stehen in der Zukunft maschinenlesbar im einheitlichen Format deutschlandweit, europaweit, ja weltweit zur Verfügung, ständig aktuell. Zum Beispiel Verkehrsdaten, aber vielleicht auch soziale Daten können in Echtzeit abgerufen und für die Kunden mit hohem Mehrwert in die Marktforschungsdashboards integriert und mit anderen Datenquellen sofort kombiniert werden. Stichwort Open Data - die Idee der transparenten Daten, im Rohformat, und für jeden frei interpretier- und verwendbar ist seit einiger Zeit ein wichtiges Thema etwa für die Bundesregierung, aber auch für viele Bundesländer und Kommunen.

"In Bezug auf innovative Geschäftsideen ist Deutschland ganz gut aufgestellt, im Mittelfeld", kommentiert so Alevtina Krotova, Referentin für Big-Data-Analytics beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln, das Ergebnis des Open Data-Barometer. Dieser bewertet die Arbeit von Regierungen anhand der Kriterien Bereichtschaft, Implementierung und Einfluss von Open Data-Initiativen auf die Wirtschaft, Politik und die Zivilgesellschaft.

Alleine das GovData-Portal der Bundesregierung wartet mit über 33.000 Datensätzen auf, allerdings nur von elf der 16 Bundesländer. Damit ist dann auch gleich eine der Herausforderung bei der Suche nach neuen Datenschätzen beschrieben: Sie gestaltet sich schwierig, denn jede Kommune, jedes Bundesland, jeder Akteur stellt seine Daten auf einer eigenen Plattform zur Verfügung. Und: "In Deutschland sind sechs unterschiedliche Lizenztypen für Open Data üblich", beschreibt Kotrova. Und somit gilt: "Nicht alles, was verwendet werden darf, darf auch weiterarbeitetet oder kommerziell ausgewertet werden."

Dr. Roland Abold, Vice President Sales Media Measurement bei der GfK und Vorstandsmitglied beim ADM, pflichtet dem bei: "Lizenzen sind ein wichtiges Thema. Wichtig ist für Marktforschungsunternehmen, dass es hier klare Regelungen zur Nutzung und Kommerzialisierung der Daten gibt. Rechtssicherheit ist hier wichtig." Der Grundgedanke der freien Verfügbarkeit der Daten besagt aber eben leider genau auch nur das: Sie sind frei verfügbar. Alles, was darüber hinaus geht, wird in verschiedenen Lizenzen geregelt.

Beispiel Köln: Mit vielen Projekten zu mehr Datentransparenz

Zumindest Köln möchte hier vorbildlich voranschreiten: "Alle offenen Daten aus Köln lassen sich frei verwenden und integrieren - und das wird in unterschiedlichen Anwendungen, Visualisierungen und Apps bereits genutzt", sagt Jayan Areekadan, Projektleitung für Open Data bei der Stabsstelle Digitalisierung der Stadt Köln. Die Stadt stellt alle Daten unter der Creative Commons Lizenz (CC BY 3.0 DE) zur Verfügung; unter Nennung der Herkunftsquelle können sie frei verwendet werden.

Dabei ist die Datenbasis nicht einfach: "Aufgrund der unterschiedlichen Fachanwendungen innerhalb einer Kommune gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Datenstrukturen und Datenformate", skizziert Jayan Areekadan. Man bemühe sich, die Daten in einem Rohdatenformat und möglichst kleinteilig zur Verfügung zu stellen.

Ein wichtiges Projekt ist zum Beispiel OParl, mit dem es einmal möglich sein soll, einen standardisierten Zugriff und eine standardisierte Ausgabe von Ratsinformationen zu gewährleisten. Auch hier gilt: Unterschiedliche Kommunen nutzen unterschiedliche Systeme, eine Schnittstelle aus dieser Softwarelandschaft hinaus ist somit eine echte Herausforderung. In Köln und anderen Städten wird die Spezifikation aber bereits getestet.

Das Thema "Offene Wahldaten" ist hingegen noch in einem frühen Stadium. "Für die Kommunen ist die Umsetzung von Open Data freiwillig. Entsprechend gibt es hier sehr große Unterschiede", so Areekadan. "Eine gesetzliche Verpflichtung wäre sicherlich ein starker Treiber für Open Data." Ob zum Beispiel Verkehrsdaten, Geodaten, Auslastung der Parkhäuser oder Wartezeiten der Kundenzentren oder Standpunkte und Wege der KVB-Räder: Unter gibt es dazu schon zahlreiche Anwendungen.

Marktforschung nutzt Open Data - es gibt aber Einschränkungen

Die Herausforderung bei Open Data liegt - wie fast immer - im Detail: "Der Hauptaufwand bei Open Data liegt in der Datenbereitung und -aufbereitung, denn nur so lassen sich mit ihrer Hilfe Erklärungen und Prognosen generieren", skizziert so Marktforscher Abold. So würden Daten oftmals in ganz bestimmten Intervallen und Zeiträumen benötigt, Open Data stelle aber oftmals nicht die gewünschte Frequenz oder Granularität zur Verfügung. "Die Kombination der verschiedenen Daten funktioniert dann nicht oder ist stark erschwert", so Abold. Deshalb sieht er das Hauptpotenzial auch in der Betrachtung langfristiger Markttrends.

"Grundsätzlich sind Rohdaten zunächst mal wenig aussagekräftig, sie müssen eben entsprechend ausgewertet werden", beschreibt so auch Krotrova die Herausforderung. "Doch hinter den Zahlenreihen können sich oft sehr interessante Anwendungsmöglichkeiten verbergen", macht sie auch Mut.

Wer also gerne gräbt und schürft, stößt vielleicht auf noch so manches unentdecktes Datenschätzen in den Welten von Open Data.

Veröffentlicht am: 17.12.2019

 

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