Licht und Schatten beim Umgang mit Studierenden auf der Succeet

Prof. Dr. Matthias Fank, TH Köln

Seit vielen Jahren ist der Umgang mit Studierenden auf der Marktforschungsmesse Succeet in München ein Thema, was einen Nerv trifft. Werden sie an den Ständen mit offenen Armen empfangen oder eher wie ungebetene Gäste behandelt? Prof. Dr. Matthias Fank vom Studiengang Markt- und Medienforschung war auch im Oktober 2021 mit 22 Studierenden dabei und hat Eindrücke gesammelt.

Fank-MuM-Succeet (Bild: Prof. Dr. Matthias Fank)

Auf der Succeet zeigt sich bei dem Umgang mit Studierenden viel Licht, aber auch Schatten (Bild: marktforschung.de)

Diese Ziele verfolgen Unternehmen auf Messen

Eine Messe ist eine Veranstaltung im wirtschaftlichen Sinne, die es Unternehmen ermöglicht, ihre Produkte und ihr Unternehmen zu präsentieren. Die mit einem Messeauftritt verbundenen Ziele können dabei sehr unterschiedlich sein: Im Vordergrund steht meistens die Kundenakquise. Eine Messe kann aber auch dazu genutzt werden, sich als Unternehmen zu präsentieren und um mit der Fachpresse in Kontakt zu kommen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kundenpflege. Aber auch im Kampf um den Nachwuchs spielen Messen eine immer wichtigere Rolle und kaum eine Messe verzichtet auf die Möglichkeit, auch den Nachwuchs mit einzubeziehen.

Eine Exkursion zur succeet ist für MuM-Studierende Tradition

Seit 2015 fahren die Studierenden des Master Markt- und Medienforschung (MuM) der TH Köln  gemeinsam zur Messe nach München. Ein Besuch ermöglicht ihnen, das breite Spektrum der Branche einmal live zu erleben. Durch Fachvorträgen können sie zudem Einblicke in aktuelle Themen und Praxisprojekte erlangen. 

Auch im Oktober 2021 blieb die Möglichkeit natürlich nicht ungenutzt und organisiert durch Studierende machten sich 22 Kommilitoninnen auf den Weg. Im Nachgang hat das Organisationsteam eine Befragung durchgeführt, über die heute etwas ausführlicher berichtet werden soll. Von den 22 Studierenden, die nach München mitgefahren sind, haben 18 an der Umfrage teilgenommen, sodass sich ein gutes Stimmungsbild ergibt.

44 Prozent haben schlechte Erfahrungen gemacht

Eine Frage beschäftigte sich konkret mit dem Aspekt, inwieweit die Studierenden schlechte Erfahrungen an den Messeständen und mit den Mitarbeitenden dort gemacht haben.

Von den Befragten gaben 44 Prozent an, schlechte Erfahrungen gemacht zu haben.  (Quelle: TH Köln)

Was haben sie an den Ständen erlebt? Im folgenden einige O-Töne.

  • "Wir kamen in einer 3er Gruppe zu dem Stand vom Institut [Name wurde entfernt] und haben uns dort etwas umgeschaut. Der Stand war leer (bis auf die zwei Aussteller waren dort keine Besucher). Einer der beiden Männer schaute nur kurz auf unser Schild, dann ignorierte er uns wieder. Wir wurden nicht einmal von den beiden begrüßt. In dem Moment haben wir uns sehr unerwünscht gefühlt und sind wieder gegangen."
  • "Teilweise hatte ich das Gefühl, als Studentin nicht erwünscht und Mensch zweiter Klasse zu sein."

Das ist ein erschreckendes Ergebnis. Eine tiefergehende Betrachtung des Ergebnisses zeigt, das es sich hierbei nicht um Studierende handelt die die Messe schlecht bewertet haben, als vielmehr einzelne Aussteller sich nicht aufgeschlossen gegenüber Studenten gezeigt haben. Andere Austeller hingegen zeigten sich sehr aufgeschlossen und hilfsbereit gegenüber den Studierenden.

  • "Uninteressante Stände, desinteressierte Aussteller, Unfreundlichkeit [sic!] Studierenden gegenüber"
  • "Die Stände waren unterschiedlich, einige war echt ziemlich offen und interessant (VR), andere wiederum haben sich gar nicht für uns interessiert."
  • "Manche Aussteller waren cool, andere haben einem das Gefühl gegeben, man sei unerwünscht."

Einzelne Aussteller verderben den Brei

Glücklicherweise war der Empfang nicht überall so negativ. Studierende berichten, dass sie durchaus auch sehr herzlich und freundlich auf Ständen empfangen wurden und sehr gute Gespräche geführt haben:

"Die Aussteller persönlich kennenzulernen, die besuchten Vorträge und die Diskussionen – das alles war super."

  • "Man bekam spannende Einblicke in die Branche."
  • "Viele verschiedene Unternehmen waren vertreten."

Es zeigt sich: Die Aussteller teilen sich in zwei Lager.

Nicht nur zukünftige Mitarbeitende, sondern auch potenzielle Kunden

Ist die Haltung von Ausstellenden, die sich nicht nett gegenüber den Studierenden zu verhalten, nicht zu kurz gedacht? Einerseits werden händeringend Fachkräfte gesucht und andererseits könnten die Studierenden die Auftraggeber von morgen sein.

Nach 10 Jahren Masterausbildung kann man auf eine durchaus beachtliche Entwicklung der Studierenden zurückblicken: So sitzen ehemalige MuM-ler in namhaften Unternehmen wie  Otto, Rewe Group, McDonald´s, SuperRTL, ROLAND Rechtsschutz, ProSiebenSat.1 oder Janssen-Cilag. Und welches Institut möchte beim nächsten Akquisetermin schon auf ehemalige Studierende treffen, die sich an schlechte Erfahrungen mit dem Institut auf der Messe erinnern? Hier sollten sich einige Aussteller Gedanken machen, wie sie sich gegenüber dem Nachwuchs präsentieren wollen.

Studierende lassen sich noch nicht abschrecken

Fazit: Die Messe war in 2021 nicht überlaufen und einige Fachbesucher haben gefehlt. Dies macht es noch unverständlicher, warum die Studierenden teilweise unfreundlich enpfangen wurden. Möglicherweise braucht es in Zukunft eine Kennzeichnung der Stände, an denen Studierende willkommen sind und wo nicht.

Zum Glück haben die zum Teil negativen Erfahrungen seitens der Studierenden zumindest aktuell noch nicht dazu geführt, auf einen Messebesuch verzichten zu wollen. Das könnte sich aber ändern. Ich würde mich freuen, damit eine Diskussion anstoßen zu können, um für die Zukunft einen freundlichen und konstruktiven Rahmen für Studierende auf der Messe zu schaffen.

Über Matthias Fank

Prof. Dr. Matthias Fank ist Professor für Informationsmanagement an der Technischen Hochschule Köln und war bis 2020 Studiengangsleiter des Masterstudienganges Markt- und Medienforschung. Seine Spezialgebiete liegen in den Bereichen Webmonitoring, Konzeption und Umsetzung von Befragungen bzw. Fragebögen oder dem Strategischen Informationsmanagement.

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/Prof. Matthias Fank, pj
Veröffentlicht am: 13.12.2021

 

Kommentare (4)

  1. Markus Küppers (september) am 14.12.2021
    Wer qualifizierte und empathische Mitarbeiter sucht, so wie wir, der weiß wie schwer das heutzutage ist. Deshalb betrachten wir Messen nicht nur als Gelegenheit zur Business-Akquise, sondern mindestens genauso als Kontaktmöglichkeit für unsere zukünftigen Kolleg:innen. Natürlich muss man dafür auch ein paar Leute für die Standbesetzung mitbringen....
  2. Carina Nienhaus am 14.12.2021
    Vielen Dank Herr Fank, dass Sie das Thema einmal so deutlich formulieren. Ich gehöre zu den Studierenden, die 2015 zum ersten Mal mit großen Erwartungen zur Messe kamen um die Marktforschungsbranche kennenzulernen und genau die oben genannten Erfahrungen gemacht haben. Und sobald ich, immer noch als Studentin, aber gleichzeitig als Praktikantin eines namhaften Unternehmens zur Messe kam wendete sich das Blatt und ich konnte mich vor Interesse der Aussteller kaum retten. Nichtsdestotrotz haben wir auf der Messe eine Menge gelernt, Kontakte geknüpft und Partner für unsere Forschungsprojekte gefunden und ich komme auch heute noch gerne zur Messe.
    Und wie Herr Fank oben schreibt gehöre auch ich zu den Studierenden, die zwei Jahre später auf Job-Suche waren und nun auf Kundenseite gelandet sind. Man muss sagen, die Marktforschungsbranche ist klein und man sieht sich immer zwei Mal.
  3. Thomas Starsetzki (SKOPOS GROUP) am 13.12.2021
    Ich teile die Auffassung von Prof. Dr. Matthias Fank. Dies gilt nicht nur für Studierende, sondern auch für Auszubildende. Studierende und Auszubildende, die unseren Messestand in den letzten Jahren besucht haben, sind immer sehr respekt- und rücksichtsvoll mit den Gesprächssituation umgegangen. O-Ton "wir können das Gespräch gerne unterbrechen oder später fortsetzen, falls (potenzielle) Auftraggeber an den Stand kommen“. Wir sehen Gespräche mit Studierende und Auszubildende eher als Chance :-)
  4. Eberhard Biehl am 13.12.2021
    Bei n=18 würde ich auf Prozentangaben verzichten und lieber " acht der 18" lesen.

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