Jo Jo oder stabiler Abschwung der Pandemie?

Martins Menetekel

Wir hatten in den letzten Monaten, sogar Jahren immer wieder die Situation, dass sich in der Entwicklung der Fallzahlen Entspannung anzeigte. Alle Welt erwartete Erleichterungen, diese kamen, aber kurz danach ging die nächste Welle der Seuche noch höher.

Martins Menetekel

Ich habe für den heutigen Beitrag die gesammelten Daten seit März 2020 aufbereitet und auf den neuesten Stand gebracht. Ich bitte alle, sich daran zu erinnern, welcher Aufstand bei den damaligen Fallzahlen gemacht wurde. Sie sind geradezu lächerlich gering gegenüber den derzeitigen Fallzahlen und deren täglichen Zuwächse.

Beginnen wir mit den Inzidenzen. Zur Erinnerung: Es sind die Zuwächse der Fallzahlen innerhalb einer Woche, heruntergerechnet auf 100.000 Einwohner. Damit lassen sie sich mit anderen Ländern oder Regionen vergleichen.

Nach den Buckeln der Inzidenzen sind wir auf dem Scheitelpunkt der sechsten (6!) Welle. Alles im Jahre 2020 ist vergleichsweise sehr klein gegenüber der Entwicklung in 2022.

Das beste Bild zur Veranschaulichung sind die kumulierten Fallzahlen seit dem 5. März 2020:

Wer hätte diese Entwicklung in 2020 vorhersehen können?

Für die qualitative Beschreibung der Ausbreitung der Pandemie ist der Reproduktionsfaktor R(t) informativ. R einigermaßen konstant > 1 ergab exponentielles Wachstum, < 1 dagegen Schrumpfen wie bei einem radioaktiven Zerfallsprozess.

Verhulst verfeinert die Analyse und sagt aus, dass wenn R(t) wächst, so wachsen die Fallzahlen hyperexponentiell, fällt dagegen R(t), so ist die erste Näherung ein Verhulst-Press mit Limitierungsfaktor l = -1/S und S eine obere Schranke für die Höhe der Fallzahlen.

Schauen wir es uns an:

So werden wir die Pandemie nicht los.

Unsere heutigen Grafiken. Ich zeige die Entwicklung der täglichen Zuwächse, und das gibt Hoffnung:

Es sieht gerade so aus, als das ich es wieder einmal mit einer Referenzkurve mit oberer Schranke S nach Verhulst versuchen sollte. Das könnte zum nächsten Mal klappen, wenn alle optimistischen Prognosen zutreffen sollten.

Sehen wir uns dazu die Inzidenzen der letzten zwei Monate an:

Immer noch kein klares Bild für die weitere Entwicklung erkennbar.

Nach meiner Ansicht wird die Omikron-Welle unterschätzt. Wir wissen, dass die Viren dieser Variante aggressiver sind, aber nicht so schwere Krankheitsbilder verursachen. An der Todesrate geht diese Entwicklung vorbei. Die Fallzahlenzuwächse sind so dramatisch hoch, dass sie eben auch die Todesrate hochtreiben:

Meine persönliche Meinung: Wir lockern wieder zu früh, Jo-Jo ist vorprogrammiert, da auch die Impfquote eher linear sehr langsam nach oben geht.

Das Motto dieses Beitrags, Jo-Jo oder stabiler Abschwung, ist noch nicht entscheidbar.

Einige Länder machen erhebliche Fortschritte, wenn man die 28-Tages-Inzidenzen vergleicht:

Den höchsten Rückgang zur letzten Woche hatten die USA mit fast 32%, den höchsten Zuwachs mit gut über 16% Deutschland!

Diese Zahlen sollten uns zum Nachdenken anregen, ob wir wirklich dem Beispiel anderer Länder folgen sollten:

Spanien, Italien, Portugal und Frankreich haben es besser im Griff.

Eine persönliche Nachricht zum Schluss: Auf meiner Corona-Warnapp wurde angezeigt, dass ich mich in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben soll. Ich habe mich deshalb zum ersten Mal testen lassen, Ergebnis negativ. Das ist sehr beruhigend, nach dem ich im engsten Familienkreis in den letzten beiden Wochen über sechs COVID-19-Erkrankungen hatte.

Bleibt alle gesund!

Über Martin Lindner

Martin Lindner
Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

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