Höchstwerte und Rekorde

Martins Menetekel

Haben wir die vierte, fünft oder sechste Corona-Welle erreicht? Fakt ist, dass Martin Lindner bereits vor Wochen die aktuelle Zahl der Todesfälle prophezeit hatte. Aber wie geht es jetzt weiter? Wann kommt der Wendepunkt? Und wie steht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern da? Die Zahlen und Grafiken zeigen ein deutliches Bild.

Eine mächtige neue Welle

Hoffentlich haben alle Lesenden verstanden, was ein Kavensmann ist. Bestimmt kannten einige Süddeutsche den Ausdruck nicht. Ein Kavensmann entsteht durch das Zusammentreffen zweier Wellenberge verschiedener Systeme an einer Stelle, deren Höhe sich dann schlicht addiert. Dieser Berg kann auch über einige Zeit wandern, ehe sich die Kämme so verschieben, dass er sich auflöst.

Unsere jetzigen Höchststände sind also kein Kavensmann, sondern es ist eine mächtige neue Welle, ob vierte oder fünfte, ist Geschmackssache. Guckt man sich das globale Bild an, ist die Welt derzeit in der sechsten Welle.

Kommen wir zum traurigen Status der kumulierten Todesfälle. In den Zeitungen stand, dass die 100.000 überschritten wurden.

Vielleicht werden sich einige Lesende erinnern, dass ich vor einigen Wochen prophezeit hatte, dass diese Marke noch in 2021 überschritten würde, wenn die damaligen Zuwächse bei über 70 pro Tag verharren würden. Sie verharrten aber nicht, sondern wuchsen auf mittlerweile gut über 200 pro Tag, hier die beiden Diagramme.

Todeszahlen steigen auf 200 pro Tag

Die Kurve wächst sogar stärker als linear, wie die Zuwächse pro Tag zeigen:

Die Rate zwischen Fallzahlen und Todeszahlen oder deren Zuwächse zueinander liegt immer noch zwischen 1,5 Prozent und zwei Prozent . Wir werden noch mit vielen Toten rechnen müssen.

Heute zeige ich nur die Standarddiagramme der Fallzahlen, Zuwächse und Änderung der Zuwächse mit einer exponentiellen Referenzkurve, deren Parameter seit Wochen ungeändert sind. Sie ist immer noch, leider,  eine gute Annäherung. Wenn ich die Parameter neu berechnen würde, indem ich das Optimierungsintervall verlängere, wäre sie noch etwas steiler.

Die Referenzkurve ist rot, denn das exponentielle Wachstum ist für eine Seuche der Super-GAU.

Die Zuwächse der Fallzahlen und die erste Ableitung der Referenzkurve:

An dieser Kurve der täglichen Zuwächse möchte ich zeigen, wie stark diese Zuwächse noch wachsen können, wenn nichts gemacht wird. Noch sind wir geglättet bei etwas über 50.000 pro Tag.

Der tatsächliche Zuwachs war heute bei über 75.000 .

Wann kommt der Wendepunkt?

Was bleibt mir als Mathematiker übrig, als auf den Wendepunkt zu warten. Erst dann sind wir sicher, dass die Pandemie wieder limitiertes Wachstumsverhalten mit einer oberen Schranke S ausweist. Wendepunkt heißt, dass die zweite Ableitung stabil unter 0 verläuft und sich asymptotisch von unten der Zeitachse nähert. Tut sie das?

Keine Spur! Im Gegenteil, Anfang November hatten wir in dem Tsunami noch obendrauf einige Kavensmänner!

Selbst das Warten auf Godot ist derzeit aussichtsreicher.

Deutschland im Länder-Vergleich 

Mich hat interessiert, wie wir im Verhältnis zu anderen Ländern stehen. Dabei muss man berücksichtigen, dass die Zählweisen unterschiedlich sein können. Dennoch hat sich Deutschland in der Rangfolge der Länder mit 28-Tage-Zuwächsen stetig nach oben gearbeitet, seit ein paar Tagen sind wir stolze Nummer drei hinter den USA und dem UK, da wir Russland überholt haben.

Dennoch sind diese Zahlen der Johns Hopkins University nicht sehr aussagekräftig, da es absolute Zahlen sind. Ich habe mir die Mühe gemacht, sie auf 100.000 Einwohner, wie bei der 7-Tage-Inzidenz üblich, herunterzubrechen. Dabei ist mir die Tendenz im Laufe der nächsten Wochen viel wichtiger. 

28-Tage-Inzidenzen ausgewählter Länder

Diese Skala zeigt nicht die Rangfolge der 28-Tage-Inzidenzen aller Länder. Ich habe nur 18 ausgewählt. Iran und Vietnam sind aus persönlichem Interesse in der Tabelle, Indien und Brasilien als Beispiele dafür, dass Inzidenzen auch fallen können, Dänemark als Nachbarland wurde ausgewählt, weil einer meiner Follower Däne ist, auch in der Schweiz habe ich mindestens einen mir sehr lieben Leser. Die ersten 7 Länder mit vierstelligem Zuwachs in 4 Wochen zeigen beunruhigende Tendenzen. BIs auf Großbritannien überall Wachstum von 17 Prozent bis über 30 Prozent , das allergrößte Wachstum in Frankreich.

Ich bin gespannt, ob sich die Reihenfolge in den nächsten Wochen verändert. In den letzten sechs Tagen haben der Iran und Vietnam die Plätze getauscht.

Bleibten Sie gesund!

Über Martin Lindner

Martin Lindner
Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

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