Doch mit des Geschickes Mächten…

Martins Menetekel

Mehr Zuwachs an Neuinfizierten als erwartet - hoffentlich nur ein Ausrutscher, meint Martin Lindner. Wie sich die Zuwächse der letzten Woche auf den Reproduktionsfaktor R und den weiteren Verlauf der Pandemie auswirken, stellt der Kolumnist in anschaulichen Grafiken dar und zieht Fazit.

Beitragsbild: Martin Lindner als Portrait (Bild: SNFV GmbH)

Hier wollte ich heute die Erfolgsgeschichte der Eindämmung der Seuche fortsetzen und einige Abschätzungen für das zu erwartende Maximum erläutern. Doch mit des Geschickes Mächten ist kein ew’ger Bund zu flechten. Das gilt auch für Corona. Der heutige ungeglättete Zuwachs betrug 13.494 Neuinfizierte, fast so viele wie vor einer Woche (13.557). Hoffentlich ist es ein Ausrutscher. 

Auch R(t) macht einen Knick nach oben:

Erwartet hatte ich ein weiteres Abfallen und darauf den heutigen Beitrag ausgerichtet. Wenn R bei konstant 0,84 liegt, würden sich alle 8 Tage die Zuwächse halbieren, das hatte ich für diese und nächste Woche erwartet. So fielen die Zuwächse vom 8. 5 (13.498) bis zum 16.5 auf 8.719, was einem Durchschnitts-R von unter 0,8 entspricht. Wenn R aber jeden Tag durch das Impfen etwas kleiner wird, sollte die Halbierung immer schneller passieren. Dadurch werden die Prognosen, die ein Ende der Pandemie schon im Juni sehen, glaubhaft. Die jetzige Entwicklung kann sie obsolet machen.

Übrigens: Spanien haben wir bei den kumulierten Fallzahlen überholt und nähern uns Italien. Dabei sah es wirklich gut aus.

Schwarz ist Verhulst mit oberster Schranke 4.100.000 und rot eine Lösung für den Ansatz : N’(t) =( k - gt)N(t). Bei diesem Ansatz ist das Maximum der Kurve selbst zu bestimmen, da N’(t) bei T = k/g eine Nullstelle hat.

Hier die Grafik der Zuwächse:

Verhulst hat sein Maximum zwischen dem 21. und 22. April, aber gerade zu dem Zeitpunkt machten die Zuwächse der Fallzahlen Bocksprünge, leider.

Die obige Grafik veranlasste mich, es noch einmal mit der zweiten Ableitung zu versuchen:

Immer, wenn blau nach der Nullstelle tiefere Werte als die Referenzkurve annimmt, ist das ein gutes Zeichen, dann steigen die Fallzahlen weniger als erwartet. Die letzten Werte bedeuten das Gegenteil.

Fazit

Das Problem der Bekämpfung der Seuche hatte ich früher erläutert: Gehen die Zuwächse der Fallzahlen herunter, rufen alle nach Erleichterungen, so jetzt, aber man müsste konsequenterweise viel länger abwarten, wie stabil derartige Trends sind. Jede Erleichterung, die nicht gut durchdacht ist, wird die Fallzahlen in ca. 2 Wochen wieder nach oben treiben. Das passiert gerade im Vereinigten Königreich. Hoffentlich sind wir in einer Woche klüger.

Über den Autor

Martin Lindner
Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

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/mvw

Kommentare (1)

  1. Statist am 27.05.2021
    Die Entwicklung der letzten Tage gibt mir ebenfalls Rätsel auf. Die von der Presse getriebene Politik reagiert offensichtlich überhaupt nicht mehr auf die Wissenschaft und wohl schon gar nicht auf mathematisch-statistisch bewährte Methoden der Trendanalyse. Die Berechnungen von Herrn Prof. Linder sind aus meiner Sicht sehr konkret und zielführend. Die Gefahr eines wiederholten schnellen Anstiegs ist sehr realistisch. Ein möglicher Indikator für das Eintreten einer solchen Entwicklung könnte auch das Auseinanderdriften der An zahl der an und mit Corona-Verstorbenen und den starken Schwankungen der (PCR)-Test bzw. Fallzahlen sein.

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