Die vierte Welle nimmt an Fahrt auf

Martins Menetekel

Irrtümlicherweise hatte Martin Lindner die vierte Welle schon im Abklingen gesehen, schreibt er heute. Aber die Pandemie spielt nicht mit. Die Zuwächse werden wieder größer, die vierte Welle verstärkt sich.

Ich zeige die Fortschreibung der Zuwächse der Fallzahlen seit März 2020. Sie sind extrem geglättet:

Hier gehen sie noch leicht herunter. Ich erwähne es deshalb, weil ich mehrmals den JoJo-Effekt zitiert habe.

Tatsächlich sind es Wellen - auch im klassischen Sinn, darauf hat mich ein aufmerksamer Leser meiner Beiträge hingewiesen. Wellen oder Schwingungen entstehen, wenn sich ein physikalischer Prozess regelmäßig wiederholt.

Als Beispiel sei eine waagerecht gelagerte Feder mit einem Gewicht an der offenen Seite gewählt. Mit Kraftaufwand A = Dx lenken wir sie aus der Ruhelage. Die aufzuwendende Kraft ist (Hookesches Gesetz) proportional der Auslenkung selbst. Lassen wir los, beschleunigt das Zusammenziehen die Masse, mit abnehmender Distanz zur Ruhelage wird aber die beschleunigende Kraft Dx kleiner, für x = 0 ist die gesamte Arbeit in Bewegungsenergie umgewandelt. Die Masse drückt die Feder zusammen, das baut die Gegenkraft -Dx auf, und das Ganze zittert oder schwingt um die Ruhelage.

Wie ist es mit der Pandemie:

Wachsen die Zuwächse, so sind alle vorsichtiger: AHA+ hemmt die Verbreitung, das Wachsen der Fallzahlen nimmt wieder ab, die Leute werden wieder leichtsinniger, die Einschränkungen aufgehoben, das Virus wittert Morgenluft, die Fallzahlen steigen wieder schneller, die Politik wird unruhig, alle schreien nach Einschränkungen, die Leute werden wieder vorsichtiger, es werden Einschränkungen verordnet, die Zuwächse nehmen ab, die Leute werden wieder ... usw.

Das bedeutet, dass Schwankungen der Änderungen tatsächlich in einem längeren Maßstab von Monaten einen erklärbaren echten Schwingungscharakter besitzen.

Das Impfen sollte dann als Dämpfungsfaktor wirken, wie die Reibung bei einer Schwingung einer Masse an einer Feder auf einem Tisch.

Und genau so sieht es in der Grafik ab November 2020 aus, wie eine gedämpfte Schwingung!

Aber leider spielt die Pandemie seit Mitte September nicht mit. Die Zuwächse werden wieder größer, die vierte Welle ist nicht im Abklingen, sondern verstärkt sich. Derartige Dellen sind bei statistischen Prozessen nicht außergewöhnlich!

Die aktuelle Grafik der Änderungen der Zuwächse:

Anstatt der schwarzen Kurve zu folgen, haben sich die Änderungen sogar von der Nulllinie entfernt, wenn N’’ aber steigt, so tut es N' mindestens quadratisch und N noch steiler.

Ergebnis: Die vierte Welle nimmt an Fahrt auf.

Ein Frühindikator sind die Inzidenzen:

Sie sehen nicht gut aus!

Es ist ein Streit um Kaisers Bart, ob sie sogar eine 5. Welle ankündigen, mathematisch wäre das begründbar, denn der Abschwung ab Ende August dauerte fast einen Monat.

Noch eine Hiobsbotschaft:

Die ungeglätteten Fallzahlenzuwächse waren die letzten drei Tage absurd hoch:

Di, 19.10.:           10.265                                Di, 12.10.:           8.978

Mi, 20.10.:          16.292                                Mi, 13.10.:          9.961

Do, 21.10.:         19.129                                Do, 14.10.:         7.703

Hoffentlich ist das kein Trend!

Auch die Todesraten steigen:

Sie sind viel zu hoch! Die Voraussetzungen für die Lockerungen waren, dass durch die hohe Durchimpfung der besonders gefährdeten Alten die Todesrate signifikant sinken sollte. Das tut sie jedenfalls noch nicht.

Bleibt gesund!

Kommentare (1)

  1. Michael Schipperges am 22.10.2021
    Danke für die Beschreibung der Schwinungen! (smile ...)
    Und dass die Impfungen hier als entscheidender Dämpfungsfaktor wirken, ist eine "Ableitung" = politische Botschaft, die m.E. möglichst breit kommuniziert werden sollte!

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