Die E-Kurve als Referenz?!

Martins Menetekel

"Wenn wir das Virus nicht bekämpfen, wird es uns bekämpfen, bis zum bitteren Ende." Für seinen heutigen Beitrag entwickelte Martin Lindner eine exponentielle Referenzkurve, sodass diese im Zeitraum vom 11. Februar bis zum 18. März optimiert ist. Doch was passiert, wenn wir so weiter machen wie bisher? Wie sehen die nächsten Schritte aus? Der Mathematikprofessor findet dazu klare Worte.

Martin Lindner: Die E-Kurve als Referenz?! (Bild: SNFV GmbH)

Wir lesen derzeit viel darüber, dass die Corona-Pandemie wieder im exponentiellem Wachstum ist, das unbedingt gebrochen werden muss.

Wir sind etwas schlauer, denn ein exponentielles Wachstum hört von selbst irgendwann auf. Entweder, wenn es keine Nährlösung für die Bakterien in der Petrischale, kein Gras für die Hasenpopulation auf der Wiese oder keine für das Virus zugänglichen Menschen mehr gibt.

Wenn wir also das Virus nicht bekämpfen, wird es uns bekämpfen, bis zum bitteren Ende.

Ich habe deshalb für heute eine exponentielle Referenzkurve so entwickelt, dass sie im Zeitraum vom 11. Februar bis zum 18. März optimiert ist.

Hier die Grafik mit der neuen Referenzkurve schwarz und den blauen Fallzahlen

Die Nullen in der dritten Spalte oben bei B und c zeigen an, dass alleine aus den benutzten Algorithmen die optimale E-Funktion entstanden ist.

Fazit: Wenn wir so weiter machen, haben wir Ende April weit über 3.350.000 Gesamtinfizierte.

Wie sehen die nächsten Schritte aus? Wir müssen die Referenzkurve solange mit den Fallzahlen vergleichen, bis sich Blau von Schwarz entfernt. Ist es nach oben, sieht es düster aus, dann behalten Mutanten und deren Verbündete, das sind alle, die sich nicht an AHA halten, die Oberhand. Ist es nach unten, werde ich sofort eine Annäherung durch Verhulst probieren, mit Wendepunkt und oberer Schranke S .

Die Impfquote dümpelt unter fünf Prozent der Zweitgeimpften und damit reduziert sich R um 0,96, das ist im Fehlerbereich uninteressant für die Herdenimmunität. Da die gefährdeten Gruppen zuerst geimpft werden, sollte es einen Einfluss auf die schweren Fälle haben, aber anscheinend überkompensieren die neuen Mutanten den Effekt in der Statistik.

Noch eine Bemerkung aus den vielen Lesermeinungen: Es wurde zu recht angemahnt, dass mehr gemessen wird. Aber zuerst stiegen die Fallzahlen, dann wurde mehr gemessen, aber nicht exponentiell mehr. Der jetzige Anstieg ist Realität.

Auch der Anstieg der aktuell Infizierten (= Fallzahlen - Genesende - Gestorbene) zeigt die dritte Welle:

Zum Schluss der Grafiken der wichtige Indikator R, der Reproduktionsfaktor:

Eine persönliche Meinung: Die Politik, aber auch wir Bürger, haben ein Problem mit dem Zeitverzug der Maßnahmen und deren Wirkung. Mir kommt es so vor, als wenn wir gerade jetzt von Lockerungen reden, wenn die Fallzahlen absolut dagegen sprechen. Ein knallharter Stillstand auf etwa drei Wochen bringt das Virus um, und wir hätten es hinter uns. Es wäre wahrscheinlich auch wesentlich billiger für Mikro- und Makroökonomie. China hat es vorgemacht.

Wenn wir es nicht so wollen, müssen wir uns mehr anstrengen und besser planen und organisieren. Können wir es nicht mehr?

Über den Autor

Martin Lindner
Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

Täglicher Newsletter der Insightsbranche

News +++ Jobs +++ Whitepaper +++ Webinare
Wir beliefern täglich mehr als 9.000 Abonnenten

/mvw

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter xing linkedin