Der kleine Superwahlsonntag in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Frage zum Sonntag

Am kommenden Sonntag, 14. März 2021 finden in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg die Landtagswahlen statt. Wie kommt es, dass die CDU/CSU im Laufe des Februars fast zwei Prozentpunkte verliert? Jana Faus von pollytix strategic research, analysiert die politischen Geschehnisse der letzten Zeit und gibt erste Prognosen zu den Wahlausgängen.

Nach fast einem Jahr mit sehr wenig Veränderungen gab es im Februar etwas Bewegung in der Sonntagsfrage. Im pollytix-Wahltrend (Dem gewichteten Mittel der veröffentlichten Sonntagsfragen zur Bundestagswahl der verschiedenen Institute) verliert die CDU/CSU im Laufe des Februar 1,9 Prozentpunkte, SPD und FDP legen jeweils leicht zu, bei den übrigen Parteien tut sich quasi nichts.

Zwar ist die Dominanz der CDU/CSU in der Sonntagsfrage seit Beginn der Corona-Pandemie nach wie vor ungebrochen - Anfang März kommen die Unionsparteien gemeinsam auf fast so große Wähler*innenanteile wie Grüne und SPD zusammen - allerdings ist seit Anfang des Jahres ein leichter Abwärtstrend zu erkennen. Dieser dürfte sich im März im Zuge des kritisierten Impf- und Schnelltestmanagements von Gesundheitsminister Jens Spahn sowie der Maskenaffäre um Geschäfte mit Corona-Schutzmasken einiger Bundestagsabgeordneter der Unions-Fraktion noch verstärken.

Am kommenden Sonntag droht der Union mit den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg dazu weiteres Ungemach, denn in beiden Ländern ist die CDU seit Jahresbeginn auf dem absteigenden Ast.

In Baden-Württemberg werden die Grünen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann das Rennen machen

Nachdem zu Beginn des Jahres Grüne und CDU noch relativ knapp beieinander lagen, haben die Grünen insbesondere nach dem TV-Duell zwischen dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und der Herausforderin Susanne Eisenmann von der CDU deutlich zugelegt, je nach Institut liegen die Grünen damit quasi uneinholbar mit 8 bis 11 Prozentpunkten vor der CDU. Sollte sich der Trend fortsetzen, dürfte das auch das Ende der Grün-Schwarzen Koalition bedeuten, die ohnehin nicht gerade als Liebesheirat galt. In den jüngsten Umfragen sind sowohl eine Koalition aus Grünen und SPD, wie auch Grünen und FDP nur hauchdünn von einer Mehrheit entfernt. Für letztere, die ein Novum in der bundesrepublikanischen Geschichte wäre, suchen findige Politikwissenschaftler*innen auf Twitter schon einen Namen - hoch im Kurs steht die Brasilien-Koalition.

In Rheinland-Pfalz dreht sich der Wind zu Gunsten von Malu Dreyer und der SPD

Etwas spannender ist das Rennen dagegen in Rheinland-Pfalz, allerdings ist die Lage hier ähnlich dramatisch, denn die Geschichte von 2016 scheint sich zu wiederholen: Damals lag die CDU von Spitzenkandidatin Julia Klöckner zu Beginn des Jahres in den Umfragen mit 6 bis 7 Prozentpunkten vor der SPD von Malu Dreyer, um die Wahl Mitte März dann auf den letzten Metern doch recht deutlich mit 32 Prozent zu 36 Prozent zu verlieren. Ein ähnliches Schicksal droht dieses Mal CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf gegen die populäre Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Zu Beginn des Jahres noch deutlich vor der SPD hat sich der Wind seit Anfang März gedreht. Der bundespolitische Gegenwind dürfte der CDU in Rheinland-Pfalz auf den letzten Metern auch nicht gerade helfen. In Rheinland-Pfalz dürfte es damit auf eine Wiederholung der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP hinauslaufen - sollte es für Rot-Grün alleine reichen, wohl ohne Gelbphase.

Corona-Wahlkampf und die Briefwahl

Eine große Unbekannte bleibt, welchen Einfluss die Corona-Pandemie und hier vor allem die Briefwahl hat. Gerade bei hochdynamischen Wahlkämpfen, wie wir ihn in Rheinland-Pfalz erleben, ist nicht nur entscheidend, welche Parteien am besten mobilisieren, sondern auch, wann sie das tun. Bei einem Anteil von Briefwähler*innen, der so hoch wie nie sein wird, fällt der Schlusstrend weniger stark ins Gewicht, wenn Briefwähler*innen schon vor einer Weile gewählt haben. Eine Herausforderung für die Exit Polls der 18-Uhr-Prognose und extra Nervenkitzel für die Wahlkämpfer*innen.

Zur Autorin

Jana Faus, pollytix
 Jana Faus ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin, Co-Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der pollytix strategic research gmbh in Berlin, der Agentur für Meinungsforschung und forschungsbasierte Beratung an der Schnittstelle von Politik, Wirtschaft & Gesellschaft. Seit mehr als 15 Jahren forscht sie zu gesellschaftspolitischen Themen in Asien, Australien und Europa. Sie berät Wahlkämpfende auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

 

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Kommentare (2)

  1. Jana Faus am 12.03.2021
    Herzlichen Dank für Ihren Kommentar!

    Die Datengrundlage bildet der pollytix-Wahltrend, der das gewichtete Mittel aller Bundestagswahlumfragen der letzten zwanzig Tage darstellt.

    Der Link zur Datengrundlage ist in der Kolumne ganz zu Beginn des zweiten Satzes in den Text eingebettet. Dort finden Sie weitreichende Informationen zu Stichprobe, Rohdaten, Gewichtung.

    Mit den Landtagswahldaten sind wir entsprechend analog verfahren.

    Hier in aller Kürze:

    Der pollytix-Wahltrend bedient sich lediglich zweier Gewichtungsvariablen:
    Letzter Tag der Erhebung und Anzahl der Befragten. Für die Berechnung des pollytix-Wahltrends ist das Datum der Erhebung einer Umfrage maßgeblich, nicht das Veröffentlichungsdatum.

    Eine Umfrage erhält am letzten Tag des Erhebungszeitraums ein Gewicht von 1,0. Danach wird das Gewicht jeden Tag um 0,05 reduziert. Nach 21 Tagen fällt die Umfrage dementsprechend ganz aus der Berechnung des täglichen gewichteten Mittels.

    Die Idee dahinter: Je aktueller eine Umfrage ist, desto stärker soll sie in die Gewichtung des täglichen gewichteten Mittels eingehen.

    Bei der Berechnung des täglichen gewichteten Mittels für den pollytix-Wahltrend wird die Größe des Erhebungssamples mit berücksichtigen.
    Zur Gewichtung nach Fallzahl berechnen wir daher in einem ersten Schritt die durchschnittliche Fallzahl der Umfragen der letzten 20 Tage. Darauf folgend werden Umfragen, deren Fallzahl unter dem Durschnitt liegen schwächer und dementsprechend Umfragen, deren Fallzahl über dem Durschnitt liegen, stärker gewichtet.

    Der Text ist unter der Rubrik „Meinung“ zu finden und daher sind Interpretationen nicht nur gewünscht, sondern unerlässlich. Sollten Sie bestimmte Datenpunkte anders interpretieren, würde ich mich sehr über einen fachlichen Austausch/Diskussion freuen.

    Mit besten Grüßen
    Jana Faus
  2. Menno Smid am 12.03.2021
    Wäre maximal fair, wenn in einm Organ, das sich als Branchenforum versteht, auch die Grundlagen der weitreichenden Interpretation offenglegt würden. Kein Wort zur Stichprobe, kein Wort zur Realisierung , kein Wort zur Umrechnung der Rohdaten. Wäre dankbar wenn auch die Redaktion in Zukunft auf ein paar Minimalia achten würde.

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