Corona-Update: Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben!

Martins Menetekel

Jeden Tag in den letzten zwei Coronajahren dokumentiert Martin Lindner die Fallzahlen und muss nun mit Erschrecken feststellen, dass der Pandemie noch immer keine Schranke vorgeschoben werden kann. Die Fallzahlen sind nicht nur noch immer sehr hoch, sondern sie wachsen weiter an und führen Deutschland an die Tabellenspitze der meisten Zuwächse.

Martins Menetekel

An alle!

Michail Gorbatschow hat es eher umgekehrt gesagt, aber schon Heraklit wusste, der Weg nach oben und nach unten ist ein und derselbe.

Vielleicht habe ich zu früh auf eine neue Referenzkurve mit absoluter Schranke gesetzt, die nach dem Wendepunkt kommen sollte. Aber es scheint schon wieder eine neue noch aggressivere Variante von Omikron zu geben. Sie treibt die Zuwächse wieder nach oben.

Ich lasse einmal die Kurven sprechen:

Die absoluten Fallzahlen aller jemals als infiziert Gemeldeten:

Noch kein Alarmsignal, ABER jetzt kommen die täglichen Zuwächse:

Die sehen nicht mehr stabil aus! Jedenfalls erhärten sie nicht die Vermutung, dass wir schon im limitierten Wachstum sind.

Die Änderungen der Zuwächse, und auf die kommt es an, oszillieren um die Zeitachse, das ist sehr schlecht.

Laut Tagesschau vom Donnerstag steigen die 7-Tages-Inzidenzen wieder. Meine Werte von Johns Hopkins sind noch etwas höher als die vom RKI.

Der Frühindikator für den Verlauf einer Pandemie waren die Quotienten aus N’ und N.

N’ direkt proportional zu N: Exponentialkurve als beste Annäherung.

N’/N fallend war das Zeichen für limitiertes Wachstum. Hier die aktuellste Grafik:

Der kleine Schlenker nach oben kann ein statistischer Ausrutscher sein, wir werden es sehen.

Die folgende Grafik zeige ich nicht gerne, es sind die kumulierten Todeszahlen. Sie sollten endlich einer Schranke zustreben, tun es aber nicht. Zwar sind Omikron-Infizierte im Durchschnitt mit geringeren Symptomen erkrankt, aber in der schieren Menge gleicht es sich aus.

Noch eine nicht so optimistisch stimmende Zeitreihe, der Vergleich der 28-Tages-Inzidenzen nach JHU:

Deutschland führt seit drei Tagen die Tabelle mit den absolut höchsten Fallzahlenzuwächsen, auf 28 Tage addiert, an, weit vor den USA, Russland oder Brasilien. 

Auch in den Inzidenzen, auf 100.000 Einwohner heruntergerechnet, haben wir uns mächtig nach oben gearbeitet.

Ich zeige die Entwicklung der 28-Tages-Inzidenzen letzten drei Wochen:

Österreich, Deutschland und die Türkei haben kaum Fortschritte gemacht, Portugal, Frankreich und Belgien um so mehr, richtig gut stehen Italien, das Vereinigte Königreich, vulgär Großbritannien, und Spanien dar, am besten die vielgescholtenen USA. Wer hätte das gedacht?

Für die Zahlenfreunde:

Die erste Spalte nach den Namen der Nationen zeigt die absoluten Zuwächse der letzten vier Wochen, daneben sind die Inzidenzen. Nur sie erlauben den direkten Vergleich.

Wegen der hohen Zuwächse der Todesfallzahlen, erst heute wieder gut über 250 pro Tag, zeige ich zusätzlich die 7-Tages-Inzidenz für Deutschland:

Noch eine persönliche Bemerkung:

Vor genau zwei Jahren habe ich begonnen, die Fallzahlen jeden Tag zu notieren, ihre Differenzen zu glätten und Referenzkurven zu entwicklen. Einige meiner Leser und Leserinnen haben mich auf diesem Weg von Anfang an begleitet, die Leser und Leserinnen der Marktforschung auch schon seit anderthalb Jahren. In diesem Zeitrum habe ich etwa drei- oder viermal die Zahlen nicht am selben Tag eingeben können, einmal hat der Rechner gestreikt, einmal hatte ich das falsche Datum gewählt, aber immerhin, in einer Riesendatei habe ich alle Werte seit dem 3. März 2020 gespeichert.

Ich habe in dieser Zeit viel gelernt. Praktisch alle meine Methoden sind von mir entwickelt, weil ich glaube, dass Kurven mehr aussagen als reine Zahlenreihen. 

Von heute ab werde ich diese Zeitreihen und deren Aussagen nicht mehr jede Woche, sondern nur noch alle zwei Wochen den geneigten Lesern und Lerserinnen präsentieren. Es ist einfach zu viel Arbeit und Aufwand. Ich hoffe auf allgemeines Verständnis.

Bleibt gesund!

Über Martin Lindner

Martin Lindner
Martin Lindner ist promovierter und habilitierter Mathematikprofessor im Ruhestand und beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Wirtschaft und der Zukunftsfähigkeit unserer heutigen Lebensformen. Zusätzlich hat er eine Ausbildung und auch Berufserfahrung in Wirtschaftsmediation.

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Kommentare (2)

  1. Nicolas am 08.03.2022
    Der Herr darf sich gerne mal die CFR anschauen, statt immer nur die Fallzahlen.

    Die Ende der Fahnenstange ist erst erreicht, wenn eine partielle Sättigung an Infektionen in der Bevölkerung aufgetreten ist. Neuseeland hat 90% Impfquote und trotzdem eine Inzidenz von >3500.

    Diese Sättigung lässt sich aber schwer durch statistische Nährungen und Kurven zu beschreiben, da die Infektionen nicht in einer homogenen Gesellschaft sondern in sozialen Zirkeln verlaufen. 1 Mio. Infektionen (und temporäre Immunisierungen) haben bei Schulkindern eine andere Relevanz für das gesamte Infektionsgeschehen als bei Beschäftigten im Home-Office.

    Das ist auch der Grund, weshalb nach den "Freedom-Days" in den anderen Ländern Europas die Fallzahlen erst rapide ansteigen und dann rapide fallen. Die möglichen Superspreader (Kinder, Jugendliche, Junge Leute mit vielen sozialen Kontakten, "Feiermeute") infizieren sich in kürzester Zeit relativ zuverlässig durch und dann ist erstmal Ruhe im Karton.

    Die Impfungen haben aber dafür gesorgt, dass die Individualgefahr (CFR, IFR) bei Erkrankung (auch hier in Deutschland) nicht mehr höher ist als bei der Grippe.
    Was interessieren uns da noch die (Gesamt-)Fallzahlen? Die Grippe peaked auch Jahr für Jahr bei einer Inzidenz von >5000.

    Diese Beitragsreihe wird ansonsten noch die nächsten Jahre weitergehen (oh, es fällt, oh es steigt, oh es fällt, oh es steigt), denn eine sterile Immunität gibt es bei Erkrankungen der oberen Atemwege schlicht nicht, die braucht es allerdings auch nicht, damit Corona seinen Schrecken verliert.
  2. Eberhard Biehl am 04.03.2022
    Vielen Dank für Ihren Einsatz Herr Lindner!

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