Zukunftsangst: Schlechtere Ausbildungschancen durch Corona?

Jugendbefragung, Bertelsmann Stiftung & iconkids & youth

Unter Jugendlichen breitet sich mit anhaltender Coronakrise Verunsicherung über Ausbildungschancen aus: Mehr als 70 Prozent der Befragten sind der Auffassung, die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz hätten sich durch Corona verschlechtert. Zukünftige Studienanfänger sind weniger pessimistisch gestimmt. Dies zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie von iconkids & youth im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Zwei Schülerinnen mit Maske im Gespräch (Bild: Charlotte May - Pexels) | marktforschung.de
71 Prozent der 14- bis 20-Jährigen machen sich Sorgen, dass Corona ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verschlechtert. (Bild: Charlotte May - Pexels)

Bereits im ersten Corona-Jahr, herrschte laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung, Unmut unter den 14- bis 20-Jährigen hinsichtlich der Chance auf einen Ausbildungsplatz in Deutschland. Während 2020 also 61 Prozent der Befragten die Einschätzung teilten, dass die Coronakrise zu schlechteren Chancen auf dem Ausbildungsmarkt sorgt, sind 2021 71 Prozent dieser Meinung.

Insbesondere Jugendliche mit niedriger Schulausbildung fürchten um ihre beruflichen Perspektiven (78 Prozent). Dagegen machen sich zukünftige Studierende deutlich weniger Sorgen: So haben nur knapp ein Viertel dieser den Eindruck, dass Corona eine Beeinträchtigung für die Studienplatz-Verlosung darstellen könnte.

71 Prozent der 14- bis 20-Jährigen sind der Meinung, Corona würde ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verschlechtern. (Bild:Bertelsmann Stiftung)

Obwohl die Mehrheit der Befragten also eine Verschlechterung der Ausbildungsplatzsuche durch Corona wahrnimmt, ist die Attraktivität von Berufsausbildungen nicht gesunken. Das Ausbildungsinteresse der 14- bis 20-Jährigen, die an einer allgemeinbildenden Schule sind, ist nach wie vor hoch: 41 Prozent der Befragten geben an, auf jeden Fall eine Ausbildung machen zu wollen. Mehr als ein Drittel der Befragten sind dagegen noch unschlüssig, welchen Weg sie einschlagen wollen.

Eine hohe Unentschiedenheit äußert sich auch bei der Frage nach dem Interesse an einem Studium:  30 Prozent ist sich unsicher über die berufliche Zufkunft und beantwortet die Frage mit "vielleicht, vielleicht auch nicht". Gleichzeitig wollen 43 Prozent ein Studium antreten.

Wunsch nach mehr Engagement der Politik

Wie auch in der letztjährigen Befragung  gibt ein Großteil der Befragten (41 Prozent) an, dass der Staat bzw. die Politik eher wenig Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche leistet. Ihrer Meinung nach sollte noch viel mehr unternommen werden. Ein Fünftel hat zwar den Eindruck, dass der Staat in diesem Bereich bereits ein hohes Engagement aufbringt, allerdings sei dies noch nicht genug. Im Vergleich zum Vorjahr ist dagegen die Anzahl derjenigen, die der Ansicht sind, die Politik habe „gar nichts gemacht“, um drei Prozent gestiegen (2020: neun Prozent).

Insgesamt lässt sich festhalten, dass 73 Prozent der 14- bis 20-Jährigen das  politische Engagement bezüglich dieser Thematik kritisieren und sich mehr Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wünschen. Unter zukünftig Studierenden herscht hingegen deutlich weniger Unzufriedenheit (56 Prozent).

73 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit der staatlichen Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche. (Bild:Bertelsmann Stiftung)

Herausforderung: Informationsüberfluss

Die Möglichkeit, sich über Berufe zu informieren, habe sich laut der Befragten in der Coronakrise deutlich verschlechtert. Informationsveranstaltungen sowohl in Schulen als auch in Unternehmen/Betrieben sowie Messen sind in ihren Einschätzungen besonders betroffen. Trotz dessen haben die Befragten nicht das Gefühl, zu wenig Informationen zur Berufswahl zu erhalten (54 Prozent). Die Herausforderung bestehe vielmehr darin, sich bei der Vielzahl an Angeboten zurechtzufinden. Auffällig ist, dass Hauptschulen bei dieser Frage am besten abschneiden. So fühlen sich 43 Prozent der Jugendlichen mit niedriger Schulbildung gut bis sehr gut zur Berufswahl beraten. Die 14- bis 20-Jährigen mit hoher Schulbildung wiederum sind eher unzufrieden mit dem Informationsaustausch ihrer Schule. Nur knapp ein Viertel fühlt sich gut bis sehr gut durch ihre Schule informiert.

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Methodik

Erhebungsmethode Online-Befragung & Face-to-Face-Interviews
Erhebungszeitraum 11. Februar - 03. März 2021
Befragte Zielgruppe Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren (gewichtet nach dem aktuellen Status Schüler:innen/Nichtschüler:innen sowie nach dem eigenen Schulbesuch/-abschluss)
Stichprobengröße n = 1.593 (Online-Befragung), n= 150 (Face-to-Face-Interviews)
Länder Deutschland

/jj

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