Wohin steuert WPP?

Kantar unter Druck

Nach dem Weggang von Gründerlegende Martin Sorrell sind für den Werbegiganten WPP turbulente Zeiten angebrochen. Die Präsentation der Jahreszahlen durch den neuen Chef geriet zum Börsendesaster - zumindest rund um die Marktforschungstochter Kantar ist es etwas ruhiger geworden.

WPP Logo

von Jörg Stroisch

7,493 Milliarden britische Pfund fuhr der Werbegigant WPP im ersten Halbjahr 2018 ein. Damit muss das Unternehmen einen deutlichen Verlust im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 verkraften (7,650 Milliarden britische Pfund), auch, wenn es betont, dass das Minus von 2,1 Prozent sich bei der Annahme konstanter Wechselkurse in ein Plus von 2,9 Prozent dreht. Vergrault hat die Anleger zuletzt aber wohl eher die Tatsache, dass die Gewinnmarge um 0,4 Prozent reduziert wird, wobei 0,1 Prozent auf geringeres Einkommen zurückzuführen ist.

Regionen laufen bei WPP unterschiedlich

Ein Blick auf die konkreten Quartals- und Halbjahreszahlen zeigt: Es ist viel Bedarf an Verbesserung. In der Analystenpräsentation wird ausführlicher auch auf die einzelnen Märkte und die Performance der einzelnen Geschäftsbereiche eingegangen. Hier weist die Präsentation allerdings nicht den Gesamtumsatz aus, sondern den Umsatz abzüglich der durchlaufenden Kosten ("Revenue less pass-through costs").

Sehr deutlich klar wird hier zum Beispiel, dass insbesondere der nordamerikanische Markt Probleme bereitet. Mit einem Gesamtanteil von 35 Prozent ist er der wichtigste Markt des Unternehmens. Und die benannte Kennziffer fiel hier mit 2,155 Milliarden britischen Pfund deutlich, nämlich um -10,5 Prozent schlechter als im Vergleichshalbjahr 2017 aus (hier: 2,407 Milliarden britische Pfund), selbst bei der Annahme konstanter Währungen (-2,9 Prozent). Auch der asiatisch-pazifische Markt entwickelt sich schlechter (-4 Prozent) mit nunmehr 1,842 Milliarden Pfund (Vorjahreszeitraum: 1,918 Milliarden Pfund) - die Region ist die zweitwichtigste für das Unternehmen. Hingegen können Westeuropa (1,319 Milliarden Pfund, +6,7 Prozent; Vorjahreszeitraum: 1,236 britische Pfund) und Großbritannien (833 Millionen britische Pfund, +2,2 Prozent; Vorjahreszeitraum: 815 Millionen Pfund) besser abschneiden.

Interessant dabei: In der Präsentation gibt es auch einen Blick auf die Hauptmärkte, allerdings ohne konkrete Zahlen. Soviel: Deutschland kann sein Niveau im Vergleich zum Vorjahr exakt halten (da gab es aber einen Rückgang von 1,7 Prozent). Und: Ein mieses erstes Quartal (-5,7 Prozent) wurde durch ein ziemlich gutes zweites Quartal (+5,5 Prozent) kompensiert.

Data Investment Management läuft schlechter

Für die Marktforschungsbranche ist vor allem der Geschäftsbereich Data Investment Management bei WPP interessant. So läuft es in fast keinem Geschäftsbereich von WPP wirklich gut (Advertising, Media Investment Management mit -7,3 Prozent, Public Relations & Public Affairs mit -3,0 Prozent - nur der zweitwichtigste Geschäftsbereich Brand Consulting, Health & Wellness and Specialist Communications verbuchte ein Plus von 2,5 Prozent beim um die durchlaufenden Kosten bereinigten Umsatz). Und auch der Geschäftsbereich Data Investment Management, der drittstärksten Bereich bei WPP (Anteil: 15,4 Prozent), konnte sich hiervon mit einem Minus von 5,1 Prozent (auf Basis konstanter Währungen: -0,8 Prozent) nicht absetzen. Auf 946 Millionen Pfund schrumpfte dieser Bereich (Vorjahreszeitraum: 997 Millionen Pfund).

Schlechte Presse zum Dienstantritt für den neuen CEO Martin Reed

Gleich zu Beginn seiner neuen Aufgabe als CEO muss Martin Reed - er hat sein Amt erst vor wenigen Tagen offiziell angetreten, nachdem er einige Wochen bereits einer der beiden Interimschefs war - so auch schlechte Presse verkraften: "WPP in Bedrängnis: Aktie bricht ein", titelte zum Beispiel das Manager-Magazin Analysten zeigten sich offensichtlich wenig erfreut von der mageren Gewinnprognose des neuen Firmenchefs. Der tritt ein schweres Erbe an. Insbesondere auf das Geschäft in Nordamerika legt er in den Fokus, er möchte generell - natürlich - das Geschäft stärken und wieder auf Wachstumskurs bringen.

Weniger Gerüchte rund um Kantar

Der neue Chef hat dabei zumindest seinen großen Kreativagenturen ein Bleiberecht bei der neuen WPP eingeräumt. Ob dies auch für die Marktforschungseinheit Data Investment Management gilt, bleibt offen. Zumindest gibt es derzeit kaum noch Gerüchte rund um die Marktforschungstochter Kantar. Nach dem Weggang von Firmenlegende Martin Sorrell gab es hier zahlreiche Spekulationen. So berichtete unter anderem die Financial Times über einen möglichen Verkauf der Tochter Kantar an den Konkurrenten Nielsen, selbst Ex-Chef Martin Sorrell wurde zum Beispiel von der britischen Website Campaign Interesse nachgesagt.

Derzeit verlagern sich die Meldungen wieder mehr ins Operative. So ist es Kantar zum Beispiel gelungen, als Drittanbieter für die Erfolgskontrolle von Werbeanzeigen bei Google aufgenommen zu werden, wie Adnews berichtet. Zudem bündelte das Unternehmen seine Kompetenzen in eine neue Unit, Kantar Analytics Practice genannt. In Deutschland sind hier 40 Datenexperten Bestandteil dieser neuen Einheit, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung erklärte.

All das ist aber natürlich keine Bestandsgarantie von Kantar unter dem Dach von WPP. Denn überzeugend waren die Zahlen des Bereichs zuletzt nicht. Und auch von anderen Marktforschungsunternehmen kennt man ja bekanntlich vehemente Dementis – und wenig später ist dann doch ein Finanzinvestor mit an Bord.

Turbulente Börsenfahrt für WPP

Die Aktie nahm jedenfalls eine deutliche Talfahrt, gab binnen einer Woche um über zehn Prozent nach. Zum Börsenschluss am Montag Abend wurde sie mit etwa 1.179 britischen Pences gehandelt. WPP ist an der Londoner Börse gelistet. Die nächsten Zahlen sollen dann im Oktober präsentiert werden, ein konkreter Termin steht noch nicht fest.

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