Wirtschaft, Gesundheit und Jobunsicherheit sorgen für einen Einsturz des Verbrauchervertrauens in Europa

Studie von Nielsen und The Conference Board®

Im zweiten Quartal ist das Verbrauchervertrauen in Europa deutlich gesunken. In Deutschland liegt der Verbrauchervertrauens-Index nur noch bei 87 Punkten. Seit Beginn der Messung vor 15 Jahren ist dies der stärkste Rückgang des globalen Verbrauchervertrauens.

Nachdem die Lebenskosten gedeckt sind, geben die Verbraucher in Europa ihr Geld am ehesten für Kleidung aus (Bild: Arturo Rey - Unsplash)

Die aktuelle Studie "Global Consumer Confidence Survey" zum Vertrauen der Verbraucher von Nielsen in Kooperation mit The Conference Board, untersucht die Einschätzung der Verbraucher zu ihren Job-Aussichten, ihrer persönlichen finanziellen Situation und Kaufbereitschaft.

Durch Corona und Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ist die Verbraucherstimmung im zweiten Quartal in Deutschland, Europa, aber auch global, drastisch eingebrochen. Der europäische Verbrauchervertrauens-Index sank im Vergleich zum vierten Quartal 2019 um 12 Index-Punkte auf 74 Punkte. Global betrachtet ist der Einsturz noch größer: Das weltweite Verbrauchervertrauen, das im zweiten Quartal 2020 bei 92 Indexpunkten liegt,  verzeichnet mit einem Verlust von 14 Punkten gar den größten Absturz seit der erstmaligen Erhebung des Index in 2005.

Verbraucherstimmung in Europa - Die Wirtschaft als größte Sorge

Trotz der Gesundheitskrise sorgen sich 41 Prozent der europäischen Verbraucher in erster Linie um die Wirtschaft, an zweiter Stelle kommt mit 36 Prozent die Sorge um die eigene Gesundheit. Knapp ein Viertel sorgt sich um den eigenen Arbeitsplatz: Mit Blick auf das kommende Jahr schätzen nur 22 Prozent der Europäer die eigene Joblage als gut oder sehr gut ein. Verglichen mit dem vierten Quartal 2019 sind das ganze 16 Index-Punkte weniger. Ebenso ist ein Rückgang bei der Einschätzung der finanziellen Lage zu vernehmen: Während in Q4 2019 noch fast die Hälfte (46 Prozent) die eigenen Finanzen als gut oder sehr gut bezeichnet haben, sind es in Q2 diesen Jahres nur noch 37 Prozent.

Aus diesem Grund gewinnt das Sparen für vier von zehn Europäer an Relevanz und steht, nach Deckung der Lebenskosten, an erster Stelle. Auch wenn das Geld nach wie vor bei zwei Dritteln für Kleidung ausgegeben wird, dicht gefolgt von Urlaub (31 Prozent), geschieht dies generell auf einem niedrigeren Niveau als noch vor der Pandemie.

Veränderungen des Verbrauchervertrauens in Europa (Quelle: Nielsen)

Verbraucherstimmung in Deutschland – Angst vorm Jobverlust dominiert

Nicht nur die Stimmung in Europa, sondern auch in Deutschland hat sich verschlechtert: Im Vergleich zu Q4 2019 fällt die Stimmung um 15 Index-Punkte auf 87 Punkte. Wenn es um die Prognose für die nächsten zwölf Monate geht, schätzen nun nur noch knapp 30 Prozent die eigene Joblage als gut oder sehr gut ein. Verglichen mit Q4 2019 waren es noch 30 Prozentpunkte mehr. Doch selbst vor Corona hatte der "Job-Optimismus" unter den Deutschen bereits  abgenommen.

Auch was die Einschätzung der finanziellen Lage angeht, ist ein leicht rückläufiger Trend zu vernehmen: Während Ende letzten Jahres noch knapp sechs von zehn Personen (57 Prozent) die eigenen Finanzen als gut bis sehr gut, mit Blick auf das nächste Jahr, einschätzten, sind es im zweiten Halbjahr diesen Jahres nur noch 54 Prozent.

Das wirkt sich auf die Kaufkraft aus. So gaben nur 40 Prozent an, dass momentan eine gute Zeit für Anschaffungen sei. An erste Stelle wird das Geld, nach Deckung der Lebenskosten, für Kleidung (41 Prozent) ausgegeben, gefolgt von Urlaub (37 Prozent). An dritter Stelle steht für etwa 30 Prozent der Verbraucher Sparen auf dem Tagesplan. 

cb

Methodik

Befragungsmethode Online
Befragte Zielgruppe regelmäßige Internetnutzer in 64 Ländern der Regionen Asien-Pazifik, Europa, Lateinamerika, Mittlerer Osten, Afrika und Nordamerika
Stichprobengröße n=32.000
Erhebungszeitraum 2. Quartal 2020
Veröffentlicht am: 20.07.2020

 

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