Corona: Wie hat sich das Verhalten der Bevölkerung verändert?

#wirbleibenzuhause diary #1 von François Erner, respondi

In ganz Europa bleiben die Menschen derzeit wegen Corona zu Hause, mit mehr oder weniger strengen Ausgangsbeschränkungen. In Frankreich herrscht bereits eine Ausgangssperre. Mithilfe der Daten aus dem Behavioral Panel hat respondi analysiert, inwiefern sich das Verhalten der Bevölkerung dort geändert hat. Wäre das bei uns auch so möglich?

Pariser am Ufer der Seine (Bild: Jesuwoz - pixabay)

Pariser am Ufer der Seine (Bild: Jesuwoz - pixabay).

In Frankreich, und insbesondere in Paris, wurde Kritik laut: Zu viele Menschen hielten sich laut den Behörden nach wie vor nicht an Sicherheitsvorkehrungen wie beispielsweise das Social Distancing. Fotos von dichten Menschenmengen an den sonnigen Ufern der Seine oder auf Wochenmärkten machten in den Medien die Runde.

Wir tracken konstant das Onlineverhalten von einem Teil unseres Panels (natürlich mit deren Einverständnis) und analysierten, wie sich das Verhalten unserer französischen Panelisten im Internet in den letzten Tagen verändert hat. Vorweg eine positive Nachricht, die wir hier gerne unterstreichen möchten: Sicherlich kann sich immer noch mehr tun, aber eine bedeutende Verhaltensänderung ist in unseren Daten bereits deutlich sichtbar.

Zuallererst: Die Nachrichten kommen an. Den größten Anstieg verzeichnen wir bei den Besuchen behördlicher Websites. Im Vergleich zu den vorherigen Tagen sehen wir einen 2000-prozentigen Anstieg der Anzahl der Besuche auf interieur.gouv.fr. Auch Nachrichtenseiten werden weit häufiger besucht als normalerweise. Für huffingtonpost.fr zum Beispiel haben wir einen Anstieg von 290 Prozent verzeichnet.

(Messwerte basierend auf 730.238 Websitebesuchen vom Desktop, von einer national repräsentativen Stichprobe von n=1910 (Alter und Geschlecht) in Frankreich, Zeitraum: 1. März bis 17. März 2020.)

Etwas allgemeiner betrachtet, spiegeln unsere Daten die Implementierung der Distanzierungsrichtlinien wider. Kinder lernen zu Hause (+1121 Prozent mehr Aufrufe der CNED Website, die Kindern Zugang zu Onlineunterricht bietet), die Eltern arbeiten von zu Hause (+148 Prozent auf der office365 Website, +471 auf hp.com – eventuell ein Nebeneffekt des Bedarfs an gedruckten 'Laissez-Passer' Formularen, einem französischen Reisedokument). Die Nutzung von Navigations-Apps hat sich hingegen deutlich verringert: die Nutzung von google maps hat sich seit der Abgrenzungsmaßnahmen auf ein Viertel reduziert, die Anzahl der Aufrufe von waze auf ein Drittel – eine klare Widerspiegelung der Ausgangsbeschränkungen.

Im Gegensatz zum Bild, das die Medien vermitteln und das sich vor allem auf die vermehrte Nutzung von Netflix bezieht (nach unseren Daten hat Canal Plus mit seinem zeitweiligen gratis Zugang mehr von der Ausgangssperre profitiert als Netflix), scheinen die Franzosen die Situation im Großen und Ganzen sehr ernst zu nehmen. Weiter so, #restezchezvous!

Allerdings finden wir auch Bereiche, in denen sich noch etwas bessern könnte. Wir analysierten ebenfalls die Seiten, die die Formulare bereitstellen, die benötigt werden, das Haus trotz Ausgangssperre zu verlassen. Von einer national repräsentativen Stichprobe von n=1314 (Alter und Geschlecht) haben 45,3 Prozent eine solche Seite mindestens einmal besucht (durchschnittliche Anzahl an Besuchen pro Person: 1,86). Jedoch nimmt die Häufigkeit in der jüngeren Zielgruppe ab.

Anteil der Bevölkerung, der eine Website besucht hat, auf der man das Formular erhält (nach Alter)

Außerdem variiert die Häufigkeit je nach Größe der Stadt und ist niedriger in den oberen Einkommensschichten (CSP+). Hier könnten spezielle Kommunikationsmaßnahmen, die diese Zielgruppen ansprechen sollen, implementiert werden.

oben: Anteil der Bevölerung, der eine Website besucht hat, auf der man das Formular erhält (nach Wohnortsgröße)
unten: Anteil der Bevölerung, der eine Website besucht hat, auf der man das Formular erhält (nach Einkommensschichten) 

Zum Autor: François Erner ist Chief Innovation Officer bei respondi.

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Rückblick auf den Freitag der WdM

Diskussion zur Qualität in der Marktforschung

Daily Keynote Freitag WdM 2020

27.11.2020 - Äußerst hitzig ging es in der Daily Keynote am Freitag der WdM 2020 her. Unter dem Veranstaltungstitel "Qualität in der Marktforschung – Ist jetzt alles wieder gut?" diskutierten Martin Thöring, der "Kronzeuge" des Spiegels in der „Akte Marktforschung", Hartmut... weiterlesen

 
GfK-Studie

Deutsches Konsumklima - Hart getroffen von der zweiten Welle

Landendes Flugzeug

26.11.2020 - Es ist beschlossen: Der Lockdown light vom November wird teilweise sogar noch in verschärfter Form auf den Dezember ausgeweitet. Doch wie wirken sich die ganzen Maßnahmen auf die Konjunktur, die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung der Deutschen aus? Die... weiterlesen

 
Kantar-Studie zur Medienentwicklung

Die Medienlandschaft am Wendepunkt - 10 Trends für 2021

TV mit Video-on-Demand-Diensten

25.11.2020 - Die globale Studie "Media Trends and Predictions 2021" beruht auf Daten und Erkenntnissen aus allen Geschäftsfeldern von Kantar und bietet einen Überblick über zehn Trends, die im kommenden Jahr in den Bereichen Medien und Kommunikation von entscheidender Relevanz sein... weiterlesen

 
Aktuelle Zahlen

Weiter Verluste bei Kantar

Skifahrt bergab (Bild: Pixabay – pexels.com)

23.11.2020 - Die schwierige Corona-Krise wirkt sich auch weiterhin auf die Geschäftszahlen des von WPP abgespalteten Marktforschungsunternehmens Kantar aus. Auch bei den Neun-Monats-Zahlen werden deutliche Verluste ausgewiesen. weiterlesen

 
Neues Teststudio in Hamburg

Anker lichten, Segel setzen: Foerster & Thelen eröffnet Teststudio in Hamburg

Neue Räume für Foerster & Thelen in Hamburg

23.11.2020 - Foerster und Thelen erweitert seine Teststudio-Standorte: Nach Mannheim, Bochum, Düsseldorf und zwei Standorten in Hannover kommt ab Februar 2021 mit Hamburg ein sechster Standort dazu. Die Räume werden vom Hamburger Institut Markt Research GmbH übernommen. weiterlesen

 
Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter xing linkedin