Wie geht es der Generation Lockdown?

Studie von september

September hat im Dezember eine vierstufige Forschungsreihe zu der Generation Lockdown veröffentlich. Wie hat sich das Lebensgefühl dieser Generation durch den Ausbruch der Corona-Pandemie verändert? Was erhoffen sich die jungen Erwachsenen für das Jahr 2021?

Mann am Laptop (Bild: Yasmina H. – Unsplash)
Die sozialen Kontakte leiden zunehmend, die Kommunikation findet hauptsächlich über digitale Wege statt und schränkt den emotionalen Austausch zusätzlich ein. (Bild: Yasmina H. - Unsplash)

Das Strategie- und Forschungsinstitut september widmet sich in einer großangelegten, vierstufigen Forschungsreihe der Generation Lockdown. Zu dieser Generation gehören junge Erwachsene ab 16 Jahren, die ihren Schulabschluss nicht vor 2015 gemacht haben und eigentlich auf dem Absprung in das eigene Leben sind. Doch wie hat sich das Lebensgefühl dieser Generation durch den Ausbruch der Corona-Pandemie verändert?

Über die erste Welle hatten wir bereits hier kurz berichtet. 

Die Ergebnisse der zweiten und dritten Welle zeigen, wie sehr die Generation zwischen den Extremen gefangen ist. Sie finden Halt in ihrem engsten Freundeskreis, aber stellen diesen gleichzeitig auf die Probe. Darüber hinaus spielt die Familie vor allem für die, die noch zuhause wohnen, eine wichtige Rolle, aber hindert sie auch daran, erwachsen zu werden.

Auf Grund der kaum vorhandenen sozialen Kontakten flüchten die jungen Erwachsenen in die sozialen Medien oder den Austausch über WhatsApp und Co, um Corona wenigstens kurz zu entfliehen. Dabei war das Ziel ein anderes, da sie eigentlich wieder mehr Nähe im Reallife erleben wollten. Laut der Studie haben sich in dem Zwiespalt zwischen Verantwortung und Freiheit Memes als Ventil für diese widersprüchlichen Emotionen etabliert:

Wir schicken uns super viele Memes, meine Freunde und ich. Wenn es die nicht mehr gäbe, wüsste ich nicht, wann es noch erlaubt wäre, mal über etwas richtig zu lachen. Sie machen erträglich, was gerade alles so passiert.

Die Studie zeigt auch die Frustration im Hinblick auf Weihnachten. Die Hoffnung, 2020 mit einer Weihnachtsfeier im großen Familienkreis und einer unvergesslichen Silvesterparty mit Freunden zu beenden, hat sich zerschlagen. Dabei hätte die Generation Lockdown einen schönen Abschluss für dieses Jahr dringend gebraucht, da auch im neuen Jahr keine Besserung in Sicht ist.

Patricia Johannes, Head of Knowledge und verantwortlich für die Studie, interpretiert die Ergebnisse so, dass die Generation Lockdown nach Verbündeten sucht, die ihre spezielle Situation verstehen, sie ernstnehmen, ihnen die richtige Mischung aus Vertrautem und Neureiz bieten - und ihnen nicht zuletzt vermitteln, dass es sich lohnen wird, durchzuhalten.

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In der vierten Welle der Forschungsreihe geht es um die Zukunftsaussichten der Generation Lockdown. Es wird zusammengefasst, wie die Generation Lockdown das Corona-Jahr empfunden hat und welche Erwartungen sie an das Jahr 2021 haben.

Die Generation-Lockdown wurde von der Pandemie hart getroffen:

2020 hat sich angefühlt, als würde man in einem Zug sitzen, der entgleist.

Sie wissen nicht, ob und wie sie ihre Ziele erreichen können, fühlen sich ausgeliefert und zu Unrecht in die Rolle des Sündenbocks gedrängt. Die jungen Erwachsenen haben Angst den Anschluss zu verpassen und schauen besorgt in die Zukunft:

Wenn ich an die Zukunft denke habe ich Angst, dass mir 'Generation Lockdown' negativ anhaftet: faul, undiszipliniert - dass sowas von mir gedacht wird!

Demnach wird 2021 nicht das Jahr der großen Träume oder Pläne, sondern das Jahr, in dem sie das Leben wieder genießen wollen. Dabei ist die Generation geprägt von dem Wunsch nach Normalität und der Hoffnung auf Unterstützung. Durch die Pandemie haben die jungen Erwachsenen ihr Selbstbewusstsein verloren und Angst davor, dass sie nicht auf eigenen Beinen stehen können.

Nicht nur das Selbstbewusstsein leidet, sondern auch die sozialen Kontakte. Dabei ist die Generation Lockdown gespalten in Regelkonforme und Rebellen.

Patricia Johannes äußert als Fazit zu der Studie, dass die Generation Lockdown wie keine Generation vor ihr die Bestätigung brauche, dass sie wertvoll ist. Darüber hinaus nehme sie konkrete Lebenshilfe gern an, statt sich risikofreudig ins Erwachsenenleben zu stürzen. Laut Patricia Johannes wird es eine gesellschaftliche Aufgabe sein, die besonders in der Generation Lockdown empfundene Spaltung aufzuheben und Menschen wieder zusammenzuführen. Hier würden Visionen genauso sehr helfen wie kleine, mit Leichtigkeit zu erreichende Ziele.

Im Januar 2021 plant das Unternehmen auf die qualitative Studie zur Generation Lockdown eine quantitative Betrachtung folgen zu lassen.

Methodik

Erhebungszeitraum 11.11. bis 14.12.
Länder Deutschland: Großraum Köln, Frankfurt und Hamburg
Erhebungsmethode Qualitative Tiefeninterviews
Stichprobe 60 tiefenpsychologische Interviews à 90 Minuten

/jr

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