Was sonst noch war: Sampling-Streit, Voting-Verfälschung, Modemarken

In unserer Kolumne "Was sonst noch war" wollen wir Ihnen ans Herz legen, was die anderen schreiben. Denn manches gerät aus dem Blick – wir fangen es wieder ein mit unserer Presseschau.

Zufallsstichprobe oder Matchingverfahren? In den USA führt eine YouGov-Befragung derzeit zu hitzigen Diskussionen. Es geht um die Frage, wann eine Bevölkerungsbefragung eine gute Befragung ist. Und darum, ob man Standards braucht, um gute Ergebnisse zu erhalten – oder einfach nur Kreativität und neue Ansätze. Auftraggeber der Studie ist nicht irgendwer, sondern die "New York Times". In einem Blogbeitrag schreibt NYT-Autor Nate Cohn: "Another issue is that the YouGov panel does not use probability sampling, the theoretical underpinning of modern polling. [...] Instead, YouGov attempts to build a large, diverse panel and then match its panelists to demographically similar respondents from the American Community Survey, an extremely rigorous probability survey conducted by the Census Bureau."

Der Branchenverband AAPOR nahm prompt Anstoß an der Methodik und veröffentlichte ein Statement, das vor erodierenden Standards warnt – die Washington Post sieht de Dinge gelassener und wundert sich über die Rückwärtsgewandtheit der Aufseher. Ein weitere Linksammlung zum Thema ist ebenfalls einen Blick wert und zeigt, was wir vermuten: Man kann den Instituten das Weiter- und Andersdenken nicht verbieten.

Weniger niveauvoll wird es, wenn wir den Blick auf die deutsche Medienlandschaft und ihren laxen Umgang mit Publikumsumfragen richten: Nach dem ZDF-Geständnis, man habe nachträglich Umfragedaten verfälscht, zieht der NDR nun ebenfalls zerknirscht nach. Medienjournalist Stefan Niggemeier nimmt den Steilpass gerne auf und zerpflückt die seltsame Interpretation von Online-Votings: "Der NDR fühlte sich offenbar zunächst auf der sicheren Seite, weil die Sendungen, von denen seit 2011 inklusive Wiederholungen 212 im NDR-Fernsehen ausgestrahlt wurden, allesamt nicht auf repräsentativen Meinungsumfragen beruhten. Bei einer genaueren Betrachtung zeigte sich aber, dass die Ergebnisse der Online-Votings in einigen Fällen nachträglich verändert wurden."

Da greift man doch lieber nach Altbewährtem: Der Mitarbeiterbefragung. Damit sie nicht zum Rohrkrepierer mutiert und am Ende die Mitarbeiter noch stärker demotiviert als diese es ohnehin schon sind, sollte man einige Tipps beachten. Bereits Mitte Juli hat Felix Brodbeck von der LMU dazu dem Handelsblatt ein lesenswertes Interview gegeben: "Es ist extrem wichtig, dass sich der Vorstand nach der Befragung die wichtigsten Baustellen notiert und dann auch angeht."

Wie schaffen es Modemarken, beim Kunden durch Werbung nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen? Sebastian Grandt von MediaAnalyzer liefert in einem Blogbeitrag konkrete Beispiele aus einer Studie und zeigt dazu YouTube-Videos der entsprechenden Spots.

Um die Wirkung von Medienerzeugnissen geht es auch in einer selbstkritischen Analyse von drei FAZ-Autoren. Sie zeichnen den Niedergang der Zeitung nach und suchen nach neuen Wegen aus der Krise. Patentrezepte liefert das nicht – schafft aber einen Blick aufs Ganze.

Ein schönes Wochenende wünscht
Nils Glück, marktforschung.de

Übrigens: Meistgeklickter Link von vergangener Woche war das Big-Data-Dossier des Leibniz-Journals.

Veröffentlicht am: 15.08.2014

 

Kommentare (1)

  1. knut holzscheck am 15.08.2014
    die AAPOR hat eindeutig recht mit ihrer warnung. eine zufallsstichprobe ist nun mal der einzige theoretisch belegbare weg, von einer stichprobe auf die grundgesamtheit zu schließen. "matching" eines panels mit einer korrekt gezogenenen stichprobe, was immer dieser blumige ausdruck bedeuten soll, stellt keine repräsentativität her. den sampling bias, dass rekrutierung der panel-mitglieder eine starke selektion bedeutet, kann man grundsätzlich nicht beseitigen. man muss sich entscheiden: repräsentativität, oder wie der autor fordert, kreativität. ich schätze kreativität sehr, aber wenn ich ergebnissen trauen soll, ziehe ich repräsentativität vor.

    knut holzscheck, GESS

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