Was Menschen von ihrem Wohnumfeld erwarten

Wohnen

Die Faktoren, die bei einem Umzug eine Rolle spielen, sind ganz unterschiedlich, aber welche Regionen boomen und wo ziehen Menschen tendenziell eher weg? Welche Ansprüche werden an ein neues Wohnumfeld gestellt und wonach bewerten Menschen ihr Wohnumfeld?

Panorama (Bild: smileus - adobe.stock)
Was Menschen von ihrem Wohnumfeld erwarten, hängt von ihren individuellen Vorstellungen ab. So unterscheiden sich Familien und Singles beispielsweise stark. (Bild: smileus - adobe.stock)

Grün, eine gewachsene Architektur und die Kita direkt um die Ecke – so stellen sich viele Familien ihr Wohnumfeld vor. Singles haben oft andere Ansprüche. Ihnen ist das Kultur- und Freizeitangebot wichtig. Außerdem sollte die Wohnung verkehrstechnisch günstig liegen. Was Menschen von ihrem Wohnumfeld erwarten und wie sie es bewerten, hängt von individuellen Vorstellungen ab. Es geht nicht allein darum, dass die Mieten niedrig sind und dass es Jobs gibt. Einige dieser Aspekte sind universell – und gelten für sehr viele Haushalte. Andere unterliegen immer wieder dem Wandel der Zeit oder können sich mit den Lebensumständen verändern.

Wo die Menschen gerne leben

Welche Regionen boomen und wo ziehen Menschen tendenziell eher weg? Wer sich mit dem Wohnumfeld beschäftigt, muss auch ein Auge auf die Wanderungsbewegungen haben. In diesem Zusammenhang lassen sich grundlegende Faustregeln beobachten:

  • Menschen ziehen zu ihren Jobs.
  • Familien zieht es eher ins Grüne.
  • ländlicher Raum leidet unter der Wanderungsbewegung.

Besonders stark sind in den letzten Jahren Großstädte bzw. Metropolregionen gewachsen. Beispiel München: Die Stadt ist in den letzten Jahren – abgesehen von statistischen Korrekturen – stetig gewachsen. Schließlich gehört München 18.557 unterschiedlich alten Menschen aus 26 Ländern zufolge gemeinsam mit Berlin auch zu den beliebtesten Städten nicht nur Deutschlands, sondern sogar der Welt. Noch vor wenigen Jahren waren die deutschen Städte nicht so beliebt wie heute. Der ländliche Raum verliert auf der anderen Seite an Substanz. Der Bevölkerungsrückgang ist unter anderem in Sachsen – aber auch im ländlichen Raum Bayerns oder Brandenburgs zu spüren.

Dass Menschen ihren alten Wohnsitz hinter sich lassen, hat ganz unterschiedliche Gründe. Gerade als junge Erwachsene geht es in erster Linie um den Job oder das Studium. Letzteres sorgt in Deutschland für eine ausgesprochen starke Wanderungsbewegung – in Richtung der Hochschulstandorte. Das müssen nicht unbedingt Großstädte sein.

Im Bericht „Bevölkerungsdynamik und Innenentwicklung in Mittelstädten“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) findet sich ein interessanter Fakt: In Deutschland stehen Städte, die über eine große Mittelstadt und eine Hochschule verfügen, mehrheitlich für eine Lage außerhalb der Großstadtregionen. Solche Städte nehmen für die Umgebung aber eine großstadtähnliche Funktion wahr und werden so wieder zu doppelt attraktivem Wohnort gerade für junge Menschen. Orte, wie Gießen oder Tübingen etwa konnten mit 14,8 Prozent, bzw. 7,5 Prozent zwischen 2011 und 2017 ein deutliches Bevölkerungswachstum verzeichnen.

Wer bereits mit beiden Beinen fest im Leben steht, tut sich mit einem Umzug meist schwerer. Hier geht es häufig um eine berufliche Neuorientierung – oder Veränderungen des familiären Umfelds. Aber: Sobald die Bedürfnisse der Familie in den Fokus rücken, geht es sehr oft nicht mehr allein um die größtmögliche Nähe zum Arbeitgeber. In dieser Situation wird es attraktiver, in den „Speckgürtel“ der Städte zu ziehen. Besonders deutlich wird diese „Ballung“ beim Blick auf die Bevölkerungsdichte. In einem Bericht der Bundesregierung stechen die Großstädte und Metropolregionen gegenüber dem ländlichen Raum klar heraus.

Technische, gesellschaftliche oder politische Veränderungen wirken sich immer auch darauf aus, wo und wie wir leben wollen. Durch zahlreiche Einflüsse befinden sich unsere Städte und Gemeinden in einem stetigen Wandel. Gleichzeitig verändern sich die Ansprüche, die an ein lebenswertes Wohnumfeld gestellt werden. Auf diese Veränderungen müssen sich die Städte für die Zukunft rüsten. Für Stadtplaner bedeutet dies, zahlreiche Herausforderungen und unterschiedliche Anforderungen unter einen Hut bringen zu müssen.

Die wichtigsten Faktoren für ein schönes Wohnumfeld

Familienspaziergang mit Hund (Bild: america_stock - adobe.stock)
Was sind die Gründe für einen Umzug? (Bild: america_stock - adobe.stock)

Was Statistiker als Migrations- oder Wanderungsbewegung bezeichnen und in Zahlenkolonnen nach Bundesland, Region oder Gemeinde erfassen, ist für den einzelnen Betroffenen viel weniger abstrakt. Die Gründe für den „Tapetenwechsel“ sind meist recht vielfältig. Sehr oft geht es um den Job. Aber auch familiäre Aspekte spielen eine Rolle. So kann eine Trennung genauso für den Umzug verantwortlich sein wie die erste gemeinsame Wohnung. Egal, was am Ende den Ausschlag gegeben hat – es werden immer gewisse Ansprüche an das neue Wohnumfeld gestellt:

1. Erschwinglicher Wohnraum: Mietsteigerungen als Umzugsgrund

Was für einige an erster Stelle steht, ist die Höhe der Miete. Es geht für viele Haushalte nicht darum, grundsätzlich so günstig wie möglich zu wohnen. Sofern Ausstattung und Lage stimmen, sind zahlreiche Familien durchaus bereit, mehr Geld in die Hand zu nehmen. Doch gerade innerstädtische Lagen sind heute für eine wachsende Bevölkerungsschicht nicht mehr erschwinglich. Die Kaltmieten sind hier in den letzten Jahren auf ein Niveau geklettert, welches sich nur noch wenige Haushalte leisten können.

Besonders hervor stechen an dieser Stelle Metropolen wie:

  • Frankfurt am Main
  • München
  • Berlin
  • Hamburg

München ist weiterhin Spitzenreiter – was für die Münchener allerdings wenig Anlass zur Freude ist. Laut Medienberichten, welche sich auf eine IVD Auswertung stützen, lag die Durchschnittsmiete in zehn Großstädten Deutschland Ende 2020 bei 12,40 Euro – auf den Quadratmeter bezogen. München lag mit mehr als 17 Euro sehr deutlich über diesem Wert.

Selbst die Hanse-Metropole Hamburg lag unter 13,50 Euro. Dieser extreme Mietpreis hat für den Durchschnittsverdiener in München Konsequenzen. Auf dem Wohnungsmarkt herrscht ein riesiger Konkurrenzdruck. Besonders unter Geringverdienern ist die Lage permanent angespannt. In den vier Millionenstädten Berlin, Hamburg, München und Köln müssen Menschen mit niedrigen Gehältern – selbst, wenn sie so günstig wie möglich wohnen – durchschnittlich mindestens 37 Prozent ihres Gehalts fürs Wohnen ausgeben. Zu diesem Ergebnis kam Die Zeit bei einer eigenen Berechnung aus Daten von empirica regio (Datenbasis: empirica-systeme) und der Bundesagentur für Arbeit.

Fest steht, dass ein ausgeglichenes Mietniveau zum Wohlfühlfaktor beiträgt. Prinzipiell haben Haushalte den Wunsch, dass die Miete für ihr Dach überm Kopf erschwinglich bleibt. Hintergrund: In Städten und Regionen mit einem generell hohen Mietniveau wirken sich Preisanpassungen deutlich spürbar stärker aus. Die Mietanpassung um 1,5 Prozent sieht bei 500 Euro Kaltmiete anders aus als bei 1.500 Euro. Den in Großstädten beobachteten Mietwahnsinn empfinden viele als beängstigend. Der Blick auf den Mietendeckel in Berlin zeigt sehr deutlich, wie aufgeladen die Stimmung in diesem Zusammenhang ist.

Auch im Zusammenhang mit anstehenden Sanierungen und Modernisierungen fürchten viele Mieter, plötzlich eine deutlich höhere Kaltmiete stemmen zu müssen. Langfristig stabile Mieten gehören für viele Haushalte deshalb ebenfalls mit ganz oben auf die Liste. Eine Wohnung, für welche kurz nach dem Einzug bereits mit Mietsteigerungen zu rechnen ist, wird deutlich anders bewertet als mietstabiler Wohnraum.

2. Gute Infrastruktur: Ein Basic

Ein zweiter Aspekt, den Haushalte für das Wohnumfeld in die Betrachtung sehr prominent in den Fokus stellen, ist die Infrastruktur. Hier spielen zwei Faktoren eine sehr wichtige Rolle: Die Makro- und die Mikrolage.

Infrastruktur wird zwar oft ausschließlich mit der Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr oder bessere Mobilitätskonzepten in Verbindung gebracht. Gerade in ländlichen Regionen fordern Menschen immer häufiger neue und innovative Mobilitätsdienste. So gaben beispielsweise 56 Prozent der im Rahmen einer aktuellen Bitkom-Studie Befragten, die bislang kein Ride Pooling nutzen können, an, dass sie Interesse an einem solchen Angebot hätten. An Ride Hailing wiederum waren 47 Prozent interessiert. Zwei von drei Bürgern (66 Prozent) wünschten sich insgesamt, dass neue Mobilitätsangebote stärker unterstützt werden.

Außerdem ist der Einsatz vieler Metropolen für den Radverkehr verbesserungswürdig. Einer Studie von Greenpeace zufolge investierte das Verkehrsministerium von seinem 28 Milliarden Euro umfassenden Budget gerade einmal 0,5 Prozent in den Radverkehr. Es verwundert nicht, dass die Sicherheitslage für Radfahrer im deutschen Straßenverkehr dementsprechend schlecht ist.

In der Praxis erstreckt sich das Thema Infrastruktur jedoch noch auf eine ganze Reihe weiterer Sachverhalte. So meint Infrastruktur unter anderem:

  • ÖPNV
  • Straßennetz
  • Parkplatzsituation vor Ort
  • Nahversorgung
  • Breitband- und Kabelnetzanbindung

Alles das sind Aspekte, welche sehr stark zur Wahrnehmung des Wohnumfelds beitragen. Was ist dabei besonders wichtig?

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Kinderbetreuung und Nahversorgung

Junge Familien setzen beim Wohnort auf eine gute Erreichbarkeit der Schulen und Kinderbetreuungsangebote. Muss für den Weg zur Schule eine Anfahrt von 30 Minuten geschultert werden, hält sich die Begeisterung erwartungsgemäß in Grenzen. Gleiches gilt für die Kita. Auch deren Ausstattung spielt in der Wahrnehmung des Wohnumfelds eine Rolle. An dieser Stelle sind es oft individuelle Ansprüche, die eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Hinsichtlich der Nahversorgung geht es in erster Linie um die Frage, wie gut das Wohnumfeld beim Lebensmitteleinzelhandel – aber auch allen anderen Geschäften – aufgestellt ist. Für den Wocheneinkauf nehmen viele Familien auch einen etwas längeren Anfahrtsweg in Kauf. Wer selbst für kleine Besorgungen ein Auto braucht, muss seine Besorgungen anders organisieren – als bei einer fußläufigen Erreichbarkeit verschiedener Einkaufsmöglichkeiten.

Gerade für Familien ist eigentlich das gesamte Umfeld des Wohnortes wichtig. In einer großen Deutschland-Studie über Familien, die das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos im Auftrag des ZDF erstellte, formten sich besonders relevante Faktoren aus 20 Lebensbereichen heraus. Die Betreuungssituation und Fahrtzeiten zum nächsten Supermarkt waren zwei davon, doch auch etwa Freizeitangebote spielten eine wichtige Rolle. Interessant: Auf Rang eins landete der Hochtaunuskreis als die Region mit den besten Lebensverhältnissen für Familien in Deutschland, dicht gefolgt von Baden-Baden und Starnberg. Am schlechtesten schnitt der Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt ab.

Internetanschluss: Inzwischen ein Must‑have

Was inzwischen bei der Infrastruktur mit ganz oben auf die Liste gehört, ist die Anbindung ans Breitbandnetz bzw. die Kabelnetze. Das Internet hat in den letzten Jahren Printmedien und das Fernsehen als Informationskanal beerbt. Ohne den Breitband-Anschluss fehlt vielen Familien die Verbindung nach außen. Das Internet ist schließlich:

  • Informationsmedium
  • Shoppingkanal
  • Alternative zum Fernsehen
  • Gaming-Channel usw.

Speziell die beiden letztgenannten Bereiche sind stark von der Bandbreite abhängig. Für Full-HD bzw. 4K Streams braucht es einfach eine gewisse Datenrate, um die Video- und Audiosignale in dieser Qualität übertragen zu können. Wichtig: Für das Spielen von Online-Games ist nicht nur entscheidend, wie die Bandbreite aufgestellt ist. Hier kommt es auch auf andere technische Rahmenbedingungen – wie den sogenannten Ping – an. Viele Haushalte schauen sich diesen Aspekt daher inzwischen sehr gründlich an. Auch aufgrund der deutlichen Aufwertung von Telearbeit im Homeoffice. Von zu Hause aus arbeiten zu können, klingt verlockend. Wenn die Technik streikt, bringt diese Möglichkeit allerdings recht wenig.

3. Klimatische Faktoren und Nachhaltigkeit: Ein Schlüsselfaktor

Lange kam es in der Städteplanung nur darauf an, die zur Verfügung stehende Fläche einfach so gut wie möglich auszunutzen. In den letzten Jahren stellt sich in diesem Zusammenhang ein deutliches Umdenken ein. Es kommt Singles und Familien verstärkt darauf an, dass Flächen nicht zu stark versiegelt werden. Betonwüsten, die von Hochhaus-Silos durchbrochen werden, waren vielleicht in der Vergangenheit das Ziel der Städteplanung.

Was heute zudem zählt, ist neben den Raumnutzungspotenzialen auch der ökologische Aspekt – also Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Dabei geht es nicht allein um das „grüne“ Bewusstsein. Für Familien und Singles hat dieses Thema auch praktische Bedeutung. In verschiedenen Studien hat sich gezeigt, dass stark zugebaute Areale – wie sie im Innenstadtbereich typisch sind – zur Entstehung eines Mikroklimas führen.

Städte heizen sich im Sommer oft einfach sehr viel stärker auf als der sie umgebende ländliche Raum. Die höhere Temperatur ist aber nur die eine Seite der Medaille. In den Abend- und Nachtstunden hält sich die Hitze in diesen Bereichen sehr viel länger. Insofern leidet die Stadtbevölkerung unter sommerlichen Hitzewellen meist heftiger und länger. Darüber hinaus bedeutet eine nachhaltige Stadtplanung auch in vielen anderen Bereichen mehr Lebensqualität:

  • Erhaltung ästhetischer Altbaubestände und Altstädte
  • gute Erreichbarkeit dank nachhaltigem Mobilitätskonzept
  • mehr Stadtgrün für die Naherholung

Darüber, dass Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt der Zukunft des Wohnens ausmacht, sind sich viele Deutsche inzwischen einig. Einer Studie zufolge, in deren Rahmen 2018 rund 1.000 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren befragt wurden, stellten sich gerade Männer das Wohnen in 20 Jahren entsprechend vor. So waren 41 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen überzeugt davon, dass energieeffiziente, nachhaltige Wohnhäuser in zwei Jahrzehnten schon zum Standard gehören werden.

Smog und Dunst der Autoabgase

Neben dem erwähnten Aufheizen der Städte, welches vor allem durch die dichte Bebauung der Städte entsteht, werden auch die Lärm-Emissionen sowie der Ausstoß klimaschädlicher Verbrennungsabgase zu einem Problem. Besonders, wenn Hauptverkehrstrassen das Wohnumfeld kennzeichnen, wird die Sicht der Familien und Singlehausalte oft von diesem Thema dominiert.

Hier kommt es zu Abgas-Emissionen und starken Belastungen durch den Verkehrslärm. Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass die Belastungen der Bevölkerung durch den Verkehrslärm langsam abnehmen. Wo 2012 etwa noch 21,4 Prozent der Gesamtbevölkerung durch Tag-, Abend- und Nachtlärm betroffen waren, waren es 2017 immerhin nur noch 19,1 Prozent. Für viele Menschen dürften diese Zahlen dennoch zu hoch sein. Außerdem sehen Eltern den Straßenverkehr als Risiko für den Nachwuchs. Verkehrsberuhigte Zonen, Grünflächen und Maßnahmen gegen die Belastung mit Abgasen sind Kriterien, nach denen Eltern ihr Wohnumfeld bewerten.

4. Naherholungsmöglichkeiten: Ab ins Grüne

Spaziergang (Bild: joh.sch - adobe.stock)
Für viele Familien und auch für Singles ist es wichtig, dass sie schnell im Grünen sind (Bild: joh.sch - adobe.stock)

Nach Feierabend direkt nach Hause, noch mit den Kindern spielen und vielleicht ein paar Runden in den Laufschuhen um den Block drehen. Klingt nach einem typischen Tag für viele Familien. Angesichts einer in den letzten Jahren stärker gewordenen Arbeitsbelastung sehnen sich viele Familien nach einem Ausgleich in der Freizeit. Leider lässt der Alltag dies nur bedingt zu. Gerade wer in Großstädten lebt, ist in den Möglichkeiten eher eingeschränkt.

Damit sich Familien in ihrem Wohnumfeld wohl und wie zu Hause fühlen, taucht meist recht schnell das Thema der Erholungsangebote auf. Hier geht es weniger um den Spa- und Wellness-Tempel um die Ecke. Naherholungsmöglichkeiten sind Freizeitparks, Wander- und Klettermöglichkeiten oder Seelandschaften.

Alles Räume, welche heute von Menschen genutzt werden, um auf etwas Abstand zum Alltag zu gehen. Auf die Ausgestaltung der Gebiete haben die Städte und Gemeinden in vielen Fällen keinen Einfluss. Deren Befugnisse enden an der Stadtgrenze. Möglich sind Anlage und Gestaltung für:

  • Parkanlagen
  • Stadtwälder
  • Seen- und Teichlandschaften im Stadtgebiet.

Zu den Naherholungsgebieten können auch Flusslandschaften gehören. Beispiele sind unter anderem die Elbe in Magdeburg oder Isar in der bayerischen Landeshauptstadt München.

5. Freizeitangebote: Unterhaltung wird stetig wichtiger

Die Wohnung oder das Eigenheim sind nicht nur zum Essen und Schlafen. Wer sich für eine Stadt oder Gemeinde im ländlichen Raum als Wohnsitz entscheidet, hat auch gewisse Ansprüche die Freizeitgestaltung betreffend. Freizeitangebote gehören für viele Menschen zu einem lebenswerten Umfeld dazu. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, gewinnt dieser Faktor zusätzlich an Bedeutung.

Die Ansprüche an die Freizeitgestaltung wiederum sind recht unterschiedlich. Singles wird der Kinderspielplatz um die Ecke mit hoher Wahrscheinlichkeit egal sein. Auf der anderen Seite sind Kletterhallen oder öffentliche Sportanlagen eine beliebte Möglichkeit, um den Stress des Alltags abzubauen – und hinter sich zu lassen.

In der Praxis zählen für die Bewertung des Wohnumfelds an dieser Stelle mehrere Aspekte. Auf der einen Seite steht die Verfügbarkeit der Freizeitangebote. Andauernd geschlossene Anlagen werden in gleicher Weise als störend empfunden wie deren komplettes Fehlen.

Auf der anderen Seite spielt die Qualität eine Rolle. Ungepflegte Anlagen mit starken Abnutzungsspuren – hier wird die Bewertung der Freizeitangebote eher negativ ausfallen. Aber: Freizeitangebote sind nicht nur die Sportanlagen oder Spielplätze. Auch Museen, Theater oder Kinos fallen allen in diese Kategorie. Einige dieser Einrichtungen werden privat betrieben – Städte und Gemeinden haben weder auf Ausstattung noch Programmentscheidungen Einfluss. Gerade Theater und Museen werden nicht selten von der öffentlichen Hand getragen.

Die Art und Weise, wie diese Freizeitanlagen unterhalten und gepflegt werden bzw. erreichbar sind, wirkt sich darauf aus, wie Menschen ihr Wohnumfeld am Ende wahrnehmen.

 

6. Ästhetik: Für das Wohlempfinden in der Stadt

Beim Wohnen spielt auch die Ästhetik eine nicht unwesentliche Rolle. Das heißt, dass sich Menschen in „Wohnsilos“ seltener wohlfühlen als in der direkt am Stadtrand gelegenen Reihenhaussiedlung mit eigenem Garten. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich in der Praxis allerdings oft ein Spannungsfeld. Städteplanerisch haben sich die Ansichten in den letzten Jahren deutlich verändert.

Was in den 1970er Jahren als modern angesehen wurde, empfinden viele Menschen heute als hässlich. Graue Betonwände und Hochhausschluchten – ästhetische Architektur sieht heute anders aus. Aber: Es lassen sich Häuser in Stadtlagen nicht einfach wegreißen. Städteplaner können die Weichen nur für jene Gebäude neu stellen, die sich gerade in der Planungsphase befinden.

So lange bleibt für den Bestand nur „Kosmetik“. Neue Fassadenanstriche oder eine Modernisierung der Fassade bieten die Chance, das Wohnumfeld optisch aufzuwerten. Am Ende kann dies aber nur ein Teil möglicher Maßnahmen sein. Es fließt zudem mit ein, wie mit der Bausubstanz umgegangen wird. Liegt überall Müll herum, hat das Ganze nichts mehr mit Ästhetik zu tun. Ähnliches gilt für Grünanlagen, denen es an Pflege fehlt.

7. Arbeitsplatzangebot: Jobs haben Anziehungskraft

Die Jobaussichten sind ein weiterer Aspekt, welcher in der Bewertung des Wohnumfeldes eine Rolle spielt. Hier geht es nicht allein um die Frage, ob Arbeitnehmer die Chance auf einen Job haben. Auch andere Aspekte – wie das Lohnniveau – machen sich bemerkbar. In Großstädten ist das Angebot auf dem Arbeitsmarkt in der Regel großzügiger.

Viele Städte wachsen – gerade durch Konzerne und Unternehmen aus dem Mittelstand. Doch das Gefälle kann deutlich sein. Beispiel Sachsen: Dresden wächst durch die Ansiedlung von Hightech-Firmen im Großraum Dresden. Die Chipherstellung ist ein Zugpferd. Leipzig boomt als Logistik-Drehkreuz und durch den Autohersteller Porsche. Chemnitz steht im Schatten der beiden Metropolen. Nach einem negativen Bevölkerungstrend in den 2000er Jahren wächst die Stadt langsam wieder

Digitale Technologien, die eine Smart-City fördern, werden von vielen Bürgern stärker gefordert, denn je. Denn Smart Citys werden „zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, da sie die Lebensqualität der Bewohner steiger[n] und hochqualifizierte Arbeitskräfte und Start-Ups anzieh[en], wie Pierre-Adrien Hanania, Global Offer Leader for AI in Public Sector bei Capgemini erläutert. In einer unter 10.00 Städtern durchgeführten Studie waren 73 Prozent derjenigen, die auf Smart-City-Angebote zurückgreifen konnten, etwa auch zufriedener mit ihrer Lebensqualität im Hinblick auf gesundheitlich relevante Faktoren wie der Luftqualität.

Beim Thema Jobangebot spielen inzwischen nicht nur der Arbeitsmarkt und die Löhne eine Rolle. Für viele Menschen geht es auch um die Frage, welche Wertschätzung der einzelne Arbeitnehmer erfährt – im Zusammenhang mit Telearbeit/Homeoffice.

Fazit: Qualität des Wohnumfelds von vielen Faktoren abhängig

Wie bewerten Menschen ihr Wohnumfeld? Es spielen dabei unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Entscheidenden Einfluss hat unbestreitbar die Entwicklung bei den Wohnungsmieten. Gerade in den Großstädten ist es zu einem Szenario gekommen, welches vor allem die unteren und mittleren Einkommen besonders stark belastet. Auf der anderen Seite sind es aber auch Rahmenbedingungen wie die Infrastruktur, ob Schulen und Kindertageseinrichtungen in unmittelbarer Nähe liegen oder Oasen zur Erholung existieren. Letztlich kommt es eindeutig darauf an, dass Wohnorte alle Faktoren in halbwegs ausgewogener Weise abdecken.

/jr

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