UX-Researcher trotzen dem Virus

UX-Nutzertreffen

Wider Erwarten voll war es beim ersten Holy-UX-Treffen im Kölner Wework. Veranstaltet von Skopos Nova & Testingtime lauschten die Zuhörer UX-Cases von Ikea, Pixum und Vox.de.

UX-Nutzertreffen bei WeWork
UX-Nutzertreffen bei WeWork

Es war voll beim ersten Holy-UX-Treffen am vergangenen Mittwoch im Kölner Co-Working-Space Wework. Veranstaltet von Skopos Nova und der Rekrutierungsplattform TestingTime fanden sich trotz der Bedrohung durch den Coronavirus etwa 60 UX-Interessierte ein, um über UX zu reden. Zur Verteidigung der Veranstalter ist vorzubringen, dass offensichtlich keiner der Anwesenden zu einer der Corona-Risikogruppen gehört haben dürfte, stattdessen aber zur Gruppe der urbanen Startup-Hipster zwischen 20 und 30 Jahren. Moderiert wurde der Abend von Till Winkler, CEO von Skopos Nova. Es gab drei UX-Fallbeispiele der Unternehmen Pixum, RTL Mediengroup und Ikea.

Volles Haus bei HolyUX
Volles Haus bei HolyUX

Das Handwerkzeug der UX-Researcher: Post-its, Post-its, Post-its

Nora Wenning, Teamleiterin UX bei Pixum, machte den Anfang. Sie berichtete über die Verschmelzung qualitativer und quantitativer Methoden bei der UX-Testung und darüber, warum das wichtigste Handwerkszeug der UX-Researcher Post-its sind. Den Erfindern bei 3M müssen den ganzen Abend die Ohren geklingelt haben: So oft kam die Sprache auf die kleinen Haftnotizen, die für Probleme und Ideen jeglicher UX-Art herhalten müssen. Außerdem stellte Nora relativ detailliert vor, wie man aus qualitativen UX-Studien quantitative Insights herausarbeiten kann, um letztlich auch zahlenfixierte Vorgesetzte zu überzeugen. Der Vortrag der Pixum-Mitarbeiter schloss mit dem dringenden Appell an die Zuschauer, sich doch bei Pixum zu bewerben, da nach Data Analysten, Entwicklern und Erziehern mittlerweile wohl UX-Researcher und Agile-Coaches die gefragtesten Talente auf dem Arbeitsmarkt sind.

Vox.de auf der Jagd nach Oxytocin

Dieser Aufruf kam auch von Isabella Thissen, Head of Product bei RTL Interactive. Ansonsten hatten die beiden Vorträge lediglich den intensiven Einsatz von Denglisch und Buzzwörtern gemein, der den Moderator zum Ende des Abends „Bingo“ riefen ließ. Es sei mir der Hinweis erlaubt, dass ich selten an einem Abend so viele Anglizismen gehört habe wie bei HolyUX. Ob „Dot Voting“, „Proto Personas“, „Mobile first“, „Audio first“, „Solution Sketching“, „Kill your darlings“ oder „Storytelling bible”; viel alter Wein in englischen Begriffen. Aber zumindest scheinen die Projektlaufzeiten dank „agilen Design Sprints“ und „Rapid Prototyping“ mittlerweile tatsächlich deutlich schneller zu sein als zu den Zeiten, in denen UX noch Usability Testing hieß. Isabella stellte ein mobiles vertikales Bewegtbild-Projekt vor, mit dem Vox.de zukünftig massenhaft das Kuschelhormon Oxytocin bei seinen Nutzerinnen ausschütten lässt. Die kreative Idee war zusammengefasst die Produktion von authentischen Geschichten über „Heldinnen des Alltags“ - für Nutzerinnen, die sich durch die kontinuierliche Abfolge von Insta-Stories mittlerweile gestresst fühlen. Es gab viele interessante Details zu betrachten. Der Vortrag war sehr unterhaltsam anzuschauen und mit Bonmots wie „Perfekt und agil ist echt schwierig“, „Folgt dem, was der Nutzer sagt“ oder „Der Design-Sprint-Prozess funktioniert auch bei unmotivierten Menschen“ gespickt. Gut gemachtes Fernsehen eben.

Warum Tinder es nicht auf die Ikea-Website geschafft hat

Nach einer kurzen Pause wurde es dann wieder deutlich bodenständiger: Rebecca Röhl, Digital Marketing Manager von Ikea, und Vitalij Malahov, Design Sprint Facilitator bei Skopos Nova, stellten vor, wie die neue responsive Website von Ikea.de entstanden ist. Und warum der Style-Tinder doch besser in Social Media auftaucht - aber nicht auf der Homepage. Wiederum standen Post-its im Mittelpunkt des Entstehungsprozeß und 12 einstündige Usabiliy-Interviews mit der Zielgruppe. Die „Key-Recommendations“ des Projekts waren dann ziemlich „down to earth“: keine Gamification (deshalb auch keinen Style Tinder), klare Navigation, klare Themen-Priorisierung, modularer Aufbau für Personalisierung und: „Weiter testen“.

Nicht nur dieses Schlusswort dürfte die Kollegen von Skopos Nova gefreut haben. Insgesamt eine gelungene Veranstaltung, die nach einer Wiederholung ruft.

hg

Veröffentlicht am: 13.03.2020

 

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