Unternehmen als Umweltschützer: Der lange Weg vom Verursacher zum Verhinderer

Themenspecial

Die Geschichte der Umweltverschmutzung ist ebenso unzweifelhaft mit zahllosen privatwirtschaftlichen Unternehmen verknüpft wie es die Beseitigung der Schäden und die Verhinderung von neuen sind. Dabei haben Unternehmer rund um den Globus binnen nur weniger Jahrzehnte einen bemerkenswert dramatischen Wandel vollzogen – weg von einem Denken, dass alles, was die Umwelt schützt oder sie zumindest weniger belastet den Profiten abträglich wäre; hin zu einem Denken, dass Umweltschutz auch ohne staatlichen Druck oft gleichbedeutend mit besseren Umsätzen ist. Zeit für eine Bilanz von den Anfängen bis heute.

3 Menschen mit Keimlingen in ihren Händen (Bild: ASDF – Adobe Stock) | marktforschung.de
Unternehmen erkennen nach und nach, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Entscheidungskriterium für Kunden beim Produktkauf darstellt. (Bild: ASDF – Adobe Stock)

Der Umweltschutz rückt als Thema bereits seit einigen Jahren zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Denn seine Folgen, Meere voller Plastikmüll oder der Klimawandel, lassen sich nicht mehr leugnen – unter Umständen auch nicht mehr vollständig aufhalten. Trotzdem ist es zu früh, um den Kampf aufzugeben und daher reift in immer mehr Menschen der Wunsch, einen Beitrag zu leisten. Bislang handelte es sich dabei vor allem um die Konsumenten, während die Produzenten fröhlich weiter zu Lasten von Umwelt, Klima & Co wirtschafteten. Doch der Druck durch die Kunden wächst, denn sie sind immer seltener bereit, für umweltschädliche Produkte in den Geldbeutel zu greifen. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Entscheidungskriterium, wenn es um Produkte sowie Dienstleistungen geht. Dadurch gewinnt sie im Marketing stetig an Bedeutung, um Wachstumspotenziale bestmöglich auszunutzen, und die Unternehmen entdecken langsam, aber sicher, dass sich mit einem „grünen“ Label mehr Geld verdienen lässt.

eine Person gießt eine Pflanze in form eines Pfeils (Bild: adam121 – Adobe Stock)  | marktforschung.de
Lables, die auf Nachhaltigkeit setzten, haben ein enormes Wachstumspotenzial und erzielen nicht selten höhere monetäre Einkünfte. (Bild: adam121 – Adobe Stock)

Leider nutzen viele Unternehmen diese Erkenntnis schlichtweg, um Greenwashing zu betreiben, doch auch diesbezüglich wächst das Bewusstsein und damit die Achtsamkeit der Bevölkerung. Wer ertappt wird, muss schlimme Konsequenzen für das eigene Image befürchten, was unter Umständen sogar existenzgefährdend werden kann; vom moralischen Aspekt ganz zu schweigen. Die gute Nachricht an dieser Stelle lautet daher, dass es immer mehr Unternehmen tatsächlich ernst meinen mit ihren Bemühungen für den Umwelt- und Klimaschutz. Sie handeln somit aus Leidenschaft anstatt aus reiner Profitgier. Es findet also ein Umdenken statt, wenn auch langsam, das angestoßen wurde durch Pioniere wie Javier Goyeneche. Mit seinem Label ECOALF steht er in archetypischer und sehr bemerkenswerter Weise dafür, wie stark Unternehmen heute in den Schutz der Umwelt und des Klimas investieren können – und darauf sogar ein komplettes Geschäftsprinzip aufbauen, obwohl der Fokus auf einem eigentlich alltäglichen Produkt wie Kleidung liegt. Doch wie kam es zu dieser neuen Generation von Unternehmen, für die Umweltschutz weit mehr ist als reines Marketing? Um die Antwort auf diese Frage zu finden, lohnt sich ein Rückblick in die Geschichte…

Die Geschichte der Umweltverschmutzung – eine Geschichte der Industrialisierung

Lange Zeit spielte die Umwelt für die Wirtschaft keine Rolle. Sie stellte, wenn überhaupt, eine Ressource dar, die für maximalen Profit ausgebeutet werden durfte. Zu Zeiten, in denen die meisten Menschen noch als einfache Bauern oder Händler mit kleinen und Kleinstunternehmen ihren Lebensunterhalt verdienten, stellte das für die Umwelt noch kaum ein Problem dar. Das sollte sich jedoch ändern, als im 19. Jahrhundert in Deutschland die industrielle Revolution einsetzte. Plötzlich wurden aus kleinen nämlich große Unternehmen und mit ihnen wuchs auch der bislang kleine auf einen großen negativen Effekt an, mit dem sich die wirtschaftliche Tätigkeit auf die Umwelt auswirkte. Ein Stück weit ist die Geschichte der Umweltverschmutzung also auch jene der Industrialisierung – und diese weist mehrere erschreckende Kapitel auf.

Einfluss der Industrialisierung auf die Umwelt am Beispiel von Mitteleuropa

Lange Zeit war es somit eher ein geringes Problem, dass die Menschen nur wenig Rücksicht auf die Umwelt nahmen. Dennoch gab es schon früher ökologische Konsequenzen wie das Aussterben von Tierarten oder das Abholzen von Wäldern, das zu einer Versteppung von ganzen Landstrichen führte. Dennoch handelte es sich bis zur industriellen Revolution eher um Ausnahmefälle als um die Regel. Doch mit der Industrialisierung kamen mehr Menschen, mehr Chemikalien, ein höherer Ressourcenbedarf und viele weitere, neue Anforderungen an die Umwelt – denen sie schlichtweg nicht gewachsen war. Wenig überraschend brachte die industrielle Revolution in Mitteleuropa daher ein massives Umweltproblem mit sich: Die Luftverschmutzung ist dafür das beste Beispiel, denn damals wurden Unmengen an Rauchgas ungefiltert aus den Kupfer-, Eisen- und Metallhütten in die Luft ausgestoßen. Diese Emissionen führten zu einem Baumsterben in der näheren Umgebung, doch dabei sollte es nicht bleiben.

Je größer die Unternehmen wurden, desto gravierender wurde auch die Luftverschmutzung. Im Zuge der industriellen Revolution kamen immer mehr Großunternehmen hinzu, deren Maschinen durch die Verbrennung von Kohle angetrieben wurden, wodurch es zu Emissionen in einem enormen Ausmaß kam. Aus dem Baumsterben wurde ein Waldsterben und die Gewässer sowie Böden zeigten dauerhafte Schäden durch Chemikalien, industrielle Abwässer & Co, die dort ungefiltert landeten. Und zuletzt führte die Industrialisierung zu einem weiteren Problem, nämlich einer rasant steigenden Bevölkerungszahl, die ebenfalls zur Belastung für die Umwelt und das Klima wurde. Ein höheres Verkehrsaufkommen, die Begradigung von Flüssen oder der gestiegene Wasserbedarf sind einige Beispiele für Folgen dieses Bevölkerungswachstums, was wiederum Konsequenzen wie ein Absinken des Grundwasserspiegels nach sich zog. Unterm Strich wird die Industrialisierung heutzutage daher als Startschuss der Umweltverschmutzung angesehen und sie hat den Begriff grundlegend geprägt.

Umwelt und Umweltschutz: Über Begrifflichkeiten sowie Grundgedanken

Die Industrialisierung hat aber noch einen weiteren Begriff geprägt, nämlich jenen des Umweltschutzes. Wo es bislang keine Problematik gab, gab es schließlich auch noch kein Umweltbewusstsein. Auch das änderte sich jedoch im Zuge der Industrialisierung, denn schon früh erkannten die Menschen, dass diese Veränderungen in der Natur nur etwas Schlechtes bedeuten können. Im Jahr 1802 entbrannte daher rund um die Bamberger Glashütte ein erster Streit im Sinne des Umweltschutzes – auch, wenn es diesen als solchen damals noch nicht gab – denn zwei Mediziner fürchteten um die Gesundheit der Bürger. Sie gingen davon aus, dass die Luftverschmutzung zu Atemwegserkrankungen führen könnte; was mittlerweile längst bestätigt ist. Der Widerstand führte damals zu einer Verlegung der Bamberger Glashütte und auch im 19. Jahrhundert gab es immer wieder Proteste gegen die Zerstörung der Natur. Große Effekte blieben jedoch aus, wie ein Blick auf die heutige Situation deutlich macht.

Kraftwerke, aus denen Rauch austritt (Bild: spiritofamerica – Adobe Stock)  | marktforschung.de
Die Industrialisierung war der grundlegende Auslöser der weltweiten Umweltverschmutzung. (Bild: spiritofamerica – Adobe Stock)

Dennoch war diese Phase wichtig, um überhaupt Begriffe wie Umwelt, Umweltverschmutzung und Umweltschutz auf die Agenda zu rufen.  Denn diese sind jünger als viele Menschen denken würden. Erstmalig geprägt wurde das Wort „Umwelt“ im Jahr 1800, allerdings noch in einem anderen Kontext. In Verbindung mit den Naturwissenschaften wurde die Umwelt sogar erst im Jahr 1924 gebracht, als Jakob von Uexküll das „Institut für Umweltforschung“ ins Leben rief. Obwohl es also im Zuge der Industrialisierung bereits Proteste gegen die Umweltverschmutzung gab, hatte noch niemand so recht ein Wort dafür; und genau das machte die Thematik lange Zeit so schwer zu fassen. Vom Umweltschutz war sogar erst gegen Ende der 1960er Jahre zum ersten Mal die Rede, als 1969 in der Bundesregierung eine eigene Abteilung für Umweltschutzthemen wie die Müllbeseitigung oder Wasserwirtschaft gegründet wurde. Seither gewinnt der Umweltschutz stetig an medialer Aufmerksamkeit und sorgt somit für eine immer bessere Bildung der Gesellschaft. Aber wieso hat das eigentlich so lange gedauert?

Schutz der Natur: Ein Faktor, der nur langsam heranreift

Lange Zeit waren es wohl das mangelnde Wissen und die mangelnden Möglichkeiten zum Eingreifen durch das Volk, welche dafür sorgten, dass Umweltschutz keine Rolle spielte. Damals waren die Menschen zudem mit anderen, aus ihrer Sicht gravierenderen, Problemen konfrontiert, schließlich fürchteten sie jeden Tag um ihre Existenz und die Industrialisierung brachte endlich mehr Wohlstand. Somit wurde sie als etwas Positives begriffen – auch, wenn durchaus einige Umweltprobleme auffielen. Doch hier fehlte ebenfalls das Know How, welche Folgen diese Probleme haben können und vor allem: wie diese gelöst werden können. Für einen effizienten Umweltschutz müssen also Umweltverschmutzungen erst einmal wahrgenommen werden. Hier lag lange Zeit das Problem. Als es schließlich so weit war, mussten Lösungen gefunden werden; und diesbezüglich steht die Menschheit zumindest teilweise bis heute vor einem Rätsel.

Die Schwierigkeiten des Umweltbewusstseins als  Problem mangelnder Volksaufklärung

Eine gewisse Bildung im Bereich der Umwelt ist somit wichtig, um Umweltschutz betreiben zu können und diesbezüglich lässt sich seit einigen Jahrzehnten ein erheblicher Fortschritt erkennen. In den Fokus der öffentlichen Diskussion rückte die Umwelt nämlich erstmalig im Jahr 1961, als Willy Brandt für seinen Wahlkampf den Leitspruch „Blauer Himmel über der Ruhr“ wählte. Er machte somit die Luftverschmutzung im Ruhrgebiet zum politischen Problem und dadurch wurde die Umwelt langsam aber stetig zu einem der wichtigsten Themen auf der politischen Agenda. Gegen Mitte der 80er Jahre war Umweltschutz schließlich auf dem ersten Platz angekommen. Seither ist es ein Auf und Ab, doch die Thematik ist aus der Politik mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Leider bedeutet das aber nicht, dass die Umwelt seither politisch und gesellschaftlich Priorität hat. Im Gegenteil: Seit dem Aufkommen des politischen Umweltschutzes wurde über Jahrzehnte hinweg viel geredet, aber wenig bewirkt. Der politische Unwille, oftmals dem Lobbyismus geschuldet, ist dabei ein Hauptproblem. Grund dafür ist zudem, dass sich mit diesen Themen kein Geld verdienen und nur bedingt Wahlkampf betreiben lässt. Zumindest war dies lange Zeit der Fall. Wähler ließen sich also eher mit Steuererleichterungen locken als mit Investitionen in den Umweltschutz – um nur ein Beispiel von vielen zu nennen. Das lag auch daran, dass der Druck vom Volk eben lange Zeit fehlte. Mittlerweile halten jedoch weit über 90 Prozent der Deutschen den Umweltschutz für eine der wichtigsten Aufgaben in der Politik; und auch im Alltag. Das führt zu anderen, und zwar verbesserten Schwerpunktsetzungen.

Immer mehr Menschen sind also bereit, dem Umwelt- und Klimaschutz zuliebe im Alltag auf einige Annehmlichkeiten zu verzichten. Dementsprechend bestimmt die Haltung der politischen Parteien auch zu großen Teilen über ihr Wahlverhalten. Plötzlich wird Umwelt für die Politik attraktiv und damit gewinnt sie auch endlich an Bedeutung. Differenzen gibt es dennoch, sei es zwischen den Parteien, zwischen Politikern und Wählern, zwischen Umweltschützern und Unternehmen…und damit ist die Liste noch lange nicht zu Ende. Vor allem, weil es vielerorts noch an Lösungen für bestehende Umweltprobleme fehlt, wird viel diskutiert, aber bislang nur wenig gehandelt. Und auch in der Gesellschaft klaffen das Umweltbewusstsein und das konkrete Umweltverhalten im Alltag noch allzu oft weit auseinander. Die Menschen wollen also mehr denn je Umweltschutz betreiben, sind aber immer noch nicht zu entsprechenden Einbußen bei ihrer Lebensqualität bereit. 

Die Widerstände wandeln sich – und schwinden

Schilder zum Kohlestopp auf einem Streik (Bild: Animaflora PicsStock – Adobe Stock) | marktforschung.de
Unternehmen kommen zunehmend zu der Einsicht, dass Umweltschutz auch ohne politischen Druck Vorteile bringt. (Bild: Animaflora PicsStock – Adobe Stock)

Genau an dieser Stelle findet sich ein Ansatzpunkt für Unternehmen. Wer es nämlich schafft, maximalen Umweltschutz mit maximaler Lebensqualität zu vereinen, trifft genau den Zahn der Zeit und genießt somit beste Erfolgschancen. So lässt sich nicht nur gutes Geld verdienen, sondern sogar mehr als mit vielen herkömmlichen Geschäftsmodellen, wie eben zum Beispiel das Label ECOALF beweist. Doch dieser Sinneswandel hat nicht nur in der Bevölkerung und Politik, sondern auch bei den Unternehmen lange gedauert:

  • Die allerersten Ausprägungen von unternehmerischem Umweltschutz

Wie bereits erwähnt, kam es schon im Zuge der industriellen Revolution zu ersten Protesten gegen die Umweltverschmutzung. Das führte dazu, dass es auch im 19. Jahrhundert bereits die ersten vereinzelten Umweltschutzbestrebungen gab. Im Vordergrund standen dabei Biologen, die auf die Auswirkungen von sterbenden Wäldern und Tierarten aufmerksam machten. Sie fanden nur wenig Gehör, jedoch kam es vereinzelt zu ersten Erfolgen wie Konzepten zur Wasserreinigung, die von einigen Unternehmen implementiert wurden.

  • Die 1960er als ein alles veränderndes Jahrzehnt

Zu grundlegenden Veränderungen kam es jedoch erst rund 70 Jahre später, als der Umweltschutz – wie vorab geschildert – zunehmend auf die politische Agenda rückte. Somit war es vor allem die Politik, die zunehmend Druck auf die Wirtschaft ausübte, indem sie in die Umweltschutzziele einbezogen wurde. In der Folge kam es vermehrt zur Gründung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten und zu Maßnahmen rund um die Flurbereinigung, den Wasserbau oder auch den Fremdenverkehr. Themen wie die Luftverschmutzung, der Verkehr oder die Umweltgifte hatten hingegen noch keine Priorität. Zu sehr basierte die Gesellschaft damals noch auf dem Grundprinzip „Wohlstand durch Wachstum“.

  • Die 1970er als politische Wegbereiter

Wachstum um jeden Preis – so lautete nämlich das Geschäftsprinzip der mitteleuropäischen Unternehmen bis weit in die 70er Jahre. Dieses Grundprinzip wurde durch die Bevölkerung gestützt, die im Zuge des Wirtschaftswunders steigenden Wohlstand erfuhr. In den frühen 1970ern hielt jedoch ein erstes Umweltbewusstsein Einzug in die Gesellschaft und Politik. Grund dafür waren die steigenden Umweltbelastungen in Verbindung mit einer Besinnung vieler Menschen auf immaterielle Werte. Erstmalig griff die Politik daher aktiv in den Umweltschutz ein und legte beispielsweise Grenzwerte für schädliche Emissionen fest. Somit wurden viele Unternehmen auch erstmalig gezwungen, das Thema der Umwelt in das eigene Wirtschaften einzubeziehen.

  • Die 1980er als Erweckungsjahrzehnt

Die Entwicklung, welche in den 1970er Jahren losgetreten wurde, setzte sich auch im Folgejahrzehnt fort. Es gab in den 80ern daher immer mehr Bürgerinitiativen, die sich für den Umweltschutz einsetzten. Damit wuchs der Druck auf die Politik und die Wirtschaft, wenn es beispielsweise um Themen wie die Atomkraft, die Luft- und Wasserverschmutzung oder eine umweltfreundliche Infrastruktur ging. Neue und aktionsorientierten Umweltgruppen wie Greenpeace zogen immer mehr Aufmerksamkeit auf sich und konnten einen Mobilisierungsschub in der Bevölkerung erwirken. Es wurde ersichtlich, dass Umweltschutz kein kurzzeitiges, sondern ein langfristiges Thema mit steigender Brisanz bleiben würde. Viele Unternehmen nahmen dieses Erkenntnis als Anlass, um vermehrt in der ökologische Forschung zu investieren und es kam zu ersten nennenswerten Fortschritten: Das Montrealer Protokoll im Kampf gegen das Ozonloch, die Altölverordnung oder die Einführung von bleifreiem Benzin sind dafür einige Beispiele.

  • Die 1990er als sich Umweltschutz zu rentieren begann

Mit der Wiedervereinigung kam auch die Überarbeitung bestehender und die Entwicklung neuer Gesetze – nicht nur, aber auch, im Bereich Umweltschutz. Die Kontroversen der vergangenen Jahrzehnte, beispielsweise bezüglich des Waldsterbens, hatten Wirkung gezeigt. Zumindest in der Gesellschaft ließ sich langsam ein Umdenken erkennen, zum Beispiel beim Einkauf von Lebensmitteln, und die Themen hatten eine stark emotionalisierende Wirkung. Dementsprechend wurde es für Unternehmen attraktiv, diese Emotionen für eigene Zwecke zu nutzen, sprich Umweltschutz ins hauseigene Marketingkonzept aufzunehmen. Wie eingangs erwähnt, handelte es sich dabei oftmals noch um „Greenwashing“, aber erstmals wurde deutlich, dass sich mit Umweltschutz durchaus Geld verdienen lässt. So wurde quasi durch falsche Motive der richtige Weg eingeschlagen und immer mehr Unternehmer versuchten, bei potenziellen Kunden mit Umwelt- und Klimaschutz zu punkten.

  • Die 2000er als Jahrzehnt des Durchbruches

Seit der Jahrtausendwende ist dieser Trend nicht abgeflacht, sondern im Gegenteil: Es hat ein Umdenken stattgefunden, weil Unternehmen gemerkt haben, dass Umweltschutz auch ohne politischen Druck gewisse Vorteile bringen kann. Allerdings wurde in den 2000ern auch deutlich, dass sich die Verbraucher nicht hinters Licht führen lassen und „Greenwashing“ somit nicht das langfristige Mittel der Wahl sein kann. Der Kunde wird sozusagen mündig und seine Einkaufsgewohnheiten verändern sich. Somit wird in immer mehr Unternehmen der Umweltschutzgedanke nicht nur propagiert, sondern auch tatsächlich gelebt. Aber wie kam es zu diesem Durchbruch?

Geschäftmann leiht sich ein Fahrrad an der Radstation (Bild: iana_kolesnikova – Adobe Stock) | marktforschung.de
Der Umweltschutzgedanke festigt sich vermehrt in den Köpfen der Unternehmen und deren Lifestyle. (Bild: iana_kolesnikova – Adobe Stock)

Vom Saulus zum Paulus: Die Gründe für den Sinneswandel

Hierfür gibt es mehrere Gründe. Sicherlich spielen die neuen technologischen Möglichkeiten eine nicht unerhebliche Rolle. Heutzutage gibt es also schlichtweg Lösungen für Probleme, wo sie früher fehlten. Zudem genießen Pioniere, die erstmalig ein Umwelt- oder Klimaschutzproblem lösen, beste unternehmerische Perspektiven. Monetäre Gründe spielen für viele Unternehmen somit nach wie vor eine Rolle, aber auch der Druck durch die Verbraucher, der steigende Fachkräftemangel und ein neuer Standard für Investitionen sind nicht unerhebliche Ursachen für den Sinneswandel. So gehört der Umweltschutz mittlerweile bei immerhin 35 Prozent der deutschen Unternehmen zu den Kernprioritäten. Tendenz steigend. 

Fazit

Es ist noch nicht lange her, als es völlig undenkbar war, dass Unternehmer sich ungeachtet des persönlichen Fußabdruckes ihres Betriebes stark für die Umwelt einsetzen – und damals waren ebenfalls erst wenige Jahre vergangen, seitdem sich überhaupt, wenngleich zähneknirschend, die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass die bisherige Vorgehensweise schlicht nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Nicht, weil "ein paar Umweltbewegte" protestierten, sondern weil Unternehmen erkannten, dass sie sich mit den bisherigen Praktiken selbst den Boden unter den Füßen wegzogen und sich die Denkweise sowie Gewohnheiten der Verbraucher grundlegend wandeln. Unzweifelhaft darf deshalb von einem enorm langen Weg innerhalb eines recht kurzen Zeitraumes gesprochen werden, den die Unternehmen absolviert haben. Bemerkenswert ist dies bereits für sich allein, wenngleich klar sein muss, dass unter dem Eindruck des fortschreitenden Klimawandels der Weg längst nicht beendet ist. Es bleibt daher spannend, wohin dieser in den kommenden Jahren führen wird, vor allem angesichts des rasant wachsenden E-Commerce.

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