Umsatzeinbruch bei Ipsos durch die Coronakrise

Aktuelle Zahlen

Auch das französische Marktforschungsunternehmen Ipsos muss für das zweite Quartal 2020 deutliche Einbrüche verzeichnen: die Corona-Pandemie fordert ihren Tribut. Allerdings positioniert es sich deutlich besser als seine Wettbewerber – und profitiert von einer noch jungen Akquisition.

von Jörg Stroisch

Es geht rapide bergab: Das ist das Ergebnis der Zahlen für das erste Halbjahr 2020, welches Ipsos in einer Pressemitteilung vorstellte. Um 13 Prozent ging der Umsatz zurück auf nun 786,0 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 903,4 Millionen Euro). Und auch das organische Wachstum brach um 13,5 Prozent ein, nachdem hier im ersten Quartal ja wenigstens noch ein Nullwachstum verzeichnet werden konnte. Dafür verantwortlich ist - natürlich - die Coronakrise und ihre weltweiten Auswirkungen.

In einem Teilbereich gibt es sogar Zuwächse

Ganz so negativ, wie das Gesamtbild, ist es aber beim Blick auf die Details nicht. Zwar lassen die Bereiche "Consumer" (minus 18,8 Prozent, organisch: minus 19 Prozent) mit nun 335,6 Millionen Euro und "Clients and employees" (minus 19,9 Prozent, organisch: minus 21,0 Prozent) und nun 183,2 Millionen Euro deutlich Federn.

Aber zwei andere Bereich profitieren sogar von der Krise und ihrem gewandelten Informationsbedürfnis. So brach zwar auch "Docters and patients" etwas ein auf nun 125,6 Millionen Euro, allerdings in Anbetracht der Umstände akzeptabel um nur 7 Prozent (organisch: minus 5,5 Prozent). Festgehalten werden muss hier allerdings, dass insbesondere das zweite Quartal schlechter lief, denn noch im ersten Quartal konnte hier das Unternehmen sogar um 1,3 Prozent zulegen.

Und - geradezu eine Ausnahmebotschaft in diesen Zeiten: Der Bereich "Citizen" legte organisch sogar kräftig um 11,5 Prozent zu. Der bilanzierte Umsatz ging aber auch hier deutlich zurück um 12,2 Prozent auf nun 141,6 Millionen Euro.

Große Unternehmen hätten sich verstärkt auf ihre Heimatmärkte fokussiert, begründet Ipsos die generelle Entwicklung. Gleichzeitig aber sei der Bedarf nach Informationen über eigene Bürger und Patienten gestiegen. Die Projekte hierzu wurden manchmal für ein Land oder auch Regionen aufgesetzt und durch öffentliche und private Mittel finanziert.

Investment zahlt sich aus

Ende 2018 hatte sich Ipsos ja auch in denen in der Coronakrise gut oder akzeptabel laufenden Bereichen verstärkt: Neben einem Teil der Konsumentenforschung wechselte da auch der Bereich "Health" und "Public Affairs" von der GfK zu Ipsos, wie auch marktforschung.de berichtete - und damit auch fast 1.000 Mitarbeiter. Während andere Unternehmen also eher für eine Fokussierung ihrer Aktivitäten sorgten, stärkte und erweiterte Ipsos sein Portefolio.

So reflektiere die Variabilität in der Performance auch eine der Stärken des Unternehmens, schreibt Ipsos in der Pressemitteilung. Denn jedes Unternehmen müsse in solchen Zeiten eine hohe Widerstandskraft besitzen. In der Investorenpräsentation wird Ipsos noch deutlicher: Während die Wettbewerber Nielsen und Kantar bereits im ersten Quartal 2020 deutliche Einbrüche von über zwei Prozent beim organischen Wachstum verzeichnen mussten, war es bei Ipsos noch ein Null-Wachstum.

Zur Erinnerung: Im ersten Quartal 2020 konnte Ipsos seinen Umsatz noch leicht um 1,6 Prozent steigern auf nun 428,7 Millionen Euro (organisch war es hingegen ein Nullwachstum), wie das Unternehmen damals in einer Pressemitteilung mitteilte.

Ausblick verhalten optimistisch

Schon im letzten Quartal hatte Ipsos festgestellt, dass alleine im März die Order um 40 Prozent zurückgingen; dieser Trend setzte sich auch im April (- 60 Prozent) und Mai (- 28 Prozent) fort. Unabhängig davon, wie die Regierungen auf Corona reagierten, seien die Konsequenzen weltweit gleich gewesen: Aufträge wurden nicht abgeschlossen. Verhalten optimistisch zeigt sich das Unternehmen dennoch, denn in den letzten Wochen seien die Vertragskündigungen zurückgegangen und es sei ein leichter Anstieg bei den neuen Aufträgen zu verzeichnen gewesen.

So seien die negativen Einflüsse durch die Coronakrise zwar weiterhin vorhanden, hätten aber nicht mehr so viel Einfluss. Denn die Kunden hätten ein Bedürfnis nach neuen Daten, mit denen auch die neuen Entwicklungen eingeordnet werden könnten. So sei eine bessere Entwicklung der eigenen Geschäftszahlen für Ipsos im zweiten Halbjahr 2020 wahrscheinlich. Es bleibe aber unmöglich, die Geschäftsentwicklung konkret zu prognostizieren.

Ipsos publiziert seine Zahlen traditionell erst nach Börsenschluss, die Investorpräsentation folgte einen Tag später am 23. Juli. Insgesamt zeigt sich die Entwicklung des Aktienkurses positiv, gewann im Wochenverlauf um etwa 7,7 Prozent und lag zum Börsenschluss am 23. Juli bei 24,10 Euro. Aber natürlich kann dies nicht den regelrechten Verfall im März mit dem Beginn der Coronakrise in Europa auffangen. Im Vergleich zum Kurs vor sechs Monaten ist der Wert der Aktie heute um fast 24 Prozent geringer; damals lag er noch bei etwa 31 Euro.

Die Präsentation der nächsten Ipsos-Quartalszahlen erfolgt am 22. Oktober 2020.

Veröffentlicht am: 27.07.2020

 

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