Umsatz von WPP profitiert von Währungseffekten

Halbjahreszahlen

von: Jörg Stroisch

Zufrieden sein kann man mit den aktuellen Halbjahreszahlen beim Werbekonzern WPP nicht: Nur dank Währungseffekten konnte der Gesamtumsatz auf nun 7,616 Milliarden britische Pfund zulegen. Aber zumindest bei der Marktforschungstochter Kantar sind nun die Weichen gestellt.

WPP-Chef Mark Read

 

Es sind es vor allem Währungsgewinne, die den Umsatz steigen lassen, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung zu den Halbjahreszahlen schreibt: Um 1,6 Prozent ging es so hoch auf nun 7,616 Milliarden britischen Pfund (Vorjahreshalbjahr: 7,493 Milliarden britische Pfund). Denn wenn diese Währungseffekte herausgerechnet werden, ist es ein Null-Wachstum gewesen - und wenn sogar noch das Like-for-like-Growth - also der Umsatz abzüglich der Zuwächse durch Währungseffekte und Zukäufe - angeschaut wird, ging es sogar um 0,6 Prozent bergab. 

"Wir befinden uns in einem frühen Stadium unseres Drei-Jahres-Umschwung-Plan", schreibt das Unternehmen. Dieses soll WPP dann wieder auf einen Wachstumskurs zurückführen." Ein wichtiger Punkt ist hierbei der Teilverkauf der Marktforschungstochter Kantar, nach dessen Abwicklung den Anteilseignern "signifikante Einkommen" ermöglicht werden sollen.

Wie marktforschung.de berichtete setzte sich der US-amerikanische Investor Bain Capital beim Ringen um Kantar durch. Er erwirbt 60 Prozent des Unternehnens. Für WPP ergibt sich nach eigenem Bekunden der Vorteil, dass man weiterhin als strategischer Partner und Aktionär von der Weiterentwicklung der Firma profitiere. Aber eben nicht mehr die Hauptverantwortung dafür trägt, dass dann - wie angekündigt  - alles schneller werde, mit echten Realtime Insights und dabei besseren Ergebnissen und sogar geringeren Kosten für den Kunden.

Neudeutsch nennt man das auch die Herausforderungen einer digitalen Transformation, der sich alle Unternehmen der Branche derzeit vehement stellen und bei der - angesichts starker Konkurrenz von Tech- und Consulting-Unternehmen - lange nicht ausgemacht ist, dass dies auch wirklich jedem Marktteilnehmer am Ende gut gelingen wird.

Data Investment Management legt leicht zu

Dass WPP immer noch den holperigen Weggang des langjährigen Chefs Martin Sorrel verkraften muss, belastet seit Monaten auch das Geschäft - und das zeigt sich natürlich auch in den einzelnen Unternehmenssegmenten. In seiner ausführlichen Investorenpräsentation beschreibt das Unternehmen diese Entwicklung.

Der Bereich "Data Investment Management", zu dem Kantar gehört, konnte zumindest im Umsatz leicht zulegen, auf nun 949 Millionen Pfund (Vorjahreshalbjahr: 940 Millionen Pfund), also in etwa 1 Prozent. Wobei auch hier der Blick auf den währungsbereinigten Umsatz (0,6 Prozent) und den Like-for-Like-Growth zusätzlich ohne Zuwächse aus Zukäufen (0,4 Prozent) deutlich ernüchternder ausfällt.

Alle anderen Bereiche bekommen derzeit ein Wachstum aus eigener Kraft gar nicht hin: Global Integrated Agencies mit 3,858 Millionen Pfund Umsatz (Vorjahreszeitraum: 3,844, + 0,4 Prozent, währungsbereinigt: -1,4 Prozent, Like-for-Like-Growth: -1,8 Prozent), Public Relations mit 442 Millionen Pfund (Vorjahreszeitraum: 430 Millionen Pfund, +2,8 Prozent, währungsbereinigt: -0,1 Prozent, Like-for-Like-Growth: -1,5 Prozent) und Specialist Agencies mit 900 Millionen Pfund (Vorjahreszeitraum: 935 Millionen Pfund, -3,8 Prozent, währungsbereinigt: -5,5 Prozent, Like-for-Like-Growth: -5,7 Prozent).

Deutliches Schwächeln in allen Regionen

Und natürlich setzt sich dieses Bild auch mit Blick auf die Regionen fort. Nur der Bereich Asia Pacific, Latin America, Africa & Middle East and Central & Eastern Europe  - ein echtes Ländersammelsurium - kann leicht gewinnen auf 1,855 Milliarden Pfund (Vorjahreszeitraum: 1,842 Milliarden Pfund, +0,7 Prozent, währungsbereinigt: +1,6 Prozent, Like-for-Like-Growth: +1.7 Prozent). Alle anderen Regionen schwächeln zum Teil deutlich: Das sehr wichtige Geschäft in Nordamerika setzt so 2,157 Milliarden Pfund um (Vorjahreszeitraum: 2,155 Milliarden Pfund, +0,1 Prozent, währungsbereinigt: -5,7 Prozent, Like-for-Like-Growth: -6,9 Prozent), UK stagniert bei UK 831 Millionen Pfund (Vorjahreszeitraum: 833 Millionen Pfund, -0,2 Prozent, Like-for-Like-Growth: 0,2 Prozent).

Und auch Western Europe, zu dem auch Deutschland gehört, verliert etwas auf nun 1,306 Millionen Pfund (Vorjahreszeitraum: 1,319 Millionen Pfund, -1,0 Prozent, währungsbereinigt: 0,2 Prozent, Like-for-Like-Growth: -0,1 Prozent). WPP weist auch wieder eine Entwicklung - nicht konkrete Zahlen - für den deutschen Markt aus. Demnach verlor hier die Gesamtgruppe im ersten Halbjahr 2019 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Börse reagiert positiv

Angesichts der Tatsache, dass Teile des Kantar-Erlöses gleich an die Aktionäre zurückfließen sollen, freut sich ein Stück weit auch die Börse trotz mittelmäßiger Zahlen. So hob die US-Bank JP-Morgan ihr Kursziel auf 11,25 britische Pfund an.

Nach Bekanntgabe der Zahlen legte die Aktie um satte 7,20 Prozent auf nun 9,81 britische Pfund zu. Angesichts einer rasanten Talfahrt - im Verlauf eines Jahres verlor die Aktie 26,9 Prozent - sind das erfreuliche Entwicklungen. Das Unternehmen ist an der Londoner Börse gelistet. 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Personalie

Alexandra Stein wechselt von GfK zu Ipsos

19.08.2019 - Alexandra Stein ist ab sofort in einer Doppelfunktion als Chief Client Officer Germany und Head of Sales Europe bei Ipsos tätig. Sie leitet zum einen übergreifend die deutsche Client Organisation, zum anderen verantwortet sie als Head of Sales Europe Kundenmandate. weiterlesen

 
Ipsos-Studie

Nachbarschaft spaltet sich

ie Mehrheit der Deutschen (53 Prozent) derzeit in nachbarschaftlichen Beziehungen, die tragfähig genug sind, dass man sich vom Nachbarn Dinge ausleihen kann

19.08.2019 - Die Deutschen halten ihre Mitmenschen für wenig nachbarschaftlich. Besonders die 50- bis 70-Jährigen finden, dass die Deutschen, im Vergleich zu früher, weniger nachbarschaftlich sind. Das ist das Ergebnis einer Ipsos-Umfrage. weiterlesen

 
Bitkom Gaming-Trends 2019

Smartphone unter Zockern beliebter als Konsole

Smartphone Gaming (Bild: Pexels - pixabay)

19.08.2019 - Ob per Konsole mit Dutzenden anderen Spielern oder allein mit dem Smartphone beim Warten auf den Bus. Ein Leben ohne Videospiele ist zumindest für jeden Dritten Gamer unvorstellbar, so die Ergebnisse einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Vorfeld der weltweit... weiterlesen

 
DGOF

Research plus Rhein-Neckar: Networking und Infos bei Craft Beer

19.08.2019 - Die Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung lädt Mitte September bereits zum siebten Mal zur Research Plus Rhein-Neckar in Mannheim ein. Diesmal in Kooperation mit den Digital Media Women, einem Netzwerk, dass die Sichtbarkeit von Frauen auf allen Bühnen erhöhen... weiterlesen

 
Compensation Partner-Studie

So viel verdienen Beschäftigte ab dem 50. Lebensjahr

Wer studiert kann nachher mit einem höheren Gehalt rechnen. (Bild: geralt - pixabay)

16.08.2019 - Fach- und Führungskräfte jenseits der 50 bringen meist viel Berufserfahrung und Expertise mit. Doch zahlen Unternehmen auch entsprechend? In einer aktuellen Auswertung von Gehalt.de wurden die Einkommen von Beschäftigten über 50 Lebensjahren unter die Lupe genommen. weiterlesen

 
Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus