Überschüsse im Gesundheitsfonds: Jeder Zweite würde Senkung der Beiträge begrüßen

Köln - Wie sollte die Bundesregierung auf einen Gesundheitsfonds reagieren, der ein Plus in Milliardenhöhe erwirtschaftet? Die Bürger sind geteilter Meinung: Der etwas größere Teil der Befragten hielte es für angebracht, dass der Krankenkassenbeitragssatz zunächst "wieder gesenkt und im Bedarfsfall wieder erhöht werden" sollte. Nicht viel weniger sprechen sich stattdessen für die Bildung von Rücklagen aus. Dies zeigen die aktuellen Ergebnisse des Schlaglichts "Gesundheitspolitik" der Langzeitstudie "HealthCare Monitor" der YouGovPsychonomics AG. Für die repräsentative Erhebung wurden im Februar 2011 über 1.000 gesetzlich Krankenversicherte zwischen 18 und 65 Jahren online befragt.

Demnach hielte es aktuell jeder Zweite für angebracht, den Beitragssatz von 15,5 Prozent zunächst wieder zu senken und erst im Bedarfsfall wieder zu erhöhen. 44 Prozent meinen dagegen, dass Überschüsse "als Rücklage und der langfristigen Stabilisierung der Beitragssätze dienen" sollten. Interessant: Die Altersgruppen unterscheiden sich bezüglich ihrer Präferenzen. Während die 26 bis 45-Jährigen überdurchschnittlich häufig eine Beitragssenkung begrüßen würden, sprechen sich die 46 bis 65-Jährigen überdurchschnittlich häufig für Rücklagen und die langfristige Stabilisierung der Beitragssätze aus.

Gesundheitspolitik: Opposition höhere Kompetenz bescheinigt

Ebenfalls aussagekräftig ist die Einschätzung der gesundheitspolitischen Kompetenz der Bundesparteien. Es zeigt sich deutlich, dass das Vertrauen in die Kompetenz der Regierungsparteien, speziell in die der FDP, gering ausgeprägt ist. Weit weniger als jeder Zehnte hält die Partei von Gesundheitsminister Philipp Rösler in gesundheitspolitischen Fragen aktuell für kompetent. Die Unionsparteien überzeugen immerhin elf Prozent. Die verhältnismäßig größte Kompetenz wird den Oppositionsparteien Bündnis 90/Die Grünen und SPD zugeschrieben. Beide können etwas über ein Fünftel aller Befragten von ihrer Expertise überzeugen.

"Die Daten belegen, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung mit ihrem gesundheitspolitischen Kurs bislang nicht überzeugen konnte. Nach wir vor steht ein großes Unbehagen über der Zukunft der Gesundheitsversorgung im Raum", kommentiert Markus Schöne, Leiter der Gesundheitsmarktforschung der YouGovPsychonomics AG. "Das Vertrauen in die gesundheitspolitische Kompetenz der Politik fällt insgesamt überschaubar aus. Die Oppositionsparteien werden diesbezüglich zwar etwas besser als die Regierungsparteien beurteilt, aber allenfalls mäßig. Die Bürgerinnen und Bürger wissen genau um die hohe Qualität ihrer allgemeinen Gesundheitsversorgung – dies zeigt der interationale Vergleich – und misstrauen politischen Überlegungen, die sinkende Versorgungsstandards nach sich ziehen könnten. Nach Schweden und der Schweiz halten die Deutschen ihr eigenes Gesundheitssystem derzeit für das drittbeste. Als ‘Schreckgespenst’ dienen Großbritannien und vor allem die USA. Die Gesundheitssysteme beider Länder werden deutlich schlechter bewertet."

Quelle: YouGovPsychonomics

Veröffentlicht am: 23.03.2011

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Bericht vom BVM-Kongress 2022

Was Marktforschung mit der Macht von Fake-News und dem Terror des Authentischen zu tun hat

27.06.2022 - Am 20. und 21. Juni fand in Frankfurt der „Kongress der Deutschen Marktforschung 2022“ des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher (BVM) statt. Marktforschung.de war vor Ort dabei und fasst ausgewählte Highlights zusammen. weiterlesen

 
Bericht von der IIEX Europe 2022

Amsterdam war eine Reise wert - Was gibt es Neues in der Marktforschung?

Melina Palmer (The Brainy Business), Josipa Majic (tacit.tech) und Hannah Kirk (Blue Yonder Research).

24.06.2022 - Zwei Tage IIEX Europe liegen hinter der europäischen Marktforschungsbranche. Zwei Tage, die sich wie vor der Pandemie anfühlten. Was gab es Neues aus der Marktforschungsbranche in Amsterdam zu entdecken? Bilderstrecke und Nachbericht zu der zweitägigen Konferenz in… weiterlesen

 
News aus der Branche

Übernahme beim bio verlag, sd vybrant mit Zuwachs und ein neues Positionspapier zum Forschungsdatengesetz

News

22.06.2022 - Es gibt wieder Neuigkeiten aus der Marktforschungsbranche! Während der bio verlag eine App für Marktforschung übernimmt, freut sich sd vybrant über personelle Verstärkung. Zudem hat sich der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten nun öffentlich zum Forschungsdatengesetz… weiterlesen

 
Preisträger beim BVM-Kongress

Tawny gewinnt den Preis der Deutschen Marktforschung 2022

21.06.2022 - Beim BVM-Kongress in Frankfurt am Main wurden verschiedene Preise verliehen. TAWNY gewann den Innovationspreis. Als Nachwuchsforscherinnen wurden Saskia Fath und Dr. Anouk S. Bergner geehrt. weiterlesen

 
Branchenumfrage zu den Auswirkungen der Inflation in den Instituten

Wie geht es Marktforschungsinstituten mit der Inflation?

Dinge die aktuell teurer geworden sind

21.06.2022 - Alles wird gerade teurer: Essen, Tanken, Reisen, Energie. Und wie sieht es bei Feldkosten und Marktforschungsprojekten aus? marktforschung.de hat sich bei einigen Anbietern umgehört. Fazit: Auch an den Marktforschungsinstituten geht die Inflation nicht spurlos vorbei:… weiterlesen

 

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter xing linkedin