Über die Zukunft des Bezahlens

Zukunftsinstitut

Das Zukunftsinstitut hat sich in seiner neuesten Trendstudie mit dem Thema Geld beschäftigt. Im Mittelpunkt stand die Auseinandersetzung mit der Frage, wie das menschliche Geld-Gehirn tickt und wie es auf neue Währungstechnologien reagiert.

Trendstudie des Zukunftsstudie über die Zukunft des Bezahlens entwickelt fünf Zukunftsszenarien. (Bild: JFL-Photography - fotolia.com)

Trendstudie des Zukunftsstudie über die Zukunft des Bezahlens entwickelt fünf Zukunftsszenarien. (Bild: JFL-Photography - fotolia.com)


In fünf Szenarien beschreiben die Studienautoren die Zukunft des Bezahlens. Demnach wird das Geld durch die Geld-Cloud zwar virtuell, trotzdem werden digitale und analoge Währungssysteme nicht miteinander verschmelzen. Und Banken wird es der Studie zufolge auch in Zukunft geben – nur anders als heutzutage. Den Zeithorizont der skizzierten Entwicklungen beziffern die Autoren mit 15 bis 20 Jahren.

Szenario 1: Kryptowährungen werden zur komplementären Parallelwelt

Die Logik, die hinter traditionellen Währungssystemen steht, ist mit dem digitalen System nicht kompatibel. Die Sicherheitsmechanismen der analogen Währungswelt greifen in den digital-vernetzten Systemen nicht. Eine Verschmelzung des bestehenden Finanzsystems mit Kryptowährungen und Blockchain ist vorerst nicht absehbar. Es wird in Zukunft daher komplementäre Parallelwelten geben.

Szenario 2: Das Cloud-Prinzip wird in den Währungsbereich übergreifen.

Die Geld-Cloud oder digitale Briefbörse entspricht dem Trend zunehmender Fintech-Apps und Peer-to-Peer-Payment Anbieter. Auf EU-Ebene wurde bereits mit der neuen Zahlungsrichtlinie PSD2 beschlossen, dass ab 2018 auch andere Unternehmen Bankdienstleistungen anbieten können. Der Weg zur Geld-Cloud ist damit geebnet.

Szenario 3: Biometrische Verifizierungen beim Bezahlen werden gesellschaftsfähiger

Trotz der grundsätzlich positiven Stimmung in Europa hinsichtlich des Einsatzes biometrischer Identifizierung beim Bezahlen besteht aus Sicht der Studienautoren Diskussionspotenzial hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit und Anonymität. Sobald per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung bezahlt wird, können Personen direkt mit dem Kauf in Verbindung gebracht werden. Nichtsdestotrotz kommen biometrische Bezahlverfahren bereits heute zum Einsatz. Die Bedeutung dieses Verifizierungsverfahrens wird in Zukunft steigen und unter anderem neue Zugangsformen zur Geld-Cloud ermöglichen.

Szenario 4: Bargeld wird schleichend abgelöst, aber nicht vollständig ersetzt

Der Stellenwert, den Menschen dem Vermögen einer Person zusprechen, ist nachweislich gesunken. Die Frage ist daher: Hat Bargeld in dieser Understatement-Kultur und in Zeiten der Sharing Economy überhaupt noch einen Platz? Die Antwort ist: ja, aber. Das Symbolhafte und die Haptik des Bargeldes, der Wunsch nach Anonymität beim Zahlvorgang und zumindest das Bedürfnis nach einem Plan B als Zahlungsmethode verzögert den Kulturwandel. Aber es besteht kein Zweifel: Bezahlt wird künftig größtenteils digital, doch Bargeld wird als eiserne Reserve aufbewahrt, sind sich die Autoren der Studie sicher.

Szenario 5: Banken werden zu Beziehungsmanagern

Digitales Banking wird den Mehrwert eines persönlichen Kundengesprächs nicht wettmachen können. Reale soziale Interaktion stiftet Identität und schafft ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens. Wenn es um die Bewertung des eigenen Vermögens geht, wird die digitale Ebene als zu transparent empfunden. Die Bank der Zukunft wird daher zu einem sozialen Raum, in dem Qualitäten wie Vertrauen und menschliche Beziehung spürbar werden – schlichtweg, weil menschlicher Kontakt besteht. Die Geld-Cloud bekommt durch die Bank ein Gesicht, heißt es in der Studie.

dr

Veröffentlicht am: 08.03.2017

 

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