TNS Infratest Studie: Junge Familien haben deutlich geringeren finanziellen Absicherungsbedarf als empfohlen

München – Für Finanzdienstleister und Versicherungen sind sie eine interessante Zielgruppe – junge Familien mit Kindern unter sechs Jahren. Nach der Geburt entstehen schließlich neue Bedarfe, die das junge Leben absichern helfen und die mit Policen für viele Fälle vorsorgen können. Wie die jungen Familien ihre eigene Absicherung und den Bedarf einschätzen, danach hat sie die Finanzmarktforschung von TNS Infratest in einer repräsentativen Umfrage gefragt. Für 61 Prozent ist demnach die Privathaftpflichtversicherung die wichtigste Vorsorgemöglichkeit. Die Hausratversicherung sowie die Unfallversicherung folgen mit jeweils 37 Prozent mit deutlichem Abstand. Private Lebens- bzw. Rentenversicherungen (25 Prozent) oder Risikolebensversicherungen rangieren noch weiter hinten. Auch Rechtsschutzversicherungen und Krankenzusatzversicherungen sind Familien weniger wichtig. Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Versicherungsschutz junger Familien“, die von der TNS Infratest Finanzmarktforschung unter 207 jungen Familien zwischen dem 27. Februar und 29. März 2009 erhoben wurden.

Danach denkt nur ein kleiner Teil der jungen Familien an speziell auf den Nachwuchs zugeschnittene Versicherungen. Obwohl beispielsweise gemäß der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder e. V.“ in Deutschland jedes Jahr rund 1,7 Millionen Kinder verunglücken, hält nur ein Viertel der jungen Familien eine eigenständige Unfallversicherung für Kinder für äußerst bzw. sehr wichtig. Eine Invaliditätsversicherung für Kinder wird nur selten von jungen Eltern als wichtig eingestuft.

Weiter gibt die Studie darüber Auskunft, dass nur jeder zweiten jungen Familie nach der Geburt ihres Kindes eine Beratung von einem Versicherungsunternehmen angeboten wurde. Drei Viertel von ihnen haben das Angebot in Anspruch genommen und immerhin zwei von fünf Beratungsgesprächen mündeten im Abschluss einer Versicherungspolice.

Der Finanzmarktexperte Manfred Kreileder von TNS Infratest zur Tatsache, dass ein Fünftel der Eltern nach der Geburt eines Kindes eine Versicherung oder Geldanlage abschließen oder erweitern: „Hierbei bestehen allerdings Unterschiede zwischen Familien, die ausschließlich Kinder im Alter unter sechs Jahren haben und Familien mit (auch) älteren Kindern. So haben Familien mit älteren Kindern ihren Absicherungsbedarf oft schon früher bei der Geburt des ersten Kindes gedeckt“.

Nach den vorliegenden Studienergebnissen ist das Finanzverhalten von Familien stark von der jeweiligen finanziellen Situation abhängig. Längst nicht alle Vorsorgemöglichkeiten können auch realisiert werden. So haben junge Familien mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 3.000 Euro wesentlich höhere Abschlussraten als Familien mit einem niedrigeren Einkommen. „Junge Familien sehen jedoch oftmals noch nicht den neu entstandenen Absicherungsbedarf, den der Nachwuchs mit sich bringt. Unsere Studienergebnisse zeigen jedoch, dass bei jungen Eltern erheblicher Informationsbedarf besteht, den Finanz- und Versicherungsdienstleister noch stärker aufnehmen sollten. Im Beratungsgespräch können die Familien dann sondieren, welche Absicherungen für sie wirklich sinnvoll sind und an welchen Stellen sie sparen können. Die hohe Abschlussquote im Anschluss an ein Beratungsgespräch belegt, dass die Beratungsgespräche bei jungen Familien dazu beitragen, ihren Bedarf hinsichtlich der Absicherung und Vorsorge zu klären“, so Kreileder.

Gemäß dem Familienreport der Konrad Adenauer Stiftung aus 2006 liegt das Bruttoeinkommen von Paaren mit Kindern um 1.300 Euro niedriger als bei gleichaltrigen Paaren (zwischen 35 und 45 Jahren) ohne Kinder. Auch auf Ebene des Nettoeinkommens können Familien mit Kindern durchschnittlich über 300 Euro monatlich weniger verfügen als kinderlose Paare, obwohl Familien für mehr Personen sorgen müssen. Die Berechnungen beruhen auf der alle fünf Jahre durchgeführten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden von 2003. Das niedrigere Einkommen von Familien wird größtenteils durch die Aufgabe bzw. Einschränkung der Erwerbstätigkeit der Mutter mit Geburt der Kinder verursacht.


Hintergrundinformationen

Die Ergebnisse wurden im Rahmen eines Sonderteils einer repräsentativen Mehrbezieherstudie der TNS Infratest Finanzforschung erhoben. An dieser Studie beteiligen sich insgesamt 32 Finanzdienstleister in Deutschland. Dazu werden jährlich 26.400 persönliche computergestützte Interviews mit Deutschen ab 14 Jahren geführt. Die Befragung verteilt sich auf jährlich 12 Wellen mit je 2.200 Befragten. Für diese Untersuchung zum Thema „Versicherungsschutz junger Familien“ wurde im Zeitraum zwischen dem 27. Februar und 29. März 2009 insgesamt 2.244 Personen ab 14 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland befragt. Die Zielgruppe junge Familien sind Haushalte mit Kindern unter sechs Jahren und sind mit einer Stichprobengröße n= 207 befragt worden.

Quelle: TNS Inftatest

Veröffentlicht am: 17.08.2009

 

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