Tannen, Fake und Zukunftsfreude

Medienspiegel

In unserem letzten Medienspiegel des Jahres 2018 blicken wir auf den Kunstmarkt, die Erwartungen der Mediabranche, die Vorfreude der Bürger auf 2019, den Mangel an Digitalfachkräften, Mogel bei Influencern und Weihnachtsbaumpreise. Gute Unterhaltung!

Mitrija - fotolia.com

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von Tim Farin

Wer an Künstler denkt, denkt sicher nicht sofort an strategische Marktannäherung. Eher schon fallen einem Genie, Anarchie und Inspiration aus tiefster Quelle ein. Doch wie funktioniert das Berufsleben eines Künstlers, der ja in seiner Arbeit doch unmittelbar am Markt hängt? Stefan Koldehoff führt im Deutschlandfunk ein Gespräch mit dem Künstler Ralf Peters, der sagt: "Wenn ich überleben will, muss ich in irgendeiner Weise auf dieser ökonomischen Ebene auch Kompromisse eingehen, oder das, was ich mache, in irgendeiner Weise auch in den Markt hineinbringen." Ein spannendes Interview über einen Teil der Gesellschaft, in dem sich viele ungern offen dem Kommerz hingeben.

Blick ins Jahr 2019

Die Lage ist nicht gut. Die deutschen Mediaagenturen, so berichtet W&V, gehen von einem Minus beim Geschäft mit den klassischen Werbeträgern im kommenden Jahr aus. Das ist eine Erkenntnis aus der Preview 2019 der Organisation für Mediaagenturen, OMG. Zugpferd werden Online-Kanäle sein, und da springt vor allem einer hervor: "Besonders hohe Wachstumsraten erwarten die Mediaagenturen von Amazon."
Weiterhin überaus groß ist die Wirkung von Google und Facebook auf den Markt.

Von der Vorfreude

Man kann auch gezielt nach den optimistischen Annahmen schauen. So tut es das Centrum für Marktforschung der Universität Passau mit seiner Vorfreudestudie, über die das regionale Portal idowa.de berichtet. Allerdings scheint das Herbeisehnen der Zukunft durchaus eine Frage des verfügbaren Geldes zu sein, wie die Studie nahelegt: "Abhängig ist die Vorfreude unter anderem vom Geld – mit zunehmendem Haushaltseinkommen steigt die Vorfreude auf die kommenden zwölf Monate, auch die Perspektive auf Arbeit und Job ist positiver. Negativ zur Vorfreude tragen hauptsächlich der wahrgenommene politische Extremismus und die Terrorismusgefahr bei." 

Digitale Jobs und keine Kräfte

"Bedrohliche Ausmaße", so urteilt das Handelsblatt, nimmt der Fachkräftemangel in der Digitalwirtschaft an. Indikator dafür ist gemäß einer Geschichte von Holger Schmidt die Tatsache, dass im dritten Quartal 33 Prozent mehr offene Stellen für Digitalprofis aufzufinden waren als ein Jahr zuvor. Große Nachfrage herrscht nach Spezialisten für Künstliche Intelligenz. Am häufigsten suchten Unternehmen Mitarbeiter für das Onlinemarketing.

Fake-Werbung bei Influencern

Immer weiter schreiben Branchenmedien allerlei zur noch wachsenden Relevanz von Influencern. Einen besonderen Blick auf deren mitunter fragwürdige Geschäftsmodelle wirft Taylor Lorenz im US-Onlinemagazin Atlantic. Ihrer Recherche zufolge bringen die Instagram-Größen und Sternchen häufig Beiträge, die aussehen wie Werbung – die aber keine gesponserten Posts sind. Um gute Deals zu bekommen, schreibt Lorenz, wählen die Influencer eine bekannte Strategie: "Fake it until you make it." Sieht ein Account so aus, als sei er richtig beliebt bei Werbern, würden bald auch die dicken Fische anbeißen – so lautet die Hoffnung.

Irrational am Tannenbaum

Wenn Emotionen, Hoffnung auf schöne Stunden und dann auch noch Zeitdruck zusammenkommen, könnte der Homo Oeconomicus leicht zu überfordern sein. Kein Wunder, dass das Geschäft mit Weihnachtsbäumen oft undurchschaubar bleibt. Ein Bericht im ORF aus der Steiermark lenkt den Blick aber darauf, dass wir vielleicht mitunter zu tief in die Tasche greifen, wenn wir den Baum fürs Wohnzimmer erstehen. Um 244 Prozent unterscheiden sich die Preise für dieses Naturprodukt der Stunde in dem österreichischen Bundesland – wenn man in Deutschland mal die Angebote nebeneinanderlegen würde, käme man schnell zu ähnlichen Erkenntnissen. Ist es also Zeit für mehr Rationalität im Markt? Oder sollte man es einfach mal gut sein lassen?

Darüber könnte man mal nachdenken. Vielleicht bieten die Weihnachtstage und die Tage bis zum Neujahrsfest ja Gelegenheit, das in Ruhe zu tun. Frohe Weihnachten und guten Rutsch!

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