Studie: Hohe Erwartungen an Agilität werden selten erfüllt

Future Organization Report 2019

Machen agile Strukturen Unternehmen erfolgreicher? Der Future Organization Report 2019 des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen und der Management- und Technologieberatung Campana & Schott bestätigt dies im Rahmen einer Studie.

Für die agile Transformation gibt es laut den Autoren der Studie klare Erfolgsfaktoren: ein unternehmensweites Bewusstsein für die Veränderung, empowerndes Verhalten der Führungskräfte und organisationales Engagement der Mitarbeitenden. 

Unternehmensweites Bewusstsein ist Erfolgsfaktor

Während viele Unternehmen im deutschsprachigen Raum bereits mit agilen Methoden wie Scrum und Kanban arbeiten, ist Agilität noch nicht in den Köpfen der Mitarbeitenden verankert. Es fehlt ein unternehmensweites Bewusstsein dafür. Laut der Studie werden agile Strukturen und Ansätze vorwiegend in einzelnen Abteilungen eingeführt. Eine langfristige Roadmap fehlt oder ist nur in Ansätzen vorhanden. Die hohen Erwartungen an Agilität können so oft nicht realisiert werden.

Laut Top-Entscheiderinnen und -Entscheidern steigert eine offene Darstellung, wer warum woran arbeitet, die Motivation der Mitarbeitenden und ermöglicht eine bessere Priorisierung der Aufgaben. Dies erhöht die Geschwindigkeit und Effizienz bei Entscheidungsfindung und Umsetzung. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein Teil der Befragten in der erhöhten Transparenz die Gefahr einer unerwünschten Kontrolle sieht.

Empowerndes Verhalten der Führungskräfte 

Die Studie ergab, dass Führungskräfte eine besondere Vorbildfunktion im Rahmen der agilen Transformation zukommt. Tatsächlich geben Führungskräfte in vielen agilen Unternehmen bereits Verantwortung ab und schaffen Freiräume. Sie fokussieren auf ganzheitliche Zusammenarbeit, Kommunikation und Entscheidungsfindung auf Augenhöhe unabhängig von der Position im Unternehmen.

Ein Drittel der Befragten (33,5 Prozent) sagt, dass ihre Führungskraft sie zur Bewältigung ihrer agilen Tätigkeiten befähigt.Von den Teilnehmenden werden knapp zwei Drittel zur Eigeninitiative motiviert (65,7 Prozent), erhalten Befugnisse (64,6 Prozent) sowie einen positiven Ausblick in die Zukunft (60,9 Prozent) und können ihre Arbeit selbstbestimmt gestalten (60,2 Prozent). 

Organisationales Engagement der Mitarbeitenden

Den Mitarbeitenden ist klar, dass für agile Arbeitsweisen neue Fähigkeiten nötig sind. So fühlen sich 81,2 Prozent der Befragten für ihre aktuellen Aufgaben gerüstet. Gleichzeitig sehen jedoch 75,4 Prozent den weiteren Aufbau neuer Fähigkeiten als essenziell an. Auch Teamarbeit ist für die Agilität wichtig. Ein Drittel der Befragten ist davon überzeugt, dadurch erfolgreicher zu sein (30,5 Prozent). Diese betonen vor allem die nötige Abstimmung (48,5 Prozent) sowie Diskussion in der Gruppe (30,4 Prozent). Zudem greifen sie gerne auf die Hilfe anderer zurück (32,8 Prozent).

Zur Studie: Der Future Organization Report 2019 des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen und der Unternehmensberatung Campana & Schott zeigt den Stand von Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in Bezug auf den Grad ihrer Agilität. Zudem deckt er die Erfolgsfaktoren und Hürden für die agile Transformation auf. Dazu wurden 517 Führungskräfte und Mitarbeitende aus Unternehmen befragt, die bereits agil arbeiten. Zudem fließen die Erkenntnisse aus Interviews mit 22 Top-Entscheiderinnen und -Entscheidern ein.

Veröffentlicht am: 20.11.2019

 

Kommentare (1)

  1. Aimée-Désirée Bauer am 20.11.2019
    Interessanter, spannender Artikel. Als quantilope begleiten wir zahlreiche Unternehmen verschiedener Größe auf ihrem Weg zu agilen Organisationen. Die 7 größten Learnings haben wir gerade aktuell aufbereitet und in einem Paper zusammengefasst. Wir beobachten, dass Wissen und Verstehen in den Teams sowie das Empowerment entscheidende Erfolgsfaktoren sind, damit agile Transformation gelingen kann. Wir nennen das "Don’t blame the people, improve the system". Wenn wir glauben, dass ein Team nicht in der Lage ist, motiviert, die neue, agile Strategie zu verfolgen, unterstützt es, zunächst die vorhandenen Arbeitsprozesse und Regeln zu hinterfragen. Das Modell „Wissen – Verstehen – Können – Dürfen“ hilft dabei, an den richtigen Stellschrauben anzusetzen.

    Wissen: Weiß jeder im Team um die Ziele?
    Verstehen: Verstehen die Mitarbeiter die Notwendigkeit?
    Können: Sind die notwendigen Fertigkeiten vorhanden?
    Dürfen: Erlauben die Regeln und Prozesse die Anwendung neuer Techniken?

    Befragt man Unternehmen, die sich bereits in der agilen Transformation befinden, wird diese Reise als herausfordernd, gleichzeitig sehr wertstiftend und chancenreich bezeichnet. Agilität ist eine der großen Antworten auf den drastischen Wandel.

    Interessenten für das Paper '7 Learnings from Agile Transformations' finden es kostenfrei zum Herunterladen auf unserer Website.

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