Steigende Infektionsraten dämpfen Verbraucherausgaben und -stimmung

GfK-Studie Euro Climate

Das europäische Verbraucherverhalten wird durch die Corona-Pandemie stark beeinflusst. Wie sich die Verbraucherausgaben und -stimmung in den fünf größten EU Ländern durch die Krise verändert hat, zeigen die Ergebnisse der aktuellen GfK-Studie Euro Climate vom September 2020.

Frau mit Maske und Einkaufstasche
Steigende Infektionszahlen dämpfen die Verbraucherstimmung und -ausgaben in Europa.
(Bild: Anna Shvets, pexels)

Die Corona-Pandemie und der damit einhergegangenen Einschränkungen führte zu einem starken Rückgang der Verbraucherausgaben und Europa in eine tiefe Rezession.  Obwohl sich die Stimmung in Europa nach etwaigen Lockerungen der Einschränkungen bis zum Frühjahr etwas erholen konnte, stagniert diese nun durch den erneuten Anstieg der Infektionszahlen. Ob die europäische Wirtschaft bald wieder aufatmen kann, hängt von der Ausbreitung und Eindämmung der Infektionen in den kommenden Herbst- und Wintermonaten ab. Doch wie genau sieht die Situation zur Kauflust und Verbraucherausgaben in den einzelnen europäischen Ländern aus? Nachfolgend eine kurze Übersicht:

GfK Konsumklima EU 5 - Anschaffungsneigung

Deutschland – Rasch erholt mit anschließendem Stillstand

Nach April 2020, in dem ein starker Einbruch der Kauflust der Verbraucher in Deutschland verzeichnet werden konnte, hat sich diese wieder deutlich erholt. Nichtsdestotrotz konnte das Vorkrisenniveau nicht wieder erreicht werden. Im September lag der Indikator bei 38,4 Punkten, fünf Punkte niedriger als im August. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Rückgang derzeit knapp 17 Punkte. Dennoch bleibt Deutschland unter den fünf größten EU-Ländern klarer Spitzenreiter.

Ein Einbruch des Arbeitsmarktes wurde in Deutschland durch umfangreiche staatliche Konjunkturpakete wie beispielsweise die Senkung der Mehrwertsteuert oder des Kinderbonus, sowie die intensive Nutzung der ausgeweiteten Kurzarbeit-Regelung verhindert. Bedingt durch die Wiedereröffnung zahlreicher Geschäfte nahmen auch die Verbraucherausgaben mit den Lockerungen wieder zu. 

Italien -  Kaum eine Abweichung zum Vorjahr 

Anders als in Deutschland verzeichnet Italien eine verbesserte Ausgabebereitschaft der Verbraucher im September. Hier stieg der Indikator um beinahe fünf Punkte auf 3,1 an, womit dieser im Vergleich zum Vorjahr nur leicht um drei Punkte gesunken ist. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Anschaffungsneigung in Italien nach jahrzehntelanger wirtschaftlicher Stagnation von einem bereits niedrigen Niveau in eine schwere Krise gerutscht ist. Die Schwere des Einbruchs kann jedoch nicht vollumfänglich nachvollzogen werden, da eine Erhebung der Verbraucherstimmung in Italien im April nicht möglich war. Dass sich der Indikator im Sommer erholt und das Vorkrisenniveau fast wieder erreicht hat, ist jedoch unbestritten.

Frankreich – Große Angst vor Arbeitslosigkeit

Obwohl der Indikator in Frankreich zurzeit stagniert, erholte sich die Anschaffungsneigung der französischen Bevölkerung im Frühjahr nach dem Corona-Schock im April wieder schnell. Im September nahm der Indikator um nur 1,2 Punkte zu und schloss damit bei -13,2 Punkten ab. Im Vorjahresvergleich sank der Indikator damit um 20 Punkte. 

Bedingt durch die spürbar steigende Arbeitslosigkeit im Lande, wächst auch die Angst der französischen Bevölkerung vor einem Arbeitsplatzverlust. Im Zeitraum von Juni bis August stieg die Anzahl an Arbeitslosen von 1,9 auf 2,2 Millionen. Folglich stagniert nicht nur die Konsumneigung in Frankreich, auch die Verbraucherstimmung verschlechterte sich. Ein baldiges Aufatmen ist durch den jüngst vermeldeten Anstieg der Neuinfektionszahlen zurzeit noch nicht in Sicht.

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Spanien -  Steigende Kaufbereitschaft auf weiterhin niedrigem Niveau

Spanien verzeichnet im September mit sechs Punkten im Vergleich zum Vormonat einen klaren Anstieg der Anschaffungsneigung. Mit derzeitigen -24,8 Punkten sind das im Vergleich zum Vorjahr 17 Punkte weniger.  

Bedingt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise kämpfte das Land schon vor der Pandemie mit einer sehr hohen Arbeitslosenquote und verzeichnete die geringste Konsumneigung der fünf größten EU-Länder. Die Arbeitslosenquote in Spanien lag laut Eurostat im August bei 16,2 Prozent (in Deutschland bei 4,4 Prozent, in Frankreich bei 7,5 Prozent, in Italien bei 9,7 Prozent und in UK (Juni 2020) bei 3,9 Prozent). Aufgrund des ohnehin niedrigen Niveaus der Verbraucherausgaben fiel der Einbruch durch COVID-19 im April vergleichsweise moderat aus. Gleiches gilt jedoch auch für die anschließende Erholung, die ebenfalls verhaltener ausfiel als in den anderen Ländern. Eine anhaltend hohe und stetig weiter steigende Arbeitslosenquote, sowie die derzeitig sehr hohe Infektionsrate, die seitens Deutschlands zur Einstufung als Risikogebiet führte, wirken sich weiterhin negativ auf die spanische Wirtschaft aus.

UK – Gleiche mehrere Baustellen belasten Verbraucherstimmung

Die schwächste Konsumneigung zeigt das Vereinigte Königreich. Nach einem leichten Anstieg um 1,5 Punkte im September liegt der Indikator derzeit bei -36,3 Punkten. Auch im Vorjahr schnitt UK mit -36 Punkten am schlechtesten ab.

Auch das Wirtschaftsleben des UK wurde durch strenge Ausgangsbeschränken stark beeinträchtigt. Die Konsumneigung im April und Mai brach deutlich ein, wohingegen eine anschließende Erholung nur bescheiden ausfiel, unter anderem durch die wieder ansteigenden Infektionszahlen. Neben der Pandemie wirkte sich auch die Unsicherheit durch den Brexit negativ auf die Verbraucherstimmung aus. Eine Einigung der Parteien über ein Handelsabkommen blieb bisher erfolglos und könnte bei einer Nichteinigung zu spürbaren wirtschaftlichen Beeinträchtigungen zwischen EU und UK führen. 

sh

Methodik

Erhebungsmethode Online und telefonische Befragung
Stichprobengröße 2.000 Verbraucherinterviews pro Land und Monat (In Frankreich 3.300 Interviews)
Befragungszeitraum 1. bis 20. September 2020
Länder Frankreich, Italien, Spanien, UK und Deutschland
Veröffentlicht am: 16.10.2020

 

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