Stammzellenspende – warum mögliche Spender noch zögern

ipsos-Studie

Etwa 13.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Blutkrebs. Für sie ist eine Stammzellspende oft die letzte Chance auf Heilung, viele potentielle Spender zögern allerdings noch. Auf die Suche nach möglichen Gründen haben sich dazu die Auszubildenden zum Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos begeben.

Blutprobe (Bild: PublicDomainPictures - Pixabay)
Warum entscheiden sich Menschen gegen eine Stammzellenspende? (Bild: PublicDomainPictures - Pixabay)

Laut der Studie sind 22 Prozent der Deutschen im spendefähigen Alter bereits in einem der Spendenregister eingetragen. Weitere 40 Prozent sind nach eigenen Angaben grundsätzlich bereit, sich registrieren zu lassen [Anm. Red.: Spender kann laut der deutschen Stammzellendatei "prinzipiell jede gesunde und mindestens 50 kg schwere Person im Alter von 18 bis 60 Jahren" werden.]. Zehn Prozent sind schon heute fest entschlossen, sich registrieren zu lassen, 30 Prozent sind dazu „vielleicht bereit“. Unter den 18- bis 34-Jährigen ist  jede vierte Person (25 Prozent) bereits registriert und 17 Prozent entschlossen, sich registrieren zu lassen. Weitere 28 Prozent sind zur Stammzellspende vielleicht bereit. 

Welche Bedenken und Sorgen gibt es?

Von den Personen, die laut Ergebnissen der Studie als potentielle Stammzellenspender angesehen werden, äußern 78 Prozent jedoch noch Bedenken bezüglich einer möglichen Spende – im Vordergrund stehen vor allem medizinische Aspekte:

  • 30 Prozent haben Angst vor dem Eingriff bzw. der Operation.
  • 24 Prozent haben das Gefühl, nicht ausreichend informiert zu sein.
  • 21 Prozent nennen Angst vor Schmerzen.
  • 20 Prozent haben Angst vor möglichen Spätfolgen. 
  • 20 Prozent geben Bedenken vor Krankenhauskeimen an.
  • 16 Prozent haben die Befürchtung, dass das eigene Immunsystem nicht stark genug sein könnte.
  • 14 Prozent lehnen es ab dem Körper Hormone zu zuführen, um die Stammzellproduktion anzukurbeln.

Wie gut und über welches Medium wird informiert?

33 Prozent fühlen sich wenig bis gar nicht über das Thema Stammzellspende informiert, 24 Prozent fühlen sich gut bis sehr gut informiert, 43 Prozent geben einen mittleren Informationsstand an. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Stammzellentnahme aus dem Rückenmark erfolgt. Nur jede dritte Person der Befragung weiß, dass es mehrere Spendenregister und zwei verschiedene Verfahren (aus der Blutbahn/aus dem Knochenmark) der Stammzellentnahme gibt. Doch worüber kommen Informationen zur Stammzellenspende?

  • klassische Medien wie TV, Radio und Zeitung durch Beiträge –26 Prozent – oder dort geschaltete Werbung – 22 Prozent.
  • Gespräche im Bekannten- und Freundeskreis – 22 Prozent 
  • Einen Spendenaufruf im eigenen Umfeld – 20 Prozent
  • Die sozialen Medien – 16 Prozent

Die Untersuchung fand durch die die Auszubildenden zum Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung für das Norddeutsche Knochenmark- und Stammzellspenderregister in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Ipsos statt.

Hinweis der Redaktion: Weitere Informationen zum Thema Stammzellenspende finden Sie etwa auf der Seite der DKMS oder der Deutschen Stammzellenspenderdatei, dort gibt es auch jeweils die Möglichkeit, sich als Spender zu registrieren.

Erhebungsmethode Online-Umfrage mit dem Ipsos Fast Facts Tool
Befragte Zielgruppe Deutschsprachige Bevölkerung im Alter von 18 bis 61 Jahren in Deutschland
Wie wurde die Zielgruppe rekrutiert? Quotenauswahl repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Region
Stichprobengröße n = 895
Feldzeit 24. März 2021
Land Deutschland

Kommentare (1)

  1. Michael Krista am 21.08.2021
    Ich habe in 2005 Knochenmark gespendet und wurde damals nicht besonders auf mögliche Risiken aufgeklärt. Nach soviel Jahren bin ich überrascht das doch so viele bedenken haben. Meine Meinung ist zurecht, da die Internetseiten der Knochenmark Stiftungen nicht gerade die möglichen Risiken gerne umschreiben. Hier anzuführen ist das für die Spende verwendete Medikament G-CFS, das in der Fachwelt als Risiko für Langzeitfolgen angeführt wird. Daher haben die Stiftungen und auch der Gesetzgeber die Pflicht zur besseren Aufklärung.

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