Social Friday: Lohnt es sich am Freitag blau zu machen?

Marketagent-Studie

Wie kann man den Freitagnachmittag besser nutzen? Das hat sich der Unternehmer Fikret Zendeli gefragt und das Konzept des "Social Friday" entwickelt. Was davon zu halten ist, hat Marketagent in einer internationalen Studie untersucht.

Social Friday: Engagiert am Freitag (Bild: AdobeStock - 112023896)
Social Friday: Engagiert am Freitag (Bild: AdobeStock - 112023896)

Ziel der Aktion "Social Friday" ist die Freistellung von Mitarbeitern, wenn sie sich für eine gute Sache einsetzen und gesellschaftlich relevante Initiativen unterstützen – sei es Kochen für bedürftige Menschen, das aktive Zeit verbringen mit Bewohnern eines Seniorenheims oder Malen und Basteln mit Kindern des SOS-Kinderdorfes.

Von den USA über UK bis Österreich: Wo am eifrigsten gearbeitet wird

Dass Zendelis Modell durchaus auf fruchtbaren Boden fällt, zeigt eine Studie von Marketagent.com, die in zehn Ländern rund um den Globus durchgeführt wurde und die Produktivität am Arbeitsplatz und Einstellungen rund um soziales Engagement ins Rampenlicht rückt.

Dabei wird laut Marketagent klar, dass Freitage in allen befragten Ländern zu den am wenigsten produktiven Tagen zählen (38 Prozent). In Österreich gibt sogar knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer zu, mit den Gedanken gegen Ende der Arbeitswoche nicht mehr ganz bei der Sache zu sein. Insbesondere nach 14:00 Uhr geht es mit dem Arbeitseifer steil bergab (33 Prozent) und mündet nicht selten darin, dass wir uns lieber sinnlosen Tätigkeiten widmen, die dem Unternehmenserfolg nur wenig dienlich sind. Die Meister in Punkto unnötigem Zeitvertreib während der Arbeitszeit sind übrigens die Argentinier (48 Prozent), knapp dahinter folgen die Engländer und Amerikaner (46 Prozent). Vor allen Dingen aber scheint das Alter eine große Rolle zu spielen: Je jünger die Arbeitnehmer, desto eher unterliegen sie der Versuchung, sich mehr dem Surfen im Internet oder ihrem Handy zu widmen, anstatt ihrer eigentlichen Tätigkeit nachzugehen (18 bis 29 Jahre: 21 Prozent vs. 60 bis 69 Jahre: 9 Prozent).

Direkt nach den letzten Stunden einer typischen Arbeitswoche gefragt, kommen interessante Ländervergleiche ans Tageslicht, denn: Spitzenreiter in Sachen Unproduktivität zu Arbeitswochen-Ende sind die Schweden (39 Prozent) und damit ausgerechnet jene Nation, der in so vielen anderen Lebensbereichen ein Vorzeige-Ruf vorauseilt. Ebenfalls selbstkritisch zeigen sich die Engländer (33 Prozent) und Franzosen (28 Prozent), wohingegen die Österreicher am überzeugtesten von sich und ihrem Schaffensdrang sind (22 Prozent). So überrascht es auch kaum, dass sich die heimischen Angestellten sehr weit vorne sehen, wenn es darum geht, die eigene Produktivität während der Arbeitszeit einzuschätzen. Gemeinsam mit der Schweiz und Deutschland sehen sie sich nicht nur an der Spitze in Punkto Produktivität (alle über 78 Prozent), sondern auch was die Motivation während der Arbeitszeit betrifft. Neben der D-A-CH Region zeigen sich auch die USA hoch motiviert, die Engländer und Argentinier hingegen bilden das Schlusslicht. Alles in allem sind sowohl das Arbeitsklima als auch die Zufriedenheit mit dem Unternehmen wesentliche Treiber dafür, wie viel Ansporn wir an den Tag legen – insbesondere in den letzten Arbeitsstunden einer typischen Bürowoche. 

Sozial engagierte Unternehmen genießen einen guten Ruf

Aspekte, die für die Sinnhaftigkeit ehrenamtlicher Arbeit sprechen, gibt es zur Genüge. Immerhin macht Helfen glücklich und zufrieden (47 Prozent) und man kann Personen, denen es weniger gut geht, unterstützen (45 Prozent). Weitere 44 Prozent sind der Ansicht, dass man viel erreichen kann, wenn jeder einen kleinen Beitrag leistet und dies darüber hinaus das Gemeinschaftsgefühl stärkt (36 Prozent). Die Liste guter Gründe ließe sich noch lange fortführen, doch wie sieht es aus, wenn es darum geht, selbst anzupacken und Gutes zu stiften? Tatsächlich sind es nicht vorrangig anonyme Geldspenden, die als sinnvoll erachtet werden (67 Prozent). Vielmehr ist die Bereitschaft vorhanden, im Sinne von Sachspenden (84 Prozent) und ehrenamtlichen Tätigkeiten (81 Prozent) direkten Kontakt mit betroffenen Personen zu knüpfen.

Warum in den letzten Arbeitsstunden der Woche nicht etwas Gutes tun?

Und wie steht es konkret um die Social Friday Initiative? Das Konzept und die dahinterliegenden Beweggründe gefallen allen voran in den USA, Argentinien und Spanien. In der Schweiz, Österreich, Deutschland und Schweden zeigt man sich im Vergleich dazu zwar ein wenig zurückhaltender, doch alles in allem ist die Bereitschaft hoch, am Freitagnachmittag die Arbeit niederzulegen, um sich einer guten Sache zu widmen (82 Prozent). Dabei zeigen sich insbesondere Frauen und die jüngere Generation unter 40 von der Idee begeistert, ihre Arbeitswoche mit sinnstiftenden Tätigkeiten abzuschließen. Und dabei geht es um zweierlei, denn am Ende des Tages profitieren nicht nur Unternehmen davon, die sich über sozial kompetente Mitarbeiter freuen dürfen (43 Prozent). Im Umkehrschluss verweisen diese auch mit Stolz auf ihre Arbeitsstätte, die ihnen soziales Engagement ermöglicht (40 Prozent) und dadurch den Mitarbeiterzusammenhalt fördern (37 Prozent). Es sind zudem gesellschaftlich relevante Effekte, die die Social Friday Bewegung in sich birgt. Knapp 4 von 10 sehen die eigene Teilnahme als Motivation für andere, sich zu engagieren und die soziale Sensibilität zu stärken. Die Empathie für hilfsbedürftige Menschen zu steigern und Verantwortungsbewusstsein in die Gesellschaft zu tragen (36 Prozent) sind wesentliche Aspekte, die aufzeigen, welche weitreichenden Effekte es haben kann, den Schreibtisch einen Freitagnachmittag lang Schreibtisch sein zu lassen und sich stattdessen proaktiv für das Gemeinwohl zu engagieren.

Für Marketagent scheint Zendelis Intention damit auf fruchtbaren Boden zu fallen: Dass die unproduktivste Periode der Woche zu einer Zeit der Begegnung und der Horizonterweiterung wird – und zu einer Zeit, in der die Aufmerksamkeit Bedürftigen zukommt.

Zur Studie: Marketagent befragte online 4.568 Vollzeit-Beschäftigte im Alter von 18 bis 69 Jahren in den Ländern Österreich, Schweiz, Deutschland, Schweden, USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Argentinien im Zeitraum vom 29.01. bis 12.02.2019.

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