Safety first oder sexy first? - Das Dilemma einer Kampagne

rheingold-Analyse

Das rheingold Institut und die rheingold Akademie haben mit Hilfe von Tiefeninterviews und eigener Analysen untersucht, ob die für viel Aufsehen sorgende Fahrradhelm-Kampagne des Bundesverkehrsministeriums in die richtige Richtung geht. Wenig überraschende Aussage der Experten: Nein.

Mehr Sicherheit im Bett? BMVI-Kampage geht laut rheingold in die falsche Richtung

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Zentrale Aussage der qualitativen Untersuchung: Dem Helm tut die Kampagne keinen Gefallen. Zwar lege sie den Finger in die Wunde, doch befreie sie die Bürger nicht vom psychologischen Dilemma des Fahrradhelms. Eine Schwäche der Kampagne sei, dass sie auf den Plakaten "sexy" inszeniere, 'aber "safety" fordere. So spitze sie diffus das fundamentale Dilemma zu, löse Druck aus, aber biete keinen Ausweg an. Noch ein Problem: Das Fahrrad selbst komme in der Kampagne gar nicht vor. 


Man erlaubt sich kleine und große Brüche der Verkehrsregeln

Die von rheingold durchgeführten Tiefeninterviews ergaben nach Angaben der Autoren, dass das Verkehrsmittel Fahrrad vor allem für Freiheit steht. Genannt wurden unter anderem diese Punkte: Man spürt den Wind im Haar, die frische Luft, man lässt die Gedanken schweifen, man ist flexibel und unabhängig. Und - das wird das Ministerium in Berlin nur bedingt freuen - man "erlaube sich kleine und große Brüche der Verkehrsregeln, die im Auto schier undenkbar wären."

Der rechte Grad an Freiheit pendele zwischen "Lässigkeit" und "Verlässlichkeit". Das zeige die typische Helmbiographie, schreibt rheingold: "Als erwachsene Fahrradfahrer wollen wir weder spießige Prinzipienreiter noch sündige Verkehrsrowdys sein. Der Helm kommt dabei flexibel und je nach Anlass zum Einsatz."

Schlafzimmer-Helden ignorieren das Gefühl von Freiheit beim Fahrradfahren

Die qualitative Untersuchungen und Analysen der rheingold-Studie führten offenbar  zu klaren Erkenntnissen: Jugendliche und Erwachsene verzichten gerade bei Fahrten im Alltag auf den Fahrradhelm. In der aktuellen Kampagne rufen die passiven Schlafzimmer-Helden auf den Plakaten das Dilemma von "sexy" und "safety" wach und appellieren an unser Gewissen. Doch sie "ignorieren das Gefühl von Freiheit beim Fahrradfahren und stimulieren eher Spott, Kritik und Widerstand als eine neue Lust auf den Helm", schreibvt rheingold. Statt pädagogisch über das Dilemma von "safety" und "sexy" aufzuklären, hätte die Kampagne es psychologisch auflösen können.

Veröffentlicht am: 11.04.2019

 

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