Rollenverteilung: Frauen wollen Karriere, Männer Familie

Brigitte / Ipsos

Männer setzen auf Karriere, Frauen auf Familie. Aussagen wie diese haben ihre Gültigkeit wohl verloren, denn die Lebensentwürfe der Geschlechter nähern sich einander an und waren sich noch nie so ähnlich.

Kind oder Karriere? (Bild: candy1812 - fotolia)
Kind oder Karriere? Die Rollenverteilung verändert sich (Bild: candy1812 - fotolia)

 

Für 48 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer ist “Karriere machen“ ein wichtiger Faktor für die Zufriedenheit der eigenen Lebenssituation. Für beide Geschlechter ist die Berufstätigkeit vor allem gleichbedeutend mit finanzieller Flexibilität (Frauen 92 Prozent, Männer 91 Prozent) und mit der Verrichtung einer sinnvollen Tätigkeit (Frauen 80 Prozent, Männer 81 Prozent).

Männer wollen Familie 

Mutter zu werden ist dagegen für die Lebenszufriedenheit vieler Frauen nicht der bestimmende Aspekt. Zumindest im Vergleich zur zentralen Bedeutung von Job (79 Prozent) und finanzieller Unabhängigkeit (94 Prozent) ist ihr Bedürfnis, Kinder zu haben oder zu bekommen, mit 68 Prozent Zustimmung auffallend nachgeordnet. Dass die Zustimmungsrate der Männer mit 60 Prozent zum Kinder-Thema bemerkenswert nahe am Wert der Frauen liegt, lässt vermuten: Auch die Männer haben ihre traditionelle Rollenzuschreibung satt. Sie wollen nicht mehr nur Karriere machen, sondern auch aktiv Väter sein.

Haushalt: Frauen erledigen am meisten

Spätestens nach dem ersten Kind fallen Paare jedoch oft in traditionelle Rollenmuster zurück. Vom Waschen (77 Prozent) übers Einkaufen (54 Prozent) bis zum Kochen (61 Prozent) – in fast allen Bereichen sagt die Mehrheit der Frauen auf die Frage “Welche der folgenden Aufgaben übernehmen hauptsächlich Sie in Ihrem Haushalt, welche Ihr Partner bzw. Ihre Partnerin?“: Das übernehme hauptsächlich ich. Selbst jede zweite Mutter, die Vollzeit arbeitet, gibt an, mehr als zwei Drittel der Hausarbeit zu stemmen. Männer können – oder wollen – ein derartiges Ungleichgewicht meist nicht erkennen: Sie gehen deutlich häufiger als Frauen davon aus, dass die Aufgaben gleich verteilt sind. Besonders deutlich wird das bei Kinderbetreuung und Putzen. Hier sagen 63 Prozent (Kinderbetreuung) beziehungsweise 49 Prozent (Putzen) der Männer, das erledigen wir gleichermaßen. 

Große Herausforderung: Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Nur 37 Prozent der Mütter sagen, Beruf, Familienleben und persönliche Interessen lassen sich heute generell besser vereinbaren als vor zehn Jahren. Für 24 Prozent hat sich an der Situation nichts geändert und 29 Prozent finden sogar: Die Vereinbarkeit gelingt heute (sehr viel) schlechter. Auf die Frage “Was meinen Sie, welche Aspekte würden Ihnen helfen, Beruf, Familienleben und persönliche Interessen besser zu vereinbaren?“ stehen ganz oben auf der Wunschliste der Mütter eine bessere finanzielle Unterstützung für Familien wie zum Beispiel höheres Kindergeld (60 Prozent), flexiblere Arbeitszeiten (48 Prozent) und mehr gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder außerhalb der Familie (34 Prozent).

Für die  Studie „Mein Leben, mein Job und ich“ füllten 2002 Frauen und Männer zwischen 18 und 69 Jahren aus Deutschland einen Online-Fragebogen mit 151 Fragen aus. Mit 16 Frauen wurden zudem jeweils einstündige qualitative Telefoninterviews geführt. Beide Befragungen realisierte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos im März und April 2017 im Auftrag von BRIGITTE.

ma

Veröffentlicht am: 02.10.2017

 

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