Pro-Kopf-Umsätze deutscher Marktforschungsinstitute 2020

Ergebnisse der Context-Liste 2020

Der Pro-Kopf-Umsatz ist eine der wichtigsten Kennziffern anhand deren sich Institute untereinander vergleichen. Doch wie hat sich die Kennziffer im schwierigen Corona-Jahr entwickelt? Diese und weitere Fragen beantworten die Ergebnisse der aktuellen Gesamtübersicht der Pro-Kopf-Umsätze deutscher Marktforschungsinstitute 2020.

Context-Liste: Pro-Kopf-Umsatz 2020 (Bild: SNFV GmbH)

Der Pro-Kopf-Umsatz als zentrales Maß für den Vergleich von Instituten untereinander

Der “Umsatz pro Mitarbeiter” ist eine der einfachsten und etabliertesten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, um die Effektivität von Unternehmen miteinander zu gleichen. Wie viel Umsatz macht ein Institut pro Mitarbeiter? Der Indikator lässt dabei unberücksichtigt, dass nicht jeder Mitarbeiter in einem Unternehmen für gleich Umsatz verantwortlich ist. Auch die unterschiedliche Ausrichtung bzgl. Methode oder Forschungsschwerpunkten von Instituten bleibt außen vor. Aber: Der Pro-Kopf-Umsatz war für die Branche bislang die wichtigste Kenngröße, um sich untereinander bzgl. der Effektivität vergleichen zu können.

In den letzten zwei Wochen haben wir die 50 umsatzstärksten Marktforschungsinstitute und eine Gesamtübersicht aller Umsätze seit 2017 näher betrachtet. Der Vergleich zu den vorherigen Jahren hatte gezeigt, dass die Branche in 2020 deutlich im Umsatz verloren hat. Dennoch gab es auch einige Institute, die von den Auswirkungen der Pandemie weniger betroffen waren oder neue Strategien entwickeln konnten. Nun wollen wir näher betrachten, wie sich die Pro-Kopf-Umsätze in der Branche verändert haben.

Wenn Sie tiefere Einblicke in die Zahlen sowie Vergleiche mit vorherigen Jahren wünschen, können Sie die vollständige Context-Umsatz-Liste aller bisher erfasster Marktforschungsinstitute seit 2008 als Excel-File bestellen. Die Liste umfasst die jährliche Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung von knapp 160 Marktforschungsunternehmen in Deutschland.

Der Pro-Kopf-Umsatz in der Marktforschungsbranche 2020

Zunächst fällt auf, dass der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz deutlich gesunken ist. Lag der Median 2019 noch bei 161.565 EUR, so ist der Pro-Kopf-Umsatz im vergangenen Jahr auf 148.000 EUR. Das ist wenig überraschend, da die Umsätze doch um rund zehn Prozent gesunken sind. Der Pro-Kopf-Umsatz sinkt im Vergleich dazu etwas weniger um 8,3 Prozent.

Wer hat die höchsten Pro-Kopf-Umsätze in der Marktforschung?

Den höchsten Umsatz pro Kopf aller Institute 2020, verzeichnete das Marktforschungsinstitut e-mares aus Niedersachsen mit einem Umsatz pro Kopf von 0,4 Mio. Euro. Das 1-Mann Unternehmen mit Inhaber Ulf Endewardt ist seit 1985 in der Marktforschung tätig. Wie bereits in der Gesamtübersicht der Umsätze in der letzten Woche zu sehen, verzeichnete das Institut allerdings einen Umsatzrückgang von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

INVISO, ein Full-Service-Anbieter im Bereich der Sensorik- und Marketingforschung aus Hannover, verabschiedete sich in 2020 von einem Mitarbeitenden. Im Vergleich zum Vorjahr erreichten sie in 2020 ein Pro-Kopf-Umsatzwachstum von 39 Prozent (2020: 0,325 Mio. Euro pro Kopf).

Das Osnabrücker Unternehmen Market Phone, mit Fokus auf telefonische Datenerhebung, verlor mit konstant sieben Mitarbeitenden im Vergleich zum Vorjahr zwölf Prozent des Pro-Kopf-Umsatzes, lag aber immer noch bei hohen 0,329 Mio. EUR. Der Full-Service-Anbieter PMP Pirovsky aus Mannheim erreichte mit zwei Mitarbeitenden einen Pro-Kopf-Umsatz von 0,325 Mio. Euro, 35 Prozent weniger im Vergleich zu 2019.

Auch Splendid Research trennte sich von sechs Mitarbeitenden und erzielte einen Pro-Kopf-Umsatz von hervorragenden 0,273 Mio. Euro, 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Umsatzvergleich verzeichnete das Hamburger Unternehmen dennoch einen Rückgang von sechs Prozent (2019: 6,4 Mio.; 2020: 6,0 Mio. Euro).

Wie schneiden die größeren Institute ab?

Betrachtet man nur die Institute mit mehr als 100 Mitarbeitern, so stechen daraus Infas und InMoment (vorm. MaritzCX) mit Pro-Kopf-Umsätzen von über 200.000 EUR hervor. Dabei konnte InMoment die Effektivität sogar um 20 Prozent steigern, wogegen der Umsatz pro Mitarbeiter bei Infas um 15 Prozent fiel.

Die GIM Group und Produkt & Markt erreichen 2020 einen Pro-Kopf-Umsatz von 137K EUR, was nur knapp vor den 134K EUR der psyma Group liegt. Skopos liegt 2020 bei nur noch 114K Euro je Mitarbeiter.

Interessant ist es dabei sich parallel die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen anzuschauen. So haben Skopos (von 88 auf 101) und GIM (von 185 auf 210) die Mitarbeiterzahl in 2020 jeweils deutlich aufgestockt, wogegen die psyma Group (von 270 auf 238) oder InMoment die Teamgröße scheinbar an die schwierigen Marktverhältnisse angepasst haben. Das Hamburger Institut InMoment verabschiedete sich in 2020 von insgesamt 56 Mitarbeitenden (von 268 auf 212) und erzielte einen Pro-Kopf-Umsatz von 0,218 Mio. Euro.

Fazit

Die unvorhersehbare Corona-Pandemie hat einige Unternehmen aus der Marktforschungsbrache vor neue Herausforderungen gestellt. Bei der Analyse der Fixkosten wird in Krisen-Zeiten oft zuerst an Personal gespart, ist die Krise dann aber doch irgendwann vorbei, fehlt gegebenenfalls qualifiziertes Personal.

Unternehmen, wie Happy Thinking People oder YouGov setzen bei Senkung der Betriebskosten zusätzlich auf Einsparpotenziale in der Einführung von Remote Work. In einem Interview mit marktforschung.de erläuterte Deutschland-Chefin Monika Reichl, wie YouGov seit zehn Monaten vollständig aus dem Homeoffice heraus arbeitet, wie das Unternehmen zukünftig räumlich aufgestellt sein wird und wie die Reaktionen der Mitarbeitenden ausfielen. Auch Happy Thinking People verkleinerte seine Berliner Büroflächen und sparten die zusätzlichen Mietkosten. In einem Interview mit Oliver Schieleit und Angela Giebner erklärten sie marktforschung.de, welche Bedeutung Remote Work aktuell und zukünftig für das Unternehmen habe und gaben einige Tipps für Unternehmen, die ebenfalls auf Remote Work umsteigen möchten.

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Methodik

Erhebungsmethode Online-Umfrage
Befragte Zielgruppe Marktforschungsunternehmen mit Hauptsitz in Deutschland
Wie wurde die Zielgruppe rekrutiert? Context-Liste 2019 ergänzt um fehlende Institute
Stichprobengröße n=83
Feldzeit 01.12.2020 - 10.02.2021
Land Deutschland

Kommentare (3)

  1. Ulf Endewardt/ e-mares am 02.03.2021
    Seit Gründung von e-mares sind die Pro-Kopf-Umsätze im Institutsvergleich schon immer hoch gewesen - auch bei mehr Mitarbeitenden. Das ist dem Konzept von e-mares geschuldet: Ich konzentriere mich auf Konzeption, Organisation, Analyse und Handlungsempfehlung. Für die kostenträchtige Produktion (Interviewdurchführung, Rekrutierung und EDV) arbeite ich projektbezogen mit entsprechenden Spezialisten zusammen. So kann ich bei geringen Fix-, aber hohen variablen Kosten sehr flexibel agieren und entsprechende Umsätze generieren. Das hilft unter Corona-Bedingungen und setzt natürlich ein gut funktionierendes Netzwerk voraus - vielen Dank auf diesem Wege an meine Kooperationspartner m-s Teststudios, Foerster&Thelen und mafo-DL!
  2. Andreas Woppmann am 02.03.2021
    Wie schon Herr Wachter sagt: es wäre besser bei der nächsten Erhebung die Anzahl der Mitarbeiter genauer zu definieren. Zusätzlich sagt der Umsatz pro Mitarbeiter nichts darüber aus wie viel Wertschöpfung eine Person tatsächlich generiert. Wenn die externen Kosten sehr hoch sind, dann ist der Umsatz pro Mitarbeiter auch hoch, der interne Umsatz aber vielleicht gering. Daher wäre zumindest der Anteil von Online vs. Offline Studien als ein Anhaltspunkt für jedes Institut interessant.
  3. Bernd Wachter am 02.03.2021
    Tatsächlich sagt der Pro-Kopf-Umsatz wenig aus, wenn man einen hohen (und steigenden) Anteil an Teilzeitmitarbeitern hat. Zur besseren Vergleichbarkeit sollte man also dringend auf Umsatz/FTE umstellen. Und zu unserer Mitarbeiterzahl: wir haben nur "genauer gezählt" als in den letzten Jahren. Tatsächlich haben uns 2020 in Deutschland ca. 5 Mitarbeiter verlassen, ohne dass es Kündigungen gab. Die Stellen wurden im letzten Jahr nicht nachbesetzt, das geschieht aber teilweise im laufenden Jahr.

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