Privathaftpflichtversicherte sollten ihren Horizont erweitern

HEUTE UND MORGEN

Einer Studie von HEUTE UND MORGEN zufolge müsste mehr als die Hälfte der Haftpflichtversicherten in Deutschland ihren Horizont erweitern, denn sie wissen gar nicht, welche Schäden ihre Privathaftpflichtversicherung standardmäßig abdeckt – und welche nicht.

Nachdenkliches Paar (Bild: contrastwerkstatt - fotolia.com)
Privathaftpflichtversicherte sollten ihren Horizont erweitern (Bild: contrastwerkstatt - fotolia.com)

Generell weist der Wissensstand der privat haftpflichtversicherten Bundesbürger zu den Schadenbereichen und Leistungsumfängen der Privathaftpflichtversicherung (PHV) deutliche Defizite auf: Lediglich 46 Prozent wissen, vor welchen Schäden Standardpolicen Schutz bieten und vor welchen nicht. So gehen beispielsweise viele Haftpflichtversicherte fälschlicherweise davon aus, dass die Absicherung von Mietsachschäden, Schäden durch deliktunfähige Kinder, Schäden an geliehenen, gemieteten oder gepachteten Sachen sowie Gefälligkeitsschäden zu den Standard-Leistungen der PHV zählen. Geringes Wissen besteht auch darüber, dass die PHV nicht nur Sach-und Personenschäden, sondern auch Vermögensschäden abdeckt. 

Weit verbreitet ist zugleich der Irrglaube, Immobilienschäden, Allmählichkeitsschäden, Regresse der gesetzlichen Sozialversicherung oder Forderungsausfalldeckungen seien grundsätzlich nicht in der PHV versicherbar – obwohl diese Leistungsbereiche für die Versicherten hohe subjektive Relevanz aufweisen. Auch die Möglichkeit zum Schutz vor Internetschäden ist bisher erst wenig bekannt. Und: 58 Prozent der Privat-Haftpflichtversicherten kennen nicht einmal näherungsweise die Höhe der Deckungssumme ihrer eigenen PHV für Sach-und Personenschäden; bei den Vermögensschäden sind dies sogar 81 Prozent. 

Baukasten-Prinzip wird bevorzugt

Vor die Wahl gestellt zwischen dem Angebot vorgefertigter PHV-Lösungen (bspw. Basis, Komfort, Premium) und der Möglichkeit, einzelne Leistungsbausteine individuell zusammenstellen zu können, bevorzugt die deutliche Mehrheit der Haftpflichtversicherten (67 Prozent) einen bedarfsorientierten Zuschnitt nach dem Baukasten-Prinzip; junge Versicherungsnehmer sogar noch häufiger (75 Prozent). Grundsätzlich werden solche Baukasten-Angebote von rund drei Vierteln der Haftpflichtversicherten als besonders innovativ und begeisternd erlebt. Anbieter können sich bei kundengerechter Umsetzung damit vom Wettbewerb abheben. 

Zugleich würde sich jeder zweite Haftpflichtversicherte bei der Inanspruchnahme eines Baukasten-Angebots beraten lassen, da er sich die Leistungsauswahl nicht alleine zutraut; 80 Prozent der Haftpflichtversicherten begrüßen zudem ausdrücklich, sich einmal näher mit den Leistungen der PHV auseinanderzusetzen und diese genauer auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden zu können. Neben der favorisierten stärkeren Produktindividualisierung in der PHV interessiert sich jeder zweite PHV-Versicherte (53 Prozent) darüber hinaus für Bundle-Angebote mit anderen Haftpflichtversicherungen (bspw. Tierhaftpflicht, Berufshaftpflicht etc.). 

Hohe Wechselneigung 

Bei Vorliegen eines attraktiven Angebots zeigen sich rund 60 Prozent der PHV-Versicherten grundsätzlich offen für einen Anbieterwechsel; 30 Prozent in stärkerem Maße. Besonders wechselaffin sind vor allem junge Kunden zwischen 18 und 29 Jahren (73 Prozent bzw. 43 Prozent). Tatsächlich ihren PHV-Anbieter bereits gewechselt haben bisher 42 Prozent der Kunden, 13 Prozent bereits mehr als einmal. Zentraler Wechselgrund ist die Absicht durch einen Anbieterwechsel die bisherige Beitragshöhe zu reduzieren (77 Prozent), daneben aber auch bessere Leistungen für die gleiche Prämie zu erhalten. Als hoch attraktive Wechsel-Anreize für die PHV-Versicherungskunden erweisen sich vor allem Garantieversprechen, wie Best-Leistungs-Garantien, Besitzstands-Garantien und Leistungs-Update-Garantien, sowie darüber hinaus auch Policen ohne Selbstbeteiligung. Ein Drittel der Wechselwilligen (32 Prozent) gibt als Motiv auch negative Erfahrungen mit dem derzeitigen PHV-Anbieter bei der Schadenregulierung an; neben generellen Preis-und Leistungsvergleichen spielt also auch die Qualität der Schadenbearbeitung und deren Kommunikation für die Kunden eine wichtige – und je nach Perspektive kundenbindende oder wechselverstärkende – Rolle. Als Informationsquellen werden von den Wechslern vor allem persönliche Beratungsgespräche mit Vertretern und Maklern und das Internet (Vergleichsportale, Anbieterhomepages sowie Ratgeber-Seiten und Foren) genutzt; der Einfluss klassischer Werbemedien auf das Wechselverhalten ist hingegen nur gering. 

Zur Studie:

HEUTE UND MORGEN hat 1.000 Bundesbürger zwischen 18 und 65 Jahren, die eine PHV besitzen, im März 2017 befragt.

Veröffentlicht am: 26.04.2017

 

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