Panel-Preiskampf, Auto-Slogans, Selbstvermessung

Was sonst noch war

In unserer Kolumne "Was sonst noch war" wollen wir Ihnen ans Herz legen, was die anderen schreiben. Denn manches gerät aus dem Blick – wir fangen es wieder ein mit unserer Presseschau.

© Daniel Ernst

Für Außenstehende ist das Geschäft mit Onlinepanels auf den ersten Blick schwer zu durchschauen. Wie aus der vermeintlichen Rohmasse "Konsument mit Internetzugang" ein fertiges Forschungsprodukt in Form von Excel-Charts, Stichprobenfehler-Analyse und PowerPoint-Folien wird, liegt nicht unbedingt auf der Hand. Die rasante Entwicklung der Branche sowie den aktuellen Wasserstand skizziert Norman Behrend von Cint in der aktuellen Ausgabe der "Research & Results". Dabei führt laut Behrend der Preiskampf zur Vereinheitlichung der Prozesse: "Dies führte dazu, dass sich nach einigen bemerkenswerten Fusionen im Markt mittlerweile viele Felddienstleister in der Wertschöpfungskette nach oben bewegen. Sie mutieren zu Firmen, die irgendwo zwischen Full-Service-Felddienstleister und Institut existieren und ihre Gewinne nicht mehr nur mit der Feldarbeit aufrechterhalten." Behrend sieht die weitere Entwicklung vor allem im Bereich IT – nicht ganz uneigennützig natürlich.

"Noch nie waren Produkte so stark danach ausgerichtet, ob sie einem Jungen oder einem Mädchen gefallen sollen. Und das verkauft sich", befindet der NDR in einem kürzlich gesendeten Videobeitrag. Auch Axel Dammler von Iconkids & Youth kommt zu Wort und verteidigt das Geschäftsmodell seines Unternehmens, maßgeschneiderte Kinderprodukte für die junge Kundschaft zu konzipieren.

Warum steigen Menschen freiwillig in ein Elektroauto – und benutzen es sogar täglich zur vollen Zufriedenheit? Sören Harder von "Spiegel Online" fasst eine aktuelle Studie über die Käufergruppe zusammen: "Eigenen Angaben zufolge ist es die bislang größte und umfangreichste Analyse ihrer Art. Das Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat im vergangenen Jahr mehr als 3000 private und gewerbliche Nutzer von Elektrofahrzeugen befragt [...]."

Und wie kommt der Verbraucher erst auf die Idee, aus purer "Freude am Fahren" sich "Das Auto" zu kaufen? Wie man den richtigen Slogan für ein neues Vehikel findet, erläutert Markenexperte Bernd Samland in einem "Welt"-Artikel: "Nur sehr starke Marken können es sich leisten, ganz ohne Botschaft auszukommen."

"Achtung, Marktforschung!", warnt Torben Bo Hansen in seiner "Handelsblatt"-Kolumne. Hansen begegnet Werbewirkungsstudien von Hause aus eher skeptisch: "Wann immer zufällig ausgewählte Verbraucher aus Ihrer Zielgruppe sich zur Werbung Ihrer Marke äußern sollen, rate ich zu gesunder Skepsis bei der Interpretation."

Ein Beispiel aus der Reihe "Tricksen mit Zahlen": Relative Angaben sind die moderne Krankheit unserer Zahlenwelt. Wer keine Ahnung von der Materie hat, fordert erstmal Prozentwerte von der Statistik. Prozente kennt hunderprozentig jeder – von der Supermarktkasse, dem Kreditvertrag oder dem Umsatzwachstum. Wenn allerdings Finanzexperten sich darüber erschrecken, dass die Zinsen auf Staatsanleihen um 1000% gestiegen sind, dann ist der Gipfel der Zahleninkompetenz erreicht. "Die Ausschläge mögen heftig sein, aber sie finden so tief im Keller statt, dass die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft kaum spürbar sind – bislang jedenfalls", schreibt Professor Henrik Müller für "Spiegel Online".

Google hat ein Patent für Kinderspielzeug angemeldet. Was dahinter stecken könnte, erklärt Jannis Brühl in der "Süddeutschen": "Googles Hase und Teddy sind mehr als süße Spielzeuge. Das neue Gerät soll eine Art universelle Fernbedienung für Laptops, Tablets, Smart-TVs oder sogar Thermostate fungieren."

Daten sind das neue Opium fürs Volk. Wer seinen Körper misst, trainiert, kontrolliert und protokolliert, der lebt gesünder. Das sagen zumindest die Anhänger des Techniktrends "Lifeblogging". Das 3sat-Magazin nano hat darüber einen kritischen und sehenswerten Videobeitrag gedreht: "Problematisch werde es aber, wenn alle Unangepassten, Schlecht-Vermessenen aussortiert werden, etwa wenn Dicke oder Raucher im Gesundheitswesen benachteiligt werden. So weit sind wir davon vielleicht gar nicht mehr entfernt."

Ein schönes Wochenende wünscht
Nils Glück, marktforschung.de

Übrigens: Meistgeklickter Link von vergangener Woche waren die sieben häufigsten Datenvisualisierungfehler von Nishith Sharma.

Veröffentlicht am: 29.05.2015

 

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