ÖPP-Projekte im Schulbereich: Große Zufriedenheit bei Auftraggebern und Nutzern

Allensbach - Infolge der wachsenden Haushaltsdefizite der Kommunen hat die Unterstützung staatlicher Aufgaben durch private Unternehmen in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Als eine wesentliche Kooperationsform von öffentlicher Hand und privaten Wirtschaftsunternehmen haben sich dabei die Öffentlich Privaten Partnerschaften (ÖPP) bzw. Public Private Partnerships (PPP) herausgebildet. Die öffentliche Diskussion und Beurteilung von ÖPP-Projekten konzentrierte sich dabei bislang vor allem auf die finanzwirtschaftlichen Vor- bzw. Nachteile solcher Projekte. Weitgehend ausgeklammert blieb die Frage nach der Zufriedenheit von Auftraggebern und Nutzern von ÖPP-Projekten.

In einer aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach wurden  kommunale Auftraggeber von ÖPP-Projekten im Bildungsbereich sowie Schulleiter und Elternvertreter nach ihrer Zufriedenheit mit ÖPP-Projekten befragt. Dabei ziehen Auftraggeber und Nutzer von Öffentlich Privaten Partnerschaften im Schulbereich eine äußerst positive Bilanz ihrer Zusammenarbeit mit einem privaten Partner. Für die überwältigende Mehrheit der Auftraggeber bringt die Zusammenarbeit mit einem privaten Partner für die eigene Stadt oder Gemeinde vor allem Vorteile mit sich. 90 Prozent der Projektverantwortlichen in den Städten und Gemeinden ziehen für ihren kommunalen Bereich eine positive Bilanz. Als besondere Stärken von Öffentlich Privaten Partnerschaften im Schulbereich nennen die Auftraggeber spontan vor allem die höhere Effizienz der Zusammenarbeit mit einem privaten Investor sowie die schnellere Realisierung von Bauvorhaben.

Wie die Auftraggeber haben auch die Nutzer von ÖPP-Projekten im Schulbereich eine sehr positive Grundhaltung zu Öffentlich Privaten Partnerschaften. 62 Prozent der Schulleiter und ein in etwa gleich hoher Anteil von Elternvertretern finden es gut, dass es im Schulbereich zu Partnerschaften von privaten Unternehmen und der öffentlichen Hand kommt. Lediglich rund jeder vierte Schulleiter bzw. Elternvertreter ist gegen die Zusammenarbeit mit einem privaten Partner und möchte den Betrieb öffentlicher Schulen ganz in der Verantwortung der Städte und Gemeinden belassen.

Die große Zufriedenheit von Auftraggebern und Nutzern von Öffentlich Privaten Partnerschaften im Schulbereich lässt sich zu einem Großteil auf die positiven Erfahrungen zurückführen, die Auftraggeber und Nutzer in der Zusammenarbeit mit den privaten Partnern gesammelt haben. Wesentliche Facetten der positiven Erfahrungen sind die Qualität der erbrachten Leistungen, ein geringerer Verwaltungsaufwand sowie ein gutes Beschwerdemanagement des privaten Partners. So äußern sich 95 Prozent der Auftraggeber über die Zusammenarbeit mit dem privaten Partner ganz allgemein sehr zufrieden oder zufrieden. 87 Prozent der Auftraggeber sind (sehr) zufrieden, wie schnell der private Partner auf Beschwerden reagiert, und 84 Prozent sind (sehr) zufrieden damit, wie gut Mängel von den privaten Partnern beseitigt werden.

Schulleiter und Elternvertreter sind mehrheitlich davon überzeugt, dass die Leistungen des privaten Partners von besserer Qualität sind, als dies bei einer herkömmlichen Lösung ohne privaten Partner der Fall wäre. So stuft jeder zweite Schulleiter die Qualität der erbrachten Leistungen bei der Zusammenarbeit mit einem privaten Partner höher ein als bei einer konventionellen Lösung. Fast jeder dritte Schulleiter sieht keine großen Unterschiede und lediglich 9 Prozent schätzen die Qualität der Leistungen des privaten Partners als geringer ein. Eine von der Tendenz her ähnliche Einschätzung findet sich im Urteil der Elternvertreter: Auch die Elternvertreter empfinden die Leistungen des privaten Partners mehrheitlich als qualitativ hochwertiger. Nur eine Minderheit von 16 Prozent hält die Qualität der Leistungen bei konventionellen Lösungen für besser.

Zudem registrieren die Nutzer positive Veränderungen in den Schulen, die ursächlich auf die Neubau- und Sanierungsmaßnahmen an den Schulen zurückzuführen sind und die weit über die baulichen Veränderungen hinausreichen. So machen die Aussagen der Schulleiter und Elternvertreter deutlich, dass sich in Schulen, in denen ein privater Partner die Sanierung bzw. den Bau und den Betrieb übernommen hat, die Arbeitsatmosphäre im Vergleich zu früher deutlich verbessert hat: Gut jeder zweite Schulleiter bilanziert eine größere Arbeitszufriedenheit im Kollegenkreis. Ebenfalls mehr als jeder zweite Schulleiter berichtet von einer verbesserten Motivation der Schüler.

Aufgrund baulicher Veränderungen und der professionellen Betreuung der Schulgebäude durch die privaten Partner stellt sich an jeder zweiten Bildungseinrichtung eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ein, die mit einer Steigerung der Motivation und Arbeitszufriedenheit von Schülern und Lehrern einhergeht. Zudem berichten 39 Prozent der Schulleiter, dass Schmierereien und mutwillige Zerstörungen an ihrer Schule infolge der Sanierung zurückgegangen sind. Diese positiven Veränderungen verdeutlichen den Mehrwert von ÖPP-Projekten im Schulbereich, der weit über die Frage der Wirtschaftlichkeit solcher Projekte hinausreicht.

Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach

Veröffentlicht am: 22.03.2011

 

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