Neue Survey-Apps, incentivierte Werbung, Fitness-Tracker

Was sonst noch war

In unserer Kolumne "Was sonst noch war" wollen wir Ihnen ans Herz legen, was die anderen schreiben. Denn manches gerät aus dem Blick – wir fangen es wieder ein mit unserer Presseschau.

© Daniel Ernst

Jubelarie auf mobile Befragungen: Das Startup-Magazin "Gründerszene" porträtiert in einem aktuellen Artikel die beiden deutschen Survey-Apps Appinio und Timezapp. Darin werden auch TNS, GfK, Google sowie der ADM erwähnt, der seine Bedenken bezüglich Repräsentativität von mobilen Befragungen äußert. In der Tat sind die neuen App-Anbieter weit von den Standards der Branchenkonzerne entfernt – was sie aber auch offen zugeben: "Die App-Anbieter dürften so ihre Probleme haben, 75-Jährige Saarländerinnen mit einer Vorliebe für entkoffeinierten Kaffee in ihre Erhebungen zu kriegen."

Apropos Google: Bekanntlich kommuniziert der Konzern sehr sparsam, wenn es um seine Innovationen geht. Weil es aber längst nicht mehr reicht, im stillen Kämmerlein die neuesten Applikationen und Algorithmen zu entwickeln, muss Google auch mal Präsenz zeigen. So wie in Hamburg, wo seit 2013 eine Partnerschaft mit Saturn besteht. Was sich der Konzern von seinem Real-Life-Shop verspricht, erklären die Geschäftspartner in einem "Horizont"-Interview: "In der gemeinsam vereinbarten Roadmap spielen auch Marketing- und Analysethemen eine große Rolle und natürlich die Frage, wie man als Multichannel-Händler auch online optimale Angebote machen und neue Wege gehen kann."

Sabine Haas vom result-Institut stellt in einem Blogbeitrag den Trend des incentivierten Werbekonsums vor: "Immer mehr App-Spiele bieten ihren Kunden an, über die gezielte Nutzung von Werbung an Belohnungen zu kommen. So kann man beispielsweise zusätzliches Spielvermögen oder -inventar erhalten, indem man einen Werbespot anschaut."

In Immobilien investieren wollen viele. Doch längst nicht alle Investoren gehen nach Jahren als Gewinner aus ihren Deals hervor. Welche durchaus kuriosen Standortindikatoren dafür sprechen, dass sich eine Immobilie lohnt, erklärt Michael Fabricius in der "Welt am Sonntag": "Vor allem für Kapitalanleger, die in einem innerstädtischen Viertel eine Eigentumswohnung erwerben wollen, um sie zu vermieten, sei ein Starbucks-Café in der näheren Umgebung ein wichtiger Indikator dafür, dass ein Investment in diesem Quartier vielversprechend ist. ‘Starbucks nimmt den Käufern quasi die Marktforschung ab’, sagt Wagner."

Von Köln nach Frankfurt für 5 Euro? Diese Zeiten sind auf dem Fernbusmarkt vorbei. Gerade weil die Gewerkschaften gerade alles dafür tun, die Kundschaft der Deutschen Bahn zu verärgern, dürfen die Fernbusanbieter ihre Ticketpreise erhöhen. Den aktuellen Wasserstand gibt eine dpa-Analyse unter Berufung auf das IGES-Institut bekannt: "Das Institut zählte im April 264 Verbindungen in Deutschland. Das waren nur 3 mehr als im Januar, aber 95 mehr als vor einem Jahr. Jedoch haben sowohl der Marktführer MeinFernbus/Flixbus als auch die Deutsche Bahn und der Postbus angekündigt, ihr jeweiliges Netz auszuweiten."

Ja klar, ich bewege mich ja eigentlich schon, würde mich sogar durchaus als fit bezeichnen. Dass sich meine Fitness dabei auf den wiederholten Gang zum Kaffeeautomaten beschränkt, verschweige ich lieber. Wearables können dabei helfen, solchen Selbstbetrug gnadenlos offenzulegen: "Fitness-Tracker haben eine große Wirkung auf sehr viele Menschen", sagt Softwareentwickler Stephen Wolfram im Interview mit der "Zeit". "Und wenn sie nur versuchen, auf 10.000 Schritte am Tag zu kommen. Ich selbst habe gerade ein Gerät ausprobiert, das mir gesagt hat, wie ich sitze. Ich habe es zwar nur drei Tage benutzt, aber meine Haltung hat sich in dieser Zeit merklich verbessert." 

Ein schönes Wochenende wünscht
Nils Glück, marktforschung.de

Übrigens: Meistgeklickter Link von letztem Mal war die Website der Daten-Dokumentationsreihe "Do Not Track".

Veröffentlicht am: 08.05.2015

 

Kommentare (2)

  1. Nils Glück am 13.05.2015
    Sicherlich eine vertretbare und nachvollziehbare Sichtweise, Herr Freitag! Meine Meinung ist ähnlich: Repräsentativität sollte niemals Selbstzweck sein oder zum heiligen Gral erhoben werden. Anforderungen von Stichproben sind je nach Fragestellung unterschiedlich gestaltet und auch unterschiedlich relevant. Längst nicht jede Fragestellung verlangt nach Repräsentativität.

    Allerdings neigen nach meiner Beobachtung gerade die "jungen Wilden" unter den Surveyanbietern dazu, Surveys als eine Art Glaskugel der Realität zu verklären - und sie blenden dabei die Anforderungen einer sauberen Stichprobe aus.
  2. Michael Freitag am 08.05.2015
    "75-Jährige Saarländerinnen mit einer Vorliebe für entkoffeinierten Kaffee" bekommen aber GfK und TNS auch nicht in die Stichprobe bzw. der Kunde wünscht sich überhaupt nicht diese Leute in seiner Stichprobe (Die Marketing-Zielgruppe sind 20- bis 49-jährige Personen....). Entsprechend sind die "Standards der Branchenkonzerne" eher nebulöses Geschwafel und der plumpe Versuch sich mögliche Wettbewerber vom Hals zu halten. Weil die nämlich, wenn es so weiter geht, einen mal erwürgen werden.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Bericht vom BVM-Kongress 2022

Was Marktforschung mit der Macht von Fake-News und dem Terror des Authentischen zu tun hat

27.06.2022 - Am 20. und 21. Juni fand in Frankfurt der „Kongress der Deutschen Marktforschung 2022“ des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher (BVM) statt. Marktforschung.de war vor Ort dabei und fasst ausgewählte Highlights zusammen. weiterlesen

 
Bericht von der IIEX Europe 2022

Amsterdam war eine Reise wert - Was gibt es Neues in der Marktforschung?

Melina Palmer (The Brainy Business), Josipa Majic (tacit.tech) und Hannah Kirk (Blue Yonder Research).

24.06.2022 - Zwei Tage IIEX Europe liegen hinter der europäischen Marktforschungsbranche. Zwei Tage, die sich wie vor der Pandemie anfühlten. Was gab es Neues aus der Marktforschungsbranche in Amsterdam zu entdecken? Bilderstrecke und Nachbericht zu der zweitägigen Konferenz in… weiterlesen

 
News aus der Branche

Übernahme beim bio verlag, sd vybrant mit Zuwachs und ein neues Positionspapier zum Forschungsdatengesetz

News

22.06.2022 - Es gibt wieder Neuigkeiten aus der Marktforschungsbranche! Während der bio verlag eine App für Marktforschung übernimmt, freut sich sd vybrant über personelle Verstärkung. Zudem hat sich der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten nun öffentlich zum Forschungsdatengesetz… weiterlesen

 
Preisträger beim BVM-Kongress

Tawny gewinnt den Preis der Deutschen Marktforschung 2022

21.06.2022 - Beim BVM-Kongress in Frankfurt am Main wurden verschiedene Preise verliehen. TAWNY gewann den Innovationspreis. Als Nachwuchsforscherinnen wurden Saskia Fath und Dr. Anouk S. Bergner geehrt. weiterlesen

 
Branchenumfrage zu den Auswirkungen der Inflation in den Instituten

Wie geht es Marktforschungsinstituten mit der Inflation?

Dinge die aktuell teurer geworden sind

21.06.2022 - Alles wird gerade teurer: Essen, Tanken, Reisen, Energie. Und wie sieht es bei Feldkosten und Marktforschungsprojekten aus? marktforschung.de hat sich bei einigen Anbietern umgehört. Fazit: Auch an den Marktforschungsinstituten geht die Inflation nicht spurlos vorbei:… weiterlesen

 

Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter xing linkedin