Mobilität: Wendepunkt 2030

Studie von Kantar

Die Automobilindustrie ist in Aufruhr und der Wandel zur nachhaltigen Mobilität in vollem Gange. Wann wird der Wendepunkt erreicht werden? 2030, so die Prognose von Kantar. Das Unternehmen hat jetzt die Studie "Mobility Futures" vorgestellt.

Wegweiser in die Zukunft (Bild: hkama - AdobeStock)
Wegweiser in die Zukunft (Bild: hkama - AdobeStock)

Die privaten Autofahrten werden in den größten Städten der Welt im nächsten Jahrzehnt um zehn Prozent zurückgehen, so eine These der Forscher. Der Aufstieg der Sharing Economy, der Multimodalität und der autonomen Fahrzeuge sowie die Alterung der Weltbevölkerung werden den Bedarf, ein Auto zu besitzen, verringern. Die stärkere Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, sowie mehr Rad- und Fußgängerverkehr gleicht diesen Rückgang aus. Die Bürger steigen auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel um, was bis 2030 für 49 Prozent aller Fahrten innerhalb der Städte gilt. Dem stehen dann 46 Prozent Autonutzung gegenüber. Aktuell wird das Auto noch für 51 Prozent aller Fahrten genutzt. Die restlichen fünf Prozent werden auf Taxi und Mitfahrgelegenheiten sowie auf andere Verkehrsmittel wie Fähren entfallen. 

Steilster Zuwachs bei Fahrradnutzung

Dem Fahrrad wird von Kantar bis 2030 ein Anstieg von 18 Prozent prognostiziert, damit wächst die Fahrradnutzung im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln am schnellsten. Zu Fuß zu gehen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel werden um 15 Prozent bzw. sechs Prozent zunehmen. Tausende von Infrastrukturprojekten auf der ganzen Welt, wie z.B. der Ausbau von Radwegen und Fahrrad-Sharing-Systemen, Fußgängerprojekte und Verbesserungen des öffentlichen Verkehrs tragen zu diesem neuen Mobilitätsverhalten bei. In diesem Zusammenhang prognostiziert Kantar, dass die Menschen in den 31 untersuchten Städten mit bis zu 36,7 Millionen Bewohnern in den nächsten zehn Jahren ihr Mobilitätsverhalten verändern werden. Manchester wird die größte Verlagerung der Verkehrsnutzung erleben, gefolgt von Moskau und São Paulo.

Die "Top Transforming Cities" bis 2030: Ranking City Score

  1. Manchester 184.9 
  2. Moscow 183.4 
  3. Sao Paulo 172.4 
  4. Paris 160.0 
  5. Johannesburg 157.3 
  6. Guangzhou 154.6 
  7. Milan 154.6 
  8. Montreal 120.3 
  9. Amsterdam 119.7
  10. Shanghai 118.5

 

Technologien sind der Schlüssel zum Übergang 

Die Förderung von und Investitionen in Technologien für die städtische Mobilität wird der Schlüssel zur Erleichterung des Übergangs zu intelligenteren und nachhaltigeren Verkehrslösungen in den nächsten zehn Jahren sein, schreiben die Autoren der Studie. Kantars Untersuchungen ergaben, dass 40 Prozent der Menschen weltweit offen für innovative neue Mobilitätslösungen sind; aber nicht alle Städte sind für eine Transformation der Mobilität bereit. Die Städte mit der höchsten Technologiekompetenz sind Amsterdam, London und Los Angeles. Das ergibt eine Analyse verschiedener Faktoren wie die digitale Zahlungsinfrastruktur, die Offenheit für Sharing-Modelle und autonome Fahrzeuge sowie dem Bruttoinlandsprodukt.

Welche Infrastruktur wünschen sich die Menschen?

Um abzuschätzen, welche neuen Technologien und Mobilitätslösungen das größte Potenzial haben, die Bedürfnisse der Reisenden in der Stadt von morgen zu erfüllen, hat Kantar gemeinsam mit Mitgliedern des Programms "Mobility Futures" über 20 Mobilitätskonzepte entwickelt und getestet, die den Präferenzen von 20.000 Bürgern weltweit entsprechen. Innovationen die sowohl Nachhaltigkeit als auch Komfort bieten kommen am besten bei den Bürgern an: 

  • Mobility-as-a-Service (MaaS) - Dieses Konzept integriert mehrere Verkehrsmittel wie Busse, Straßenbahnen, Fahrräder und Carsharing in einer einzigen App und einem einzigen Ticket, um multimodales Reisen zu einer Benutzererfahrung zu machen, die dem Komfort eines Privatwagens entspricht. 
  • Mobilitätsknotenpunkte - Diese am Stadtrand gelegenen Knotenpunkte ermöglichen es Pendlern, von umweltbelastenden Autos auf emissionsfreie Fahrzeuge wie Elektrobusse, E-Bikes und E-Scooter umzusteigen, um so Verkehrsstaus und Umweltverschmutzung in den Städten zu verringern.
  • Autonome Paketzustellung - Selbstfahrende Zustellfahrzeuge fungieren als mobile Paketstationen, um erfolglose Zustellfahrten zu reduzieren, die zur Verkehrsüberlastung beitragen.

Auch die Städte, die am besten auf die nachhaltigere Zukunft der Mobilität vorbereitet sind, sehen sich mit fehlendem Vertrauen der Bürger in die Fähigkeit ihrer Gemeinde konfrontiert. Das könnte den Fortschritt behindern. Berlin, Amsterdam und New York zeigen alle diese deutliche Kluft zwischen der Bereitschaft der Städte zur Veränderung und dem Vertrauen der Bürger. 

Guillaume Saint, Global Automotive und Mobility Lead in Kantar, erklärt: "Im kommenden Jahrzehnt wird sich die Art und Weise, wie sich die Menschen in der städtischen Umgebung bewegen, deutlich verändern. Aber alle Städte sind unterschiedlich - was in New York funktioniert, findet in Tokio vielleicht keine Resonanz - deshalb ist es unerlässlich, den Menschen in den Mittelpunkt der Forschung zu stellen, um das zukünftige Mobilitätsverhalten besser zu verstehen, vorherzusagen und zukünftige Chancen zu erkennen." 

Die Bürger werden nicht allein handeln

Rolf Kullen, Mobility Director bei Kantar, fügt hinzu: "Städte auf der ganzen Welt müssen zukünftig strategisch für die sich verändernden Mobilitätsbedürfnisse ihrer Bewohner planen. Damit dieser Wandel stattfinden kann, muss er sowohl von den Städten als auch von den Menschen geführt werden - die Bürger werden nicht allein handeln. Die Kommunen müssen Infrastrukturinvestitionen mit einer robusten städtischen Mobilitätspolitik und Sensibilisierungsinitiativen in Einklang bringen, um das Vertrauen und die Unterstützung ihrer Bürger zu gewinnen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass es für Politiker erhebliche Vorteile mit sich bringt, wenn sie den städtischen Verkehr richtig angehen." 

Im Rahmen der Kantar-Studie "Mobility Futures" wurden über 20.000 Stadtbewohner zu ihren aktuellen Mobilitätserfahrungen und ihren gewünschten Verkehrsmitteln befragt. Die Studie umfasste auch eine Reihe von Gesprächen mit 53 Mobilitätsexperten aus 14 Ländern, die ihre Sichtweise zu den Ergebnissen und Vorhersagen darlegten. 

Erläuterung zum Transforming Cities Index: Dieser Index bewertet, wie stark sich das Mobilitätsverhalten in jeder Stadt in den nächsten zehn Jahren verändern wird. Die Rangfolge basiert auf der Verlagerung des Anteils der Fahrten mit dem Auto, dem Fahrrad, zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Städte mit der größten Verschiebung erzielen die höchste Punktzahl, während ein Index von 100 den weltweiten Durchschnitt darstellt. 

Veröffentlicht am: 20.02.2020

 

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Weitere Meldungen

Gemeinsame Erklärung von ADM, BVM und DGOF

"Gemeinschaftsaufgabe aller drei Verbände, um die Markt- und Sozialforschung in Deutschland so unbeschadet wie möglich aus der Krise herauszuführen"

Bild: Alexandra Koch  - Pixabay

02.04.2020 - In einer gemeinsamen Erklärung der Verbände der Markt- und Sozialforschung in Deutschland haben ADM, BVM und DGOF eine Stellungnahme zur aktuellen Branchensituation abgegeben. Ein Ende der Corona-Krise sei vorerst nicht abzusehen und die Auswirkungen auf die Wirtschaft... weiterlesen

 
ESOMAR Global Market Research Report 2019

Marktforschung weltweit: Vielversprechende Entwicklungsmöglichkeiten in Asien

Die Chinesische Mauer – antikes Schutzsystem, eines der Weltwunder und beliebter Touristenmagnet. (Bild: Peggy_Marco – Pixabay)

02.04.2020 - Es bleibt abzuwarten, in welchem Ausmaß sich die Entwicklungen rund um das Coronavirus auf die Weltwirtschaft und damit auch die Marktforschungsbranche auswirken werden. Der ESOMAR Report 2019, welcher sich auf Zahlen von 2018 bezieht, wagte vor Ausbruch der Krise... weiterlesen

 
Studie von GIM

Deutsche bleiben zu Hause

Ausflüge per Fahrrad sind gesund - trotz Corona (Bild: MabelAmber - Pixabay)

02.04.2020 - Die aufgrund der Corona-Pandemie erlassenen Maßnahmen zur Reduzierung der Mobilität zeigen laut einer GIM-Studie Wirkung: Die Deutschen bewegen sich deutlich weniger. Auch die 16 bis 29-Jährigen haben ihre Mobilität stark eingeschränkt und ihre Tagesdistanzen in den... weiterlesen

 
In Zeiten von Corona

quantilope veröffentlicht Consumer NOW Index für Unternehmen

Wie verändert sich durch Corona das wöchentliche Ausgabe- und Konsumverhalten? (Symboldbild: Pixabay)

02.04.2020 - Als Antwort auf die dynamischen Herausforderungen im Rahmen von COVID-19 und der "Work-from-home"-Wirtschaft hat quantilope einen automatisierten Consumer Tracker für Markenartikelunternehmen herausgebracht. Der kostenfreie Consumer NOW Index liefert wöchentlich... weiterlesen

 
ESOMAR Global Market Research Report 2019

Marktforschung weltweit: Nordamerika hält Status quo

Fallschirmspringer unter kanadischer und US-amerikanischer Flagge (Bild: dennisflarsen – Pixabay)

01.04.2020 - Im zweiten Artikel zum Global Market Research Report 2019 von ESOMAR nehmen wir die Entwicklung der Marktforschungsbranche in den USA und Kanada genauer unter die Lupe. Wie schlagen sich die beiden Regionen im Vergleich? weiterlesen

 
Über marktforschung.de

Branchenwissen an zentraler Stelle bündeln und abrufbar machen – das ist das Hauptanliegen von marktforschung.de. Unser breites Informationsangebot rund um die Marktforschung richtet sich sowohl an Marktforschungsinstitute, Felddienstleister, Panelbetreiber und Herausgeber von Studien, Marktdaten sowie Marktanalysen als auch an deren Kunden aus Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe.

facebook twitter google plus