Migranten-Marketing, Oster-Shopping, Vapiano-Bashing

Was sonst noch war

In unserer Kolumne "Was sonst noch war" wollen wir Ihnen ans Herz legen, was die anderen schreiben. Denn manches gerät aus dem Blick – wir fangen es wieder ein mit unserer Presseschau.

© Daniel Ernst

Seid umschlungen, Migranten: Menschen mit Migrationshintergrund haben oft ganz eigene Erwartungen und Empfindungen bezüglich Produkten und bilden daher besonders lukrative Zielgruppen. Victor Gojdka wirft für "Spiegel Online" einen Blick hinter die Kulissen einer türkischen Produkt-Marketingagentur: "Bis in die späten Neunzigerjahre haben deutsche Unternehmen Migranten als Zielgruppe oft völlig ignoriert. Doch seit sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, entdecken Firmen ihre Chancen in dem wachsenden Markt."

Wirtschaftswunder ist, wenn plötzlich jeder Anlass für eine Feier willkommen ist. Und da muss man sich auch nicht mehr wundern, wenn Ostern in vielen Familien groß begangen wird: Mit reichlich Geschenken. Carsten Dierig ist für "Welt Online" dem Phänomen des Ostergeschenkkonsums nachgegangen: "Denn Ostern hat sich für die Branche zu einer Art zweitem Weihnachten entwickelt, berichtet Marktforscher Weber. Und tatsächlich macht der Spielwarenhandel in einem Ostermonat massive Mehrumsätze, wie es beim BVS heißt."

Push the button: Amazon lässt in den USA einen Minisender testen, der auf Knopfdruck ein Produkt online bestellt. So sollen beispielsweise Verbrauchsgüter wie Wasch- oder Lebensmittel leicht nachbestellt werden können, ohne sich durch Websites klicken zu müssen. Wie sich der Konzern das konkret vorstellt, hat Patrick Beuth für "Zeit Online" aufgeschrieben.

Die Texte meines Kollegen Stephan Dörner lese ich auch deshalb sehr gerne, weil Dörner nicht zu den hyperventilierenden Technikfanatikern gehört, sondern die Dinge gerne auch mal kritisch sieht. So wie in seiner jüngsten Kolumne für das t3n-Magazin, in der Dörner auf die Nachteile der Digitalisierung eingeht: "Vertreter der Digitalbranche, die auch massenhaft Mittelklassen-Jobs entstehen lassen, sind derzeit nicht in Sicht. Aktuell scheint die Digitalisierung den Trend zur sozialen Spaltung daher eher zu beschleunigen."

Schon mal bei Vapiano gegessen? Nein? Sagen Sie jetzt bloß nicht Ja, das könnte Ihrem Image schaden. Denn wer etwas auf sich hält, geht natürlich zum echten Italiener, anstatt sich mit der vermeintlich günstigeren Alternative zufrieden zu geben. "Stern"-Kolumnist Micky Beisenherz hat nun die Chance genutzt, mal so richtig Nudel-Dampf abzulassen: "Das Publikum in der Pastavorhölle kann eigentlich nur aus Menschen bestehen, die lange bei einer Versicherung gearbeitet haben und stockholmsyndromartig nicht mehr von dem Industriekantinenfeeling loskommen." Diese Vapiano-Bashing erinnert mich an einen Beitrag von Marcus Werner in der "Wirtschaftswoche". Fest steht: Ein Medienliebling wird Vapiano nicht mehr.

Friedensfürst Wladimir Putin sorgt mit seiner geschickten Deeskalationspolitik in der korrupten Ukraine dafür, dass ein mutiges Gegengewicht zum kolonialimperialistischen Amerika und seiner Dollar-Zwangsleitwährung entsteht. So plump oder etwas subtiler lesen sich viele Propaganda-Blogbeiträge im Internet. Welche systematische Desinformationsstrategie der Kreml betreibt, ist einem erschreckenden Recherchebeitrag des "Guardian" zu entnehmen: "After two months of working in the troll agency, Marat began to feel he was losing his sanity, and decided he had to leave." Entweder lesen – oder die Lügenpresse ignorieren.

Ein schönes Wochenende wünscht
Nils Glück, marktforschung.de

Übrigens: Meistgeklickter Link von letztem Mal war die Sammlung von SPSS-Videotutorials des Instituts m.core.

Veröffentlicht am: 10.04.2015

 

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