Megatrend Neo-Ökologie: Mischung aus Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlichen Engagement

Frankfurt - An der Green Economy geht kein Weg vorbei. Infolge von Globalisierung, Klimawandel, Rohstoffknappheit sowie eines stärkeren Umwelt- und Verantwortungsbewusstseins der Konsumenten wird Wachstum künftig auf einer neuen Mischung aus Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlichen Engagement beruhen. Derzeitig freiwillige Maßnahmen werden zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, zum Differenzierungsmerkmal im nationalen und globalen Maßstab. Gefragt sind klare Standards, Modelle und Konzepte. Das Konsumieren mit gutem Gewissen wird zum Wachstumsmotor. Der Megatrend Neo-Ökologie wird die Märkte radikal verändern und damit auch Unternehmen sowie ihre Prozesse und Produkte. Zu diesem Schluss kommt die Studie des Zukunftsinstituts mit dem Titel „Die Zukunft der Umwelt – Auf dem Weg zur Green Economy“.

Konsumenten sind immer mehr dazu bereit, Geld für „gute“ Produkte auszugeben. Fair, grün und nachhaltig sind die entscheidenden Qualitätskriterien von morgen. Kaum ein Unternehmen bekommt den Wertewandel nicht zu spüren. Wer unter diesen veränderten Rahmenbedingungen weiter auf „business as usual“ setzt oder nur oberflächlich „Greenwashing“ betreibt, bleibt mittelfristig auf der Strecke. Umweltmanagement und ökologische Nachhaltigkeitsstrategien sind nicht nur ein Mechanismus des Risikomanagements oder ein Mittel zur Steigerung der Popularität, sondern werden vielmehr überlebensnotwendig für Unternehmen. Denn stärker noch als von der Technologie sind Unternehmen in Zukunft konsumentengetrieben. Was in der Lebensmittelbranche mit „Bio“ und „Fairtrade“ begann, weitet sich auf immer mehr Bereiche der Wirtschaft aus. Unternehmen werden von der Öffentlichkeit genauer unter die Lupe und stärker in die Verantwortung genommen. Daher braucht es in Zukunft klare Standards für seriöse und öffentlichkeitswirksame Zertifizierungen. Neue umwelt- und nachhaltigkeitsorientierte Konzepte werden künftig die Innovation, Produktentwicklung und letztlich die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen bestimmen.

In den kommenden Jahren muss der Grundstein für eine Ära nach dem Atom- und Ölzeitalter gelegt werden. Das ist nicht nur eine Notwendigkeit, sondern auch der Motor für dynamische Wachstumsmärkte. In Europa hat bereits ein massiver Verdrängungswettbewerb zugunsten alternativer Konzepte eingesetzt. Allein im Bereich der umweltfreundlichen Energieerzeugung und -speicherung sowie für Energieeffizienz werden sich die weltweiten Umsätze laut Berechnungen von Roland Berger Strategy Consultants bis zum Jahr 2025 auf rund 2,3 Billionen etwa verdoppeln und in vielen Ländern die traditionellen Industriezweige überholen (BMU 2012). Die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Ressourcen hat in der Green Economy oberste Priorität. Auch wenn, gemessen am globalen Maßstab, Kohle, Erdöl und Erdgas mittelfristig noch den Löwenanteil am Energiemix ausmachen, wird eine Fülle kleinster „Energiesammler“, die thermische Energie oder Bewegungsenergie in Elektrizität umwandeln, den Energiesektor revolutionieren. So sieht beispielsweis der Ansatz des israelischen Start-ups Innowattech vor, Straßen zu bauen, die den Druck der Autoreifen zur Stromerzeugung nutzen.

Das Konzept der dezentralen Energieproduktion wird langfristig selbst Großstädte zu Green Cities machen. Um die Vision real werden zu lassen, sind jedoch nicht nur technische, sondern auch soziale Innovationen unerlässlich. Es geht um die intelligente Verknüpfung modernster Informations- und Umweltechnologien mit soziologischen Konzepten des Verhaltens, um den Verbrauch von Ressourcen zu verringern. Lassen sich beispielsweise Menschen dazu motivieren, sich mehr zu bewegen, um ihre Bewegungs- in elektrische Energie umzuwandeln? Eine Antwort auf diese Frage fand das niederländische Unternehmen Sustainable Dance Club, das einen Tanzboden entwickelt hat, der genau das umsetzt, um Partykultur und Klimaschutz zusammenzubringen. Denkbar wäre die Weiterentwicklung hin zu einem Sustainable Energy Floor. Dieser könnte dann überall dort verlegt werden, wo tagtäglich viele Fußgänger entlanggehen. Wo Wege und Straßen zu Energiequellen werden, lassen sich Telefonzellen zu Stromtankstellen umrüsten – ein weiteres innovatives Konzept, das in der Studie vorgestellt wird. Die große Herausforderung ist, die Bereiche Energie, Mobilität, Stadtentwicklung und Datenverarbeitung klug miteinander  zu vereinen. Das verändert auch die Rolle der Energieversorger. Um ihren Beitrag zur Umwandlung der Städte zu Green Cities zu leisten und Kunden langfristig zu binden, müssen sie zu Full-Service-Energieagenturen werden, die sich um alle Belange in energetischen Fragen kümmern und ihren Kunden dabei praktische Unterstützung bieten.

ah

Veröffentlicht am: 04.11.2013

 

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