Mauerfall in Berlin: Profitiert haben vor allem die osteuropäischen Staaten

Studie von INTEGRAL

Europa hat sich seit dem Mauerfall von 1989 stark verändert. Doch wie sieht man in Österreich heute das vereinte Europa? Und wie gut hat man die Ereignisse von 1989 in Erinnerung? INTEGRAL hat nachgefragt.

Berliner Mauer vor 1989 (Bild: Andreas Prott - AdobeStock)
Berliner Mauer vor 1989 (Bild: Andreas Prott - AdobeStock)

Vier von fünf der von INTEGRAL befragten österreichischen Bürger ordneten die Ereignisse der Ostöffnung und des Mauerfalls richtig dem Jahr 1989 zu. Jeder Zehnte konnte dazu jedoch keine Angaben machen. Bei Personen unter 30 Jahren, die erst nach dem Mauerfall zur Welt gekommen sind, ist es sogar jeder Dritte. Immerhin 55 Prozent gaben bei der Befragung an, die Begebenheiten des Jahres 1989 einer anderen Person gut erklären zu können. Besonders gut schätzen Männer, Befragte über 50 und Personen mit Matura ihr Wissen ein. Die Aufmerksamkeit war 1989 jedenfalls groß: Zwei Drittel der Befragten über 35 erinnern sich, die Berichterstattung zur Ostöffnung seinerzeit in den Medien verfolgt zu haben.

Vor allem die osteuropäischen Staaten seien Profiteure

Die Befragten sehen die Vorteile durch den Fall des Eisernen Vorhangs hauptsächlich bei den osteuropäischen Staaten: 69 Prozent sind der Meinung, die Ostöffnung hätte diesen Ländern überwiegend Vorteile gebracht. Hingegen teilen nur 4 von 10 die Ansicht, Österreich bzw. die westeuropäischen Staaten hätten mehrheitlich Vorteile gezogen. Für sich persönlich sieht lediglich ein Viertel Vorteile. „Speziell die österreichische Wirtschaft hat stark von der Öffnung der Grenzen und dem danach einsetzenden Wiederaufbau der Wirtschaft in den Ostländern profitiert – und damit auch viele Österreicher und Österreicherinnen persönlich. Doch dies scheint vielen nicht bewusst oder bereits in Vergessenheit geraten zu sein. Auch die als unzureichend wahrgenommene Solidarität der ehemaligen Ostländer im Zuge der Flüchtlingskrise kann zur Meinung, diese Länder hätten nur ‚cherry-picking‘ betrieben, beitragen“ so dazu Martin Mayr, Mitglied der Geschäftsleitung von INTEGRAL. 

Österreich wurde durch die Ostöffnung tendenziell weltoffener

Knapp die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, Österreich sei durch die Ostöffnung weltoffener geworden. 35 Prozent stimmen dieser Aussage hingegen nicht zu. Allerdings wird die Ostöffnung in Österreich durchaus auch kritisch gesehen. 47 Prozent meinen, die Ostöffnung habe uns vor Probleme gestellt, die es davor nicht gab – vor allem Befragte über 50 sehen dies so. Nur 35 Prozent glauben, ohne die Ostöffnung stünde Europa heute wesentlich schlechter da. Und auch in Hinblick auf die gegenseitige Ausbeutung zeigt man sich recht osteuropakritisch. 40 Prozent sind der Meinung, die ehemaligen Warschauer Pakt Staaten hätten die Hilfsbereitschaft des Westens ausgenutzt. Hingegen meinen nur  29 Prozent, der Westen habe die osteuropäischen Länder nach 1989 ausgebeutet. In einem Punkt sind sich die Befragten aber trotzdem einig: Der Eiserne Vorhang darf nicht wieder hochgezogen werden. Nur eine Minderheit von 10 Prozent meint, Europa sollte erneut in Ost und West geteilt werden. 

Deutsche sind mit den Ereignissen von 1989 besser vertraut

Die deutschen Nachbarn ordnen die Ereignisse der Ostöffnung noch besser dem Jahr 1989 zu, immerhin liegen 88 Prozent mit der Jahreszahl richtig. Dies überrascht nicht, hat sich doch der Mauerfall mitten im Land ereignet. Das hat das Heidelberger SINUS-Institut in Kooperation mit YouGov herausgefunden. Die Deutschen sehen sich auch besser in der Lage, die Ereignisse des historischen Jahres 1989 jemand anderem zu erklären: Drei Viertel trauen sich dies sehr oder eher gut zu, das ist ein beachtliches Drittel mehr als in Österreich. 

Zur Studie: Dies sind Ergebnisse aus der INTEGRAL-Eigenforschung. Im Rahmen einer Online-Befragung wurden im Oktober 2019 500 Personen für die österreichische Bevölkerung zwischen 18 und 69 Jahren befragt.

Veröffentlicht am: 07.11.2019

 

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