Marktforschung weltweit: Europäischer Markt verliert an Bedeutung

ESOMAR Global Market Research Report 2018

Der Global Market Research Report von 2018 stellt fest, dass sich die Marktforschungsbranche im Jahr 2017 positiv entwickelt hat. Während die USA und der Raum Asien-Pazifik ein gesundes Wachstum verzeichnen, verliert jedoch Europa an Bedeutung.


von Matthias Richter, marktforschung.de

Einigen Prognosen und Einschätzungen entgegen, dass sich die Marktforschungsbranche insgesamt rückläufig entwickelt, zeigen die Ergebnisse des Global Market Research Report ein weltweites Wachstum im Jahr 2017. Der Marktforschungsmarkt – in seiner traditionellen Definition – hat (Stand 2017) einen Wert von knapp 46 Milliarden US-Dollar. Im Jahresvergleich entspricht dies einem Wachstum von 3,3 Prozent beziehungsweise inflationsbereinigt einem Prozent.

Zwar kann im Gegensatz zum Vorjahr nicht in allen Regionen ein Wachstum konstatiert werden, trotzdem sind die Einschätzungen der ESOMAR-Kommentatoren, die über die unterschiedlichen Märkte berichten, von Optimismus geprägt.

Gesundes Wachstum in USA und Asien-Pazifik, leichter Rückgang in Europa

Der weltweite Nettoumsatz stieg den Studienergebnissen zufolge um weltweit ein Prozent und wurde dabei maßgeblich durch zwei Faktoren beeinflusst: Einerseits durch die positive Entwicklung der Branche in den USA (+1,6 Prozent) und andererseits durch einen leichten Rückgang für die 15 Kernländer der Europäischen Union (- 0,7 Prozent; Gesamteuropa: - 0,4 Prozent). Diese beiden Regionen allein machen bereits mehr als 75 Prozent (USA und Gesamteuropa sogar 80 Prozent) des Weltmarktes aus. Die EU hat dabei in Bezug auf die Marktanteile seit 2014 zugunsten von Nordamerika und des asiatisch-pazifischen Raums an Bedeutung verloren, so die Studie. Es werde angesichts der historisch niedrigen Wachstumsraten im Vergleich zum Rest der Welt interessant sein, die makroökonomische Entwicklung von Europa in Zukunft zu beobachten.

Umsatzrückgang auch in Deutschland

Bei genauerer Betrachtung des europäischen Marktes auf nationaler Ebene fällt auf, dass von den drei größten Märkten nur das Vereinigte Königreich eine leicht positive Wachstumsrate (0,3 Prozent) aufweist. In Deutschland (-3,7 Prozent) und Frankreich (-2,0 Prozent) stellen die Studienautoren einen Umsatzrückgang (bei Herausrechnung von Inflationseffekten/Wechselkursen) fest.

Trotz Unsicherheit und Zurückhaltung hinsichtlich potenzieller Auswirkungen des Brexits und einer zunehmenden Tendenz zu Inhouse-Forschung (zum Beispiel aufgrund von Bedenken bezüglich Daten-Hostings durch die neue EU-Datenschutzgrundverordnung und den Zugang zu Big Data sowie den entsprechenden Technologien) blieb die Nachfrage nach Marktforschung in Großbritannien hoch und wurde hauptsächlich von den traditionellen Unternehmen getrieben.

In Frankreich haben sich die Geschäftsmodelle der Branche verändert und die größten Akteure scheinen damit Schwierigkeiten zu haben, sich an die rasanten Veränderungen anzupassen. Mittelständische Marktforschungsunternehmen haben hier ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt, die Bedürfnisse der Kunden weiterhin zu decken, während sie gleichzeitig auf den Wandel reagieren. Die schrumpfenden Gewinnmargen scheinen jedoch die Branche insgesamt unter Druck zu setzen, so die Studie. Deutschland spürte – wie auch andere europäische Länder – die Auswirkungen einer neuen Konkurrenz durch DIY-Lösungen.

Zur Studie: Die Ergebnisse stammen aus dem Global Market Research Report 2018 von ESOMAR. Der 156-seitige Bericht beschreibt die weltweite Entwicklung der Marktforschungsbranche in den vergangenen Jahren (bis 2017) und geht dabei auf die unterschiedlichen Regionen und insbesondere die Länder mit dem größten Gesamtmarktanteil ein. Neben Umsatzentwicklungen werden Trends auf Ebene von Kundentypen, Methoden und Projekten dargestellt. Weiterhin werden Rankings der größten Unternehmen aufgeführt und erläutert. Erweitert werden die Daten und Fakten durch Experteneinschätzungen zum Beispiel zu den größten Herausforderungen der sich wandelnden Marktforschungsbranche. Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.

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