Marktforschung im Minus bei WPP

Jahreszahlen 2018

von: Jörg Stroisch

WPP macht mit Meldungen Schlagzeilen. Die Londoner Werbeholding möchte Kantar verkaufen, außerdem gingen in einem turbulenten Jahr 2018 die Umsätze zurück. Und nun warnt WPP auch noch vor einer unsicheren Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. Die Aktie reagierte mit starken Kursausschlägen.

2019 werde ein herausforderndes Jahr, sagt CEO Read

Die Ergebnisse liegen zwar am oberen Rand des Erwarteten, kommentierte Mark Read, CEO von WPP, die aktuelle Geschäftsentwicklung in einer Pressemitteilung. 15,602 Milliarden US-Dollar beträgt der Umsatz des Marktforschungsunternehmens konkret. Das sind aber 1,3 Prozent weniger als noch 2017 (15,804 Milliarden US-Dollar). Zu berücksichtigen ist jedoch, dass es auf Basis konstanter Währungen ein Plus von 1,5 Prozent gewesen wäre und auch das organische Wachstum - also das Wachstum auf Basis konstanter Währungen und abzüglich der Effekte durch Zukäufe -  mit 0,8 Prozent im Plus liegt.

Kantar steht zur Disposition

Die Brautschau für das Tochterunternehmen Kantar hatte ja schon vor einigen Monaten begonnen und es zeigt sich auch, dass die Zahlen sich seitdem nicht verbessert haben. So befindet sich der Unternehmenszweig "Data Investmentmanagement", zu dem auch Kantar gehört, auch für das Gesamtjahr 2018 deutlich im Minus. Der Umsatz lag hier bei 1,966 Milliarden britischen Pfund und damit um 4,2 Prozent unter dem Vorjahresergebnis (2,052 Milliarden britische Pfund). Der Start des Verkaufsprozesses für Kantar stehe hier unmittelbar bevor und werde voraussichtlich im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen, teilte WPP mit. Damit geht das weltweit zweitgrößte Marktforschungsunternehmen in neue Hände.

Wie weit die Sparbemühungen gehen, ist nicht klar. Der Bericht der "Neue Westfälische", man wolle EMNID in Bielefeld schließen, wurde von Kantar TNS Managing Director Hartmut Scheffler dementiert. Lediglich ein Standort der Telefongesellschaft Telquest sei betroffen. 

Auch die anderen Unternehmensbereiche von WPP liegen meistens im Minus, so Advertising, Media Investment Management mit minus 6,1 Prozent (5,530 Milliarden britische Pfund), Public Relations & Public Affairs mit minus 0,4 Prozent (1,136 Milliarden britische Pfund, hier aber zumindest mit einem guten organischen Wachstum). Einzig der Bereich Brand Consulting, Health & Wellness and Specialist Communications entwickelt sich mit einem Plus von 2,6 Prozent positiv (4,195 Milliarden britische Pfund).

Deutschland verliert weiter an Umsatz

Ausführlich geht das Unternehmen wie gewohnt in seiner Investorenpräsentation auf die einzelnen Teilmärkte ein. Deutschland, welches zumindest in vorherigen Präsentationen als viertwichtigster Teilmarkt bezeichnet wurde, konnte zumindest den Umsatzrückgang (in Betrachtung des organischen Wachstums) des vergangenen Jahres stoppen. Zwar pendelt das über die Quartale hinweg, unterm Strich stehen aber 0 Prozent. Leider verzichtet WPP nun darauf, die Teilmärkte auch monitär zu benennen. Im Jahr 2017 lag der unbereinigte Umsatz bei etwa 1,3 Milliarden US-Dollar.

Schwach entwickelt sich WPP jedenfalls in seinem wichtigsten geografischen Segment North-America, welches für 34,9 Prozent des Gesamtumsatzes zuständig ist. Hier ging der Umsatz um 6,7 Prozent zurück auf 4,474 Milliarden britischen Pfund (2017: 4,794 Milliarden britische Pfund). Auch die Region Asia Pacific, Latin America, Africa & Middle East and Central & Eastern Europe konnte beim bilanzierten Umsatz nur Rückgänge verzeichnen auf 3,926 Milliarden britische Pfund (2017: 4,057 Milliarden britische Pfund). UK blieb mit 1,691 Milliarden britischen Pfund weitestgehend stabil (+0,2 Prozent, 2017: 1,688 Milliarden britische Pfund). Einzig Western Continental Europe entwickelt sich durchgehend positiv mit einem Plus von 4,0 Prozent auf nun 2,736 Milliarden Pfund (2,631 Milliarden Pfund) und auch einem organischen Wachstum von 2,0 Prozent - was dann aber auch zeigt, dass sich der Teilmarkt Deutschland unterdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen Ländern der Region entwickelt.

Blick auf die Zukunft: herausforderndes Jahr 2019

Wie man es bereits früher gesagt habe, werde 2019 ein herausforderndes Jahr, sagt CEO Read in seiner Pressemitteilung. Gründe dafür seien einerseits der Verlust von Kunden im Jahr 2018 - der Weggang des langjährigen WPP-Chefs Martin Sorrell und dessen offensichtliche Ambitionen, nun seinem Ex-Unternehmen Konkurrenz zu machen, hatten hier für mächtige Turbulenzen bei WPP gesorgt. Anderseits sind nach Ansicht von Read auch weitere Investitionen in Kreativität und Technologie notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu verbessern. Beim organischen Wachstum erwartet das Unternehmen so einen deutlichen Rückgang von 1,5 bis 2,0 Prozent im Jahr 2019.

Dennoch atmete die Börse in der vergangenen Woche kräftig durch, was auch mit der Ankündigung einer stabilen Dividendenzahlung von 0,60 britischen Pfund zusammenhängen kann - und der generellen Aussicht, dass die Probleme bei WPP angegangen werden. Nicht zuletzt dürfte auch der Verkauf von Kantar neues Geld ins Unternehmen spülen. Am Montag ging ein Großteil der Kursgewinne jedoch wieder verloren.

Allerdings kann die Gesamtperformance auf das Gesamtjahr betrachtet nicht überzeugen, lag die Aktie doch noch vor einem Jahr bei 12,80 britischen Pfund. Das entspricht einem Verlust von etwa 40 Prozent. Das Unternehmen ist an der Londoner Börse gelistet.

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