Kurssturz, Billionenstrafe, Existenzkrise? – Zuckerberg entschuldigt sich

Facebook-Datenskandal

Die Ereignisse hinsichtlich des Datenskandals um die britische Firma Cambridge Analytica haben sich in den letzten Tagen regelrecht überschlagen. Die jüngsten Enthüllungen haben nun die bisher größte Krise des Online-Netzwerks eingeleitet. Mark Zuckerberg entschuldigt sich nach langem Schweigen.


Facebook stand seit seiner Gründung regelmäßig wegen fragwürdigen Datenschutzpraktiken in der Kritik und rief immer wieder Verbraucherschützer und Politiker auf den Plan. Am vergangenen Wochenende wurde bekannt, dass die britische Analysefirma Cambridge Analytica illegal persönliche Daten von mehr als 50 Millionen Nutzern "abgegriffen" hat, um sie für politische Zwecke im US-Wahlkampf zu missbrauchen. Seitdem steht Facebook stärker unter Druck als jemals zuvor.

Datenklau oder eher Fehler im System?

Über eine wissenschaftlich anmutende App mit dem Namen "thisisyourdigitallife" der Firma Global Scirense Reasearch (GSR) wurden 2014 persönliche Daten von etwa 270.000 Nutzern erhoben. Über eine Programmierschnittstelle konnten zusätzlich Informationen über deren Freunde gesammelt werden. Auf diese Weise wurden Daten in diesem beträchtlichen Ausmaß gesammelt. Diese wurden an Cambridge Analytica weitergegeben. Es handelte sich dabei um Daten zu Likes, Aktivitäten, Kontakten, Soziodemographie und Identität – darunter auch sensible Informationen, die User nicht einmal selbst angeben, sondern auf die Facebook aufgrund des individuellen Nutzungsverhaltens schließen kann. Mithilfe dieser Details sowie Persönlichkeitstests sollen psychologische Profile erstellt worden sein. Bestreben des ganzen Prozesses sei gewesen, Trumps Wahlkampfbotschaften möglichst passgenau an entsprechende Zielgruppen auszuspielen.

Nach ersten Enthüllungen des Guardian 2015 begann Facebook die Vorwürfe zu untersuchen, sperrte den Zugang von GSR und forderte Cambridge Analytica auf, die illegal beschafften Daten zu löschen. Eine Überprüfung fand nicht statt und betroffene Nutzer wurden von Facebook nicht darüber aufgeklärt, dass Daten unrechtmäßig von GSR an Cambridge Analytica flossen. Am Dienstag äußerte sich Facebook zu den Vorwürfen. Das Netzwerk sieht sich als Betrogenen: Man sei hintergangen worden, hieß es in einer Mitteilung.

Vertrauensverlust bei Aktionären und Nutzern

Anfang der Woche ist die Facebook-Aktie um mehr als neun Prozent eingebrochen, am Mittwoch verlor die Aktie weiter an Wert und sank nach kurzer Erholung im Verlauf der Woche weiter. Des Weiteren reichten Aktionäre Klage ein, das Unternehmen habe "sachliche und irreführende Aussagen" gemacht.

Einen Vertrauensverlust hat Facebook nicht nur bei Aktionären erlitten: Über Twitter macht beispielsweise ein Hashtag die Runde, der Nutzer zum Löschen des Facebook-Accounts aufruft. Viele Nutzer fühlen sich betrogen und fragen sich, ob ihre Profile sicher sind.

Ermittlungen in USA, Großbritannien und EU

Die amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC leitete eine offizielle Untersuchung gegen Facebook ein. Sollte ein Verstoß gegen ein Datenschutzabkommen festgestellt werden, drohen Facebook empfindliche Geldstrafen. Auch in Großbritannien und im EU-Parlament wurde Mark Zuckerberg vorgeladen. EU-Datenschützer fordern indes schärfere Regulierungen und übergreifende Untersuchungen. Der EU-Datenschutzbeauftragte Giovanni Buttarelli spricht von einem möglichen "Jahrhundertskandal". Der Datenskandal wird auch in Deutschland aufmerksam verfolgt. Bundesjustizministerin Katarina Barley verlangte von Facebook, das Unternehmen müsse "zu diesem Skandal umfassend gegenüber der Bundesregierung Stellung beziehen".

Mark Zuckerberg: Entschuldigung unter großem Druck

Facebook-Chef Mark Zuckerberg brach indes sein langes Schweigen und räumte ein, dass das Vertrauen der Nutzer verletzt worden sei. Er bat in einem Interview mit CNN die Nutzer um Verzeihung, entschuldigte sich für die Geschehnisse und gestand Fehler ein, ohne dabei konkret zu werden. In seiner Stellungnahme sagte er, dass Facebook die Pflicht habe, für den Schutz der Daten seiner Nutzer einzustehen.

Zuckerberg kündigte technische Maßnahmen an und sagte dem Nachrichtensender, dass Facebook eine Beeinflussung der US-Kongresswahl im November und der Wahlen in Indien und Brasilien verhindern wolle. Weiterhin gab er bekannt, dass er vor dem US-Kongress aussagen und sich einer weitergehenden Regulierung der entsprechenden Behörden unterwerfen werde. Facebook wolle nun außerdem alle Nutzer benachrichtigen, deren Daten verwendet wurden.

Im Netz gibt es bereits kritische Stimmen, die Zuckerbergs Entschuldigung als Heuchlerei betiteln und ihm vorwerfen, aus reinem Eigennutz zu handeln. 

mr

Veröffentlicht am: 23.03.2018

 

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