Jahresbilanz WPP: Kräftige Einbußen durch Corona

Aktuelle Zahlen

Natürlich sackten auch beim Werbekonzern WPP, der noch 40 Prozent der Anteile an Kantar hält, der Umsatz coronabedingt ab. Ein Minus von 9,3 Prozent musste das Unternehmen verkraften.

Geld in Erde gepflanzt (Bild: TheDigitalWay -pixabay)
Ein Minus von 9,3 Prozent musste das Unternehmen WPP verkraften. (Bild: TheDigitalWay -pixabay)

Ziemlich ernüchternd ist das Gesamtergebnis des Werbekonzerns WPP für das Jahr 2020: Nur noch 12,003 Milliarden britische Pfund (Vorjahreszeitraum: 13,234 Milliarden britische Pfund) konnte das Unternehmen umsetzen. Das sind 9,3 Prozent weniger als 2019. Oder in Bezug auf den "Like-for-Like"-Umsatz betrachtet, der Käufe, Verkäufe und Währungsschwankungen ausklammert, ist es ein Rückgang von 7,3 Prozent.

Sprach CEO Mark Read vom Jahr 2019 noch von einem "fundamental wichtigem Jahr", beschreibt er das Jahr 2020 als "hart für jeden", natürlich bedingt durch die Corona-Pandemie. Und er fährt in der Pressemitteilung fort: "Die Leistung von WPP war bemerkenswert widerstandsfähig, dank unserer Bemühungen und dem nachweislichen Wert dessen, was wir für unsere Kunden tun."

Für die Marktforschungsbranche relevant ist, dass WPP 60 Prozent des Marktforschungsunternehmens Kantar an den Investor Bain Capital veräußert hat; aber umgekehrt natürlich auch noch 40 Prozent hält.

Die Zahlen passen ins Bild: Schon das dritten Quartal im letzten Jahr konnte nur mit einem Minus von 9,8 Prozent (2,969 Milliarden britische Pfund) aufwarten. Das bedeutet auch, dass im vierten Quartal der Umsatzverlust abgebremst werden konnte

Corona beeinflusst das Geschäft in den Regionen unterschiedlich

In der Investorenpräsentation lässt sich das noch deutlicher betrachten. Hier wird für die Top-5-Märkte aufgezeigt, wie stark der Like-for-Like-Umsatz zurückging. Und hier ist interessant, dass in den USA, Großbritannien und Deutschland der Einbruch im zweiten Quartal am stärksten war und es dann langsam wieder bergauf ging. China hingegen zeigte sowohl im ersten als auch dritten Quartal deutliche Schwächen, Indien im zweiten und dritten Quartal.

Konkret für Deutschland bedeutet das im ersten Quartal einen Rückgang von 4,3 Prozent, im zweiten Quartal von 11,6 Prozent, im dritten Quartal von 1,8 Prozent und im vierten Quartal – deutlich abgebremst – von 0,8 Prozent.

Leider schlüsselt WPP die Regionen in der Präsentation nicht weiter auf. Noch vom dritten Quartal ist aber bekannt, dass Nordamerika beim bilanzierten Umsatz mit einem Verlust von 10,8 Prozent auf 922 Millionen britische Pfund verlor, Großbritannien um 6,7 Prozent auf 311 Millionen britische Pfund nachgab und Western Continental Europe 4,8 Prozent weniger umsetzte (493 Millionen britische Pfund). Besonders stark verloren die Region Asia Pacific, Latin America, Africa & Middle East and Central & Eastern Europe mit einem Minus von 19,6 Prozent auf 675 Millionen britische Pfund.

Auch Unternehmensbereiche schwach positioniert

Das Corona-Bild zeichnet sich auch in den Geschäftsbereichen nach: Global Integrated Agencies ging um 7,319 Milliarden britische Pfund (Vorjahr 2019: 8,108 Milliarden britische Pfund) zurück, also um 9,7 Prozent (Like-for-Like: - 7,9 Prozent). Public Relations brach auf 854 Millionen britische Pfund (Vorjahr 2019: 898 Millionen britische Pfund) ein, also ein Minus von 4,9 Prozent (Like-for-Like: - 4,0 Prozent). Und die Specialist Agencies konnten nur noch 1,589 Milliarden britische Pfund (Vorjahr 2019: 1,841 Milliarden britische Pfund) umsetzen und gaben damit um 13,7 Prozent (Like-for-Like: - 11,5 Prozent) nach.

WPP erwartet "solide Erholung"

In der Zukunft wolle man das eigene Geschäft weiter transformieren, so CEO Read: "Die vergangenen 12 Monate haben gezeigt, wie wichtig und wirkungsvoll die Kommunikation ist. Die Nachfrage der Kunden nach einfachen, integrierten Lösungen, die herausragende Kreativität mit ausgefeilten Daten- und Technologiefähigkeiten kombinieren, wird noch zunehmen", so Read weiter. Für 2021 erhoffe man sich positiven Einfluss von den Corona-Impfungen auf das Wirtschaftswachstum und erwartet eine "solide Erholung" des Geschäfts.

Der Aktienkurs gab nach Bekanntgabe der Zahlen nach. Derzeit steht er etwa bei 9,14 britischen Pfund. Insgesamt ist er damit aber deutlich besser positioniert als noch zur Bekanntgabe der letzten Jahreszahlen im Jahr 2020, wo er bei etwa 7,61 britischen Pfund lag. Und in der Tat legte die Aktie aufs Jahr betrachtet - trotz Corona - eine rasante Performance hin und konnte um über 42 Prozent zulegen. Die Aktie ist in London gelistet.

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/mvw

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