Jahresbilanz: Der Abschied von WPP aus der Marktforschung

Aktuelle Zahlen

Der Verkauf von Kantar ist im gewünschten Umfang vollzogen. Nachvollziehen lässt sich das auch bei den Umsatzzahlen von WPP. Die sind nun zumindest leicht steigend, wenn auch der Netto-Umsatz kräftig absackte.

Mark Read, WPP
Mark Read, WPP

Es ist vollzogen: In einer Pressemitteilung konnte WPP nun Anfang Dezember 2019 endlich den Abschluss der geplanten Transaktion von Kantar an den Investor Bain Capital Private mitteilen. 60 Prozent des Marktforschungsunternehmens sind nun in anderen Händen, "die Partnerschaft mit Bain Capital bedeutet, dass wir weiterhin an dem zukünftigen Wachstum von Kantar beteiligt sind und dass unsere Kunden weiterhin von den Services von Kantar profitieren können", so Mark Read, CEO von WPP, in der Mitteilung.

2019 war ein fundamental wichtiges Jahr für die neue Strategie von WPP", sagt Read dann auch in der Pressemitteilung zur aktuellen Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Man habe Fortschritte erreicht in der Reise, das Unternehmen wieder auf Wachstum zu trimmen. Und in der Tat konnte der Umsatz um 1,4 Prozent (auf Basis konstanter Währungen: 0,2 Prozent) auf nunmehr 13,234 Milliarden britische Pfund gesteigert werden (Vorjahr ohne Kantar: 13,047 Milliarden britische Pfund).

Allerdings sank der um Währungs- und Akquisitionseffekte bereinigte Netto-Umsatz kräftig um 1,6 Prozent.

Insbesondere Nordamerika schwierig

In der Investorenpräsentation zeigt sich, dass insbesondere das Nordamerika-Geschäft es schwierig hat. Der Netto-Umsatz sank hier um 0,6 Prozent (auf Basis korrigierter Währungen sogar um -4,7 Prozent) auf nun 4,034 Milliarden britische Pfund (Vorjahr 2018: 4,060 Milliarden Pfund).

Auch der sehr wichtige britische Markt ging um 0,3 Prozent zurück auf 1,390 Milliarden britische Pfund (Vorjahr 2018: 1,394 Milliarden Pfund), so dass dies auch nicht durch die im Prinzip leicht wachsenden Märkte Western Continental Europe (2,177 Milliarden britische Pfund, -0.3 Prozent, auf Basis konstanter Währungen: + 1,0 Prozent) und Asia Pacific, Latin America, Africa & Middle East and Central & Eastern Europe (3,246 Milliarden britische Pfund, + 0,2 Prozent, auf Basis konstanter Währungen: + 0,4 Prozent) wieder ausgleichen konnten.

In dem Zusammenhang weiterhin interessant: Deutschland ist mit gut 7.000 Mitarbeitern weiterhin ein wichtiger Markt für WPP. Hier musste das Unternehmen aufs Jahr gerechnet beim Netto-Umsatz ebenfalls 0,3 Prozent einbüßen.

Auch Unternehmensbereiche schwach positioniert

Natürlich setzt sich dieses Bild der fallenden Netto-Umsätze auch bei den einzelnen Unternehmensbereichen fort – nun ohne den Kantar-Bereich "Data-Investmentmanagement": Global Integrated Agencies mit 0,5 Prozent Zuwachs (auf Basis konstanter Währungen: -0,7 Prozent) auf nun 8,108 Milliarden britische Pfund; Public Relations auf 898 Millionen britische Pfund (+2,1 Prozent, aber -0,1 Prozent auf Basis konstanter Währungen) und Specialist Agencies mit einem Minus von 4,4 Prozent (auf Basis konstanter Währungen: -5,6 Prozent) auf nun 1,841 Milliarden britische Pfund.

Verkauf von Kantar bringt 2,315 Milliarden britische Pfund

Zumindest hat der Teil-Verkauf von Kantar frisches Geld in die Kassen gespült. 2,315 Milliarden britische Pfund konnte WPP dafür verbuchen. Kantar selbst steht ebenfalls vor einer Umstrukturierung. Erst kürzlich wurde bekannt, dass CEO Eric Salama und Geschäftsführer Hartmut Scheffler zurückgetreten sind, marktforschung.de berichtete.

Die Börse zeigte sich mit den Zahlen alles andere als zufrieden. Vielleicht auch deshalb, weil zu den letzten Quartalszahlen - marktforschung.de berichtete sich die Lage deutlich positiver darstellte. Die Aktie büßte im Verlauf des Tages deutlich 16,06 Prozent ein und notierte am Abend bei 7,61 britischen Pfund (-1,46 britische Pfund). Auch aufs Jahr betrachtet ist das eine deutliche Delle von -8,6 Prozent. Die Aktie ist in London gelistet.

Jörg Stroisch
Veröffentlicht am: 28.02.2020

 

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