Ipsos wieder mit organischem Wachstum

Jahreszahlen 2018

von: Jörg Stroisch

Um 0,7 Prozent wächst das französische Marktforschungsunternehmen Ipsos 2018 organisch. Der bilanzierte Umsatz nimmt hingegen deutlich um 1,7 Prozent ab. Ipsos setzt für 2019 sehr viel Hoffnung in die neue "Total Understanding"-Strategie.

Die Jahreszahlen für 2018 des französischen Unternehmens Ipsos sind in Ordnung, wie es in einer Pressemitteilung zusammenfasst. Zumindest, wenn man den Blick aufs organische Wachstum richtet: + 0,7 Prozent verzeichnet hier das Unternehmen.

Im bilanzierten Umsatz hingegen muss das Unternehmen deutliche Einbrüche hinnehmen auf nun 1,7495 Milliarden Euro. 2017 waren es nämlich noch 1,7805 Milliarden Euro. Das ist ein Einbruch von 1,7 Prozent. Im Ausblick für 2019 klingt das auch gar nicht so zufrieden: "Wir müssen effizienter und diversierter werden, und näher an unseren Kunden heranrücken", beschreibt hier das Unternehmen die Herausforderungen der digitalen Transformation. Das organische Wachstum bezeichnet dabei das Wachstum, welches das Unternehmen aus eigener Kraft zustande bringt. Ipsos macht so vor allem die negativen Einflüsse aus den Wechselkursen für die Abweichung vom bilanzierten Umsatz verantwortlich, wiederum zum Teil relativiert durch positive synergetische Effekte etwa im Sinne von Kostenersparnissen.

Europa und Amerika sind schwach

Sowohl in Amerika als auch in Europa ist das Jahr 2018 für Ipsos nicht gut gelaufen. 761,5 Millionen Euro und damit 0,8 Prozent weniger als noch 2017 (767,6 Millionen Euro) setzte das Unternehmen in der Region Europe, Middle East and Africa um - und verzeichnete beim organischen Wachstum auch nur 0 Prozent. Amerika verlor mit minus 5,1 Prozent und somit nun 653,4 Millionen Euro (2017: 688,5 Millionen Euro, organisches Wachstum: - 0,9 Prozent) noch deutlich mehr, wobei die USA ganz gut liefen, Lateinamerika hingegen nicht, bedingt durch die Unsicherheiten aufgrund der brasilianischen und mexikanischen Wahlen. Nur Asien konnte deutlich zulegen auf 334,6 Millionen Euro und somit um 3,2 Prozent im Vergleich zu 2017 (324,4 Millionen Euro, organisches Wachstum: + 6 Prozent).

Als besondere Herausforderungen bewertete das Unternehmen in 2018 die Anstrengungen um die Integration der mit 105 Millionen Euro bewerteten Sparten der GfK Research and Synthesio mit "Customer Experience"; "Experience Innovation"; "Health" and "Public Affairs". Auch das neue Programm "Total Understanding" erforderte demnach einige Maßnahmen zur Implementierung. Es wurde zur Jahresmitte 2018 verkündet.

Neue Teilmärkte-Definition

Um sich noch stärker auf den konkreten Kunden auszurichten, hat Ipsos seine strategischen Geschäftsfelder neu definiert. Unter Consumers - dem mit Abstand größten Bereich - fließen diverse Aktivitäten zusammen, der Bereich setzte 2018 1,0597 Milliarden Euro um. 2017 machte er 61 Prozent des Unternehmensumsatzes aus - und er sank um 3,9 Prozent.

Mit weitem Abstand folgt an zweiter Stelle Clients and employees mit 287,6 Millionen und einem Anteil in 2017 von 16 Prozent (- 1 Prozent). Citizens (205,9 Euro, Anteil in 2017: 12 Prozent, +8,8 Prozent) und Doctors and patients (196, 3 Millionen Euro, Anteil in 2017: 11 Prozent, - 1,7 Prozent) folgen auf den Rängen.

Umbrüche - ausführlicher Ausblick auf die Herausforderungen

Sehr interessant ist der sehr ausführliche Ausblick von Ipsos: Nach der Restrukturierung und Kosteneinsparung folgt damit eine Qualitätsoffensive, die das Unternehmen "Total Understanding" nennt - und die vor allem den eigenen Kunden und seine Bedürfnisse mehr in den Mittelpunkt rücken soll. "Das Total-Understanding-Programm ist unser Weg, die Bedürfnisse an die neuen Kunden anzupassen und schneller und sustanzielleres Wachstum zu erzielen."

Ausgangspunkt ist die Einsicht, dass die digitale Transformation ein agilers, relevanteres und auch mutigeres Auftreten braucht, ähnlich den Kunden. Seien noch vor 20 Jahren Daten rar und teuer gewesen, gäbe es sie häufig oft umsonst und ohne Verzögerung. Allerdings sei die heutige Realität auch nicht so klar, wie es erscheine. Zum Beispiel seien Dashboards zwar schön und einfach, aber teilweise eben auch schlecht ausgesucht und kalkuliert und somit keine gute Basis für gute Entscheidungen und garantierten Erfolg. Ipsos Kunden wüssten das - und wünschen sich etwas anderes.

Entsprechend dürfe sich Ipsos nicht damit zufrieden geben, immer mehr Daten zu produzieren, sondern müsse diese auch einordnen, verbinden, integrieren und zirkulieren lassen. Hier setzt das Total-Understanding-Programm an und möchte die Fragmentierung des Wissens überwinden, die Unsicherheit von Informationen und die Komplexität von Situationen und die Diversität der Optionen verdeutlichen. 

Aktienkurs ging im Jahresverlauf deutlich runter

Da die Zahlen bei Ipsos traditionell nach Börsenschluss bekannt gegeben werden, sind so Ausschläge vor allem am Folgetag zu sehen. Um 09:15 Uhr zeigte die Aktie einen leichten Aufwärtstrend um 0,63 Prozent nach oben auf 22,36 Euro (+ 0,14 Euro). Allerdings macht das den übers Jahr betrachtet deutlichen Abwärtstrend nicht wett. Nach der Bekanntgabe der letzten Jahreszahlen 2017 notierte die Aktie noch bei 31,50 Euro - der Verlust ist immens und beträgt über 28 Prozent.

Dass es für 2019 besser laufen soll mit der Unternehmensentwicklung, verspricht Ipsos in den letzten Sätzen der Pressemitteilung: So prognostiziert das Unternehmen bei der Annahme konstanter Wechselkurse eine Steigerung von zehn Prozent. Das organische Wachstum soll zwischen zwei und vier Prozent liegen, allerdings unter der Annahme, dass die makropolitischen Entwicklungen sich nicht verschlimmern.

Veröffentlicht am: 28.02.2019

 

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